--- name: en301549-wcag-pruefplan description: "Erstellt Prüfkatalog nach EN 301 549 und WCAG. Trennt rechtlich harmonisierten Standard von fachlicher WCAG-2.2-Erweiterung, definiert Seitentypen, Stichprobe, A/AA-Kriterien, manuelle Checks und Nachweise. Output: Auditplan im Barrierefreiheit Web Checker." --- # EN 301 549 und WCAG-Prüfplan ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: BFSG; WCAG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Spezialwissen Dieses Fachmodul macht aus einer Website einen belastbaren Auditplan. ## Auditstruktur 1. Rechtsmaßstab festlegen. 2. Seitentypen bestimmen: Start, Navigation, Suche, Produkt, Checkout, Login, Formular, Konto, PDF, Fehlerseite. 3. Kritische User Journeys auswählen. 4. Automatisierte Checks einplanen. 5. Manuelle Tastatur- und Screenreader-Prüfung einplanen. 6. Ergebnisse nach Schwere, Häufigkeit und Nutzerimpact priorisieren. 7. Nachweise sammeln: Screenshot, URL, DOM-Auszug, Reproduktionsschritt, erwartetes Verhalten. ## Prüftabelle | Bereich | Prüfung | Methode | Priorität | | --- | --- | --- | --- | | Wahrnehmbar | Textalternativen, Kontrast, Zoom | Tool + manuell | hoch | | Bedienbar | Tastatur, Fokus, Skiplinks | manuell | hoch | | Verständlich | Labels, Fehlermeldungen, Sprache | manuell | hoch | | Robust | Semantik, ARIA, Screenreader | manuell + DOM | hoch | | Dokumente | PDF-Tags, Lesereihenfolge | PDF-Prüfung | mittel/hoch | ## Hinweis WCAG 2.2 ist fachlich sinnvoll, aber nicht automatisch der harmonisierte Rechtsmaßstab für jede EU-Konstellation. Das Audit kann deshalb zwei Spalten führen: rechtliche Mindestprüfung und empfehlenswerte Zusatzprüfung. ## Rechtsmaßstab präzise - **EN 301 549 V3.2.1 (03/2021)**: harmonisierte Norm, die WCAG 2.1 Level A/AA inkorporiert (Kapitel 9 für Web, Kapitel 10 für Dokumente, Kapitel 11 für Software). - **BITV 2.0**: für öffentliche Stellen des Bundes, verweist über § 3 Abs. 2 BITV 2.0 auf EN 301 549. - **BFSG** (gilt seit 28.06.2025) und **BFSGV**: für Wirtschaftsakteure (B2C-Produkte/Dienstleistungen) — Anhang 1 BFSGV nennt die Anforderungen, harmonisierte Normen erzeugen Konformitätsvermutung (§ 4 BFSG). - **WAD-Richtlinie 2016/2102**: öffentliche Stellen, in Deutschland über BITV 2.0 / Landesrecht umgesetzt. - **WCAG 2.2** wurde im Oktober 2023 vom W3C veröffentlicht; eine entsprechende EN-Aktualisierung ist noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht. Bis dahin bleibt WCAG 2.1 AA der harmonisierte Standard. ## Audit-Output-Felder Pro Befund: Erfolgskriterium (z. B. WCAG 2.1 SC 1.4.3 Contrast Minimum AA), EN-301-549-Klausel (z. B. 9.1.4.3), Schwere (kritisch/hoch/mittel/niedrig), Umsetzungsempfehlung, Verantwortlicher, Frist. ## Trade-off Reine Tool-Audits (Axe, Lighthouse, Wave) decken nur ca. 30-40 % der WCAG-Verstöße ab. Tastatur- und Screenreader-Manualtests bleiben unverzichtbar; nutzungsorientierte Tests mit Betroffenen sind das Gold-Standard.