--- name: beschwerde-besoldung-zulagen-beurteilung description: "Beschwerde gegen Beurteilung und Laufbahnentscheidung: prüft die einschlägigen Voraussetzungen, Dokumente, Risiken und Ausnahmen. Norm-/Quellenanker: Soldatengesetz, Wehrbeschwerdeordnung, Wehrdisziplinarordnung 2025, Wehrpflichtgesetz, Soldatenversorgungsgesetz, Soldatenbeteiligungsgesetz, SÜG i..." --- # Beschwerde gegen Beurteilung und Laufbahnentscheidung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Beschwerde gegen Beurteilung und Laufbahnentscheidung - **Normen-/Quellenanker:** SG, WSG, WPflG, KDVG, WDO, SVG, BBesG, VwGO, truppendienstgerichtliche Zuständigkeiten und Grundrechte. - **Entscheidende Weiche:** Status, Befehl/Dienstpflicht, Gewissen/KDV, Besoldung/Versorgung, Disziplinarweg, Eilrechtsschutz und Nachweisführung trennen. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Worum geht es konkret Die Beurteilung (planmäßig oder Anlassbeurteilung) und die darauf gestützte Laufbahnentscheidung (Beförderung, Verwendungsentscheidung, Auswahlentscheidung) sind die Grundlage der Karriere des Soldaten. Beide sind im WBO-Weg anfechtbar (§ 1 WBO). Der Skill ordnet Beurteilungssystematik, Beschwerdegegenstände und Eilrechtsschutz im Konkurrentenstreit. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Welche Beurteilung (planmäßig, Anlass, Probezeit)? - Welcher Beurteiler (erster, zweiter, Höher- oder Endbeurteiler)? - Welche konkrete Wertung wird angegriffen (Einzelmerkmale, Gesamtwertung, Verwendungsempfehlung)? - Wann eröffnet, wann zugegangen (Frist § 6 WBO)? - Ist parallel ein Konkurrentenstreit anhängig (Beförderung, Dienstposten)? - Welcher Vergleichsmaßstab steht zur Verfügung (Vergleichsgruppe, Quotenregelung)? ## Rechtlicher Rahmen - § 27 SG: Beurteilung als dienstliche Bewertung der Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung. - Laufbahnrecht: Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) – Voraussetzungen für Beförderung, Verwendung, Wechsel. - Beurteilungsbestimmungen Bundeswehr – periodisch fortgeschrieben. - Art. 33 II GG: Bestenauslese – Anspruch auf leistungsbezogene Auswahl. - § 1 WBO: Beschwerderecht – auch gegen Beurteilung und Auswahlentscheidung. - § 21 WBO: Erstinstanzliche Zuständigkeit BVerwG bei Maßnahme höherer Vorgesetzter (oft im Konkurrentenstreit). - BVerwG-Rspr. zu Beurteilungsspielraum und Plausibilitätskontrolle – ständige Rechtsprechung. ## / Schritt für Schritt 1. **Beurteilung und Anlass dokumentieren.** Eröffnungsdatum, Beurteilerkette, Vergleichsgruppe. 2. **Fehler identifizieren.** - Formaler Fehler (falsche Beurteilerkette, fehlende Eröffnung), - Sachlicher Fehler (Verwertungsverbote, Hörensagen, falsche Tatsachenbasis), - Bewertungsfehler (Plausibilitätslücke, Maßstabsverstöße), - Quotenfehler (falsche Vergleichsgruppe). 3. **Frist sichern.** § 6 WBO: 1 Monat ab Eröffnung. Fristwahrende Beschwerde mit Vorbehalt der Begründung möglich. 4. **Akteneinsicht.** Personalakte, andere Beurteilungen (anonymisierte Auswertung), Quotenmatrix. 5. **Konkurrentenstreit.** - Eilantrag § 21 WBO i.V.m. § 80a VwGO entsprechend, wenn Beförderung anderer droht. - Schutzschrift zum BVerwG bei höchstrangiger Auswahl. 6. **Beschwerdeschrift.** Konkrete Rüge der Beurteilungsfehler, Anträge auf Aufhebung und Neubeurteilung. 7. **Mündliche Verhandlung.** Bei Truppendienstgericht häufig; persönliches Erscheinen. ## Trade-off-Matrix | Konstellation | Strategie | | --- | --- | | Klar fehlerhafte Tatsachen | Beweisangebote, Zeugenliste | | Plausibilitätsfehler | Plausibilitätskontrolle nach BVerwG-Rspr. | | Drohende Beförderung Mitbewerber | Eilantrag § 21 WBO mit Beförderungsstopp | | Reine Bemessungsfrage | Beschwerde, ohne Eilrechtsschutz | | Quotenproblem | Vergleichsgruppe und Maßstab angreifen | ## Praxistipps - Beurteilungen sind nur eingeschränkt überprüfbar – Spielraum der Beurteiler. Fokus auf formelle und Plausibilitätsfehler. - Eröffnungstermin Pflicht – ohne Eröffnung läuft die Frist nicht. - Personalakte spiegelt die Auswahlerwägungen wider – zwingende Einsicht vor Eilrechtsschutz. - Schutzschrift beim BVerwG vor Beförderungsterminen anderer – häufig nur wenige Wochen Reaktionszeit. - Maßstabsfragen erfordern Vergleichsgruppe – ohne diese kein Erfolg im Konkurrentenstreit. ## Mustertexte **Beschwerde gegen Beurteilung:** "Gegen die mir am [Datum] eröffnete Beurteilung lege ich fristwahrend Beschwerde nach § 1 WBO ein. Ich beantrage: 1. Aufhebung der Beurteilung. 2. Neuerstellung durch [...]. 3. Einsicht in die Vergleichsgruppe und die Quotenmatrix. Begründung folgt nach Akteneinsicht. Rügen u.a.: a) fehlerhafte Tatsachenfeststellung in [...]. b) Plausibilitätslücke zwischen Einzel- und Gesamtwertung. c) Vergleichsgruppe nicht ordnungsgemäß gebildet." **Eilantrag § 21 WBO Konkurrentenstreit:** "An das Bundesverwaltungsgericht, Wehrdienstsenat. Es wird beantragt: Im Wege der einstweiligen Anordnung die Antragsgegnerin zu verpflichten, den Dienstposten [Bezeichnung] vorläufig nicht mit Mitbewerber [Name] zu besetzen, bis über die Beschwerde meines Mandanten rechtskräftig entschieden ist. Anordnungsgrund: drohende Beförderung am [Datum]. Anordnungsanspruch: fehlerhafte Auswahlentscheidung." ## Typische Fehler - Eröffnungsdatum nicht dokumentiert – Frist unsicher. - Akteneinsicht erst nach Beschwerdeeinlegung – Rügen lückenhaft. - Schutzschrift im Konkurrentenstreit zu spät – Beförderung erfolgt vor Eilbeschluss. - Plausibilitätsangriff ohne Vergleichsmaßstab. - Verwaltungsgerichtsweg gewählt – WBO ist exklusiv. ## Quellen Stand 06/2026 - § 27 SG, Soldatenlaufbahnverordnung – Volltexte gesetze-im-internet.de. - Beurteilungsbestimmungen Bundeswehr – aktuelle Fassung beim BMVg. - Art. 33 II GG; BVerfG zu Bestenauslese – ständige Rechtsprechung. - BVerwG Wehrdienstsenate – ständige Rechtsprechung zu Beurteilungsspielraum und Plausibilitätskontrolle (Az. nach Verifikation). - WBO §§ 1, 6, 17, 21 – Volltext gesetze-im-internet.de.