--- name: bilingual-client-board-briefing description: "Erstellt bilinguale Board- und Mandantenbriefings zu Commercial-Court-Verfahren: risk, timeline, budget, settlement range, next decisions im Commercial Courts Deutschland." --- # Bilingual Board Briefing ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: GVG §§ 119, 119b (Commercial Court), ZPO §§ 184a, 614, 1025-1066, AGGVG der Länder, EU-VO 1215/2012 (Brüssel Ia) — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Bilingual Board Briefing - **Normen-/Quellenanker:** Commercial Courts/Commercial Chambers der Länder, ZPO, GVG, Zuständigkeit, Sprachwahl Englisch/Deutsch, Wortprotokoll, Geheimnisschutz und internationale Zustellung. - **Entscheidende Weiche:** Gerichtsstand, Streitwert/Sachgebiet, Verfahrenssprache, Vertraulichkeit, Beweisaufnahme, Übersetzung, Protokoll und Vollstreckbarkeit steuern. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Einstieg Stelle höchstens fünf Fragen, sofern die Akte sie nicht beantwortet: 1. Soll der Output auf Deutsch, Englisch oder zweisprachig sein? 2. Welches Gericht/Forum ist vorgesehen oder vereinbart? 3. Welche Klausel, welcher Streitwert und welche Parteien liegen vor? 4. Welche Frist oder Verfahrenshandlung steht als nächstes an? 5. Welche Unterlagen sind schon da: contract, correspondence, notices, expert report, exhibits, prior pleadings? ## Arbeitsworkflow ### Bilinguales Board Briefing — Strukturmuster #### Executive Summary (Deckblatt) | Punkt | Inhalt | Maximal | | --- | --- | --- | | Status | Verfahrensstand in 1-2 Sätzen | 50 Wörter | | Nächste Frist | Datum, Akt, Verantwortlicher | 1 Zeile | | Risiko Ampel | Grün/Gelb/Rot mit Begründung | 1 Zeile | | Budget update | Forecast vs. Actual, Abweichung | 1 Zeile | | Settlement range | Likelihood + Range (z.B. 50-65 % Wahrscheinlichkeit, 2-3 Mio. EUR) | 2 Zeilen | | Board decision needed | Y/N + Frist | 1 Zeile | #### Detail-Sektionen (DE/EN paralleler Aufbau) 1. **Sachverhalt / Background.** Was ist passiert, in 3-5 Sätzen. 2. **Rechtsfragen / Legal Issues.** 3-5 Bullet Points, Sprache angemessen für Vorstand (kein juristischer Jargon). 3. **Verfahrensgang / Procedural Timeline.** Bisherige Schritte, anstehende Termine. 4. **Budget und Kostenrisiko / Budget and Cost Risk.** Eigenes Honorar, Gegnerkosten, GKG, Sachverständige, Übersetzungen. 5. **Vergleichsoptionen / Settlement Options.** Range, Reputationsfolgen, Präzedenzwirkung. 6. **Board Decision Items.** Konkrete Entscheidungspunkte (z.B. "Soll Vorstand Vergleichsmandat bis 3,5 Mio. EUR autorisieren?"). ### Trade-off Sprache des Briefings | Modus | Pro | Contra | | --- | --- | --- | | Nur Englisch | spart Übersetzung, internationaler Vorstand | deutsche Spezifika werden flach | | Nur Deutsch | präzise rechtliche Begriffe | ausländische Vorstandsmitglieder verstehen weniger | | Bilingual parallel | beide Welten | aufwendig, doppelte Pflege | | Englisch mit deutschen Fachbegriffen in Klammern | guter Kompromiss | längerer Text | ### Berufsrechtliche Hinweise - **Mandantengeheimnis § 43a Abs. 2 BRAO, § 203 StGB:** Board-Briefing nur an befugte Empfänger (Vorstand, Aufsichtsrat); Verteiler-Liste pflegen. - **Insiderrecht Art. 17 MAR:** Bei börsennotierter Gesellschaft Briefing kann insiderrelevante Information enthalten. Compliance-Stelle einbinden. - **D&O-Versicherung:** Briefing kann später als Beweis für ordnungsgemäße Information des Boards in D&O-Haftungsprozess dienen. Versionierung und Archivierung. 1. **Forum sichern:** Commercial Court, Commercial Chamber, ordentliches Gericht, Schiedsgericht oder Ausland trennen. 2. **Sprache sichern:** wirksame Englischwahl, notwendige Übersetzungen und deutsch bleibende Verfahrensschritte prüfen. 3. **Prozesshandlung bauen:** Antrag, Schriftsatz, Evidence Map, Timetable, Hearing Script oder Mandantenmemo erstellen. 4. **ZPO-Realität bewahren:** keine US-Discovery, kein Pleading-Theater; Tatsachenvortrag, Beweisangebot, richterliche Prozessleitung und deutsches Kostenrisiko sauber erklären. 5. **Nächsten Schritt festlegen:** Frist, Verantwortliche, Unterlagen, gerichtliche Kommunikation und Mandantenfreigabe. ## Red Flags - Commercial-Court-Zuständigkeit oder englische Sprache wird nur behauptet, aber nicht aus Klausel, Gesetz und Landesrecht hergeleitet. - Englischer Schriftsatz klingt wie US-Litigation und enthält keine ZPO-tauglichen Beweisangebote. - Anlagen sind englisch/deutsch gemischt, aber Übersetzungs- und Zitierlogik fehlt. - Geheimhaltungsinteressen werden erst in der mündlichen Verhandlung entdeckt. - Das Wortprotokoll wird gewünscht, aber nicht rechtzeitig prozessual vorbereitet.