--- name: ai-act-aktenherausgabe-zurueckbehaltung description: "AI-Act-Transparenz in der Kanzlei prüfen: Mandantenchatbot, Website, Marketing, Legal-Update, Schriftsatzentwurf, Art. 4 und Art. 50 KI-VO, Anbieter-/Betreiberrolle, redaktionelle Kontrolle und Kennzeichnung ab 02.08.2026 im Berufsrecht Anwaelte." --- # KI-VO-Transparenz bei Kanzlei-Chatbot, Website und Schriftsatz ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: BRAO, BORA, FAO, BNotO, StBerG, WPO, PAO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: KI-VO-Transparenz bei Kanzlei-Chatbot, Website und Schriftsatz - **Normen-/Quellenanker:** BRAO, BORA, FAO, RVG, RDG, GwG, beA, Verschwiegenheit, Interessenkollision und Anwaltsgerichtsbarkeit. - **Entscheidende Weiche:** Pflichtnorm, Mandatsrolle, Verschulden, Kammerverfahren, Reputationsrisiko, Rechtsbehelf und milderes Organisationsmittel trennen. - **Arbeitsprodukt:** Liefere eine fallbezogene `Norm / Tatsache / Beleg / Wertung / Gegenargument / nächster Schritt`-Matrix und einen direkt nutzbaren Textbaustein, wenn der Nutzer einen Entwurf braucht. ## Startpunkt Prüfe zuerst die Rolle der Kanzlei: nutzt sie ein fremdes System nur intern, betreibt sie einen Mandantenchatbot, veröffentlicht sie KI-generierte Inhalte oder baut sie eine eigene Oberfläche auf einem Modell? Davon hängen Art. 4, Art. 50 und mögliche Anbieter-/Betreiberfragen ab. ## Matrix | Use Case | Typische Rolle | Transparenzlogik | |---|---|---| | Interner Schriftsatzentwurf | Betreiberin eines Hilfstools | Kein KI-Hinweis allein deshalb, wenn der Schriftsatz anwaltlich geprüft und verantwortet wird; Berufs- und Haftungskontrolle bleibt zentral. | | Mandantenchatbot auf Website | Betreiberin gegenüber Mandanten/Nutzern | Nutzer müssen erkennen, dass sie mit KI interagieren; keine Scheinkanzlei-Beratung ohne Mandatsklärung. | | Legal Update/Newsletter | Veröffentlichte Inhalte | KI-Anteil, redaktionelle Verantwortung und menschliche Prüfung dokumentieren; Kennzeichnungspflichten ab 02.08.2026 live prüfen. | | Marketingbild/-video/-Audio | Deepfake-/synthetischer Inhalt möglich | Art.-50-Transparenz und Irreführungsverbot mit Berufsrecht zusammendenken. | | Eigene Kanzlei-API oder White-Label-Lösung | Rollenprüfung vertiefen | Mögliches Anbieter-/Bereitstellerprofil prüfen, besonders bei eigener Zweckbestimmung und Weitergabe an Dritte. | ## Art. 4 KI-VO Die Kanzlei muss KI-Kompetenz bei Personen organisieren, die KI-Systeme in ihrem Auftrag nutzen. Das ist kein bloßer Schulungszettel: Es braucht rollenbezogene Unterweisung zu Quellenprüfung, Geheimnisschutz, Halluzinationen, Prompt-Injection, Diskriminierungsrisiken und Grenzen automatisierter Vorschläge. ## Art. 50 KI-VO Für Transparenzpflichten immer das konkrete Szenario prüfen: - Interaktion Mensch mit KI-System - KI-generierter oder manipulierter Inhalt - Veröffentlichung gegenüber Dritten - redaktionelle Kontrolle durch Menschen - gesetzliche Ausnahmen oder Sonderpflichten