--- name: dsfa-methodik-cnil-pia-vs-bsfd-bsi description: "Vergleich der DSFA-Methoden: CNIL PIA Software (Frankreich) gegenueber dem BSI Standard-Datenschutzmodell (SDM) und dem BSFD-Ansatz. Output: Methodenwahl mit Begruendung, Anwendungshinweisen und Werkzeugauswahl." --- # DSFA-Methodik CNIL PIA versus SDM/BSI ## Wann dieses Modul hilft - Vor der Erstdurchfuehrung einer DSFA, wenn keine Hausmethodik vorgegeben ist - Beim Aufbau eines Datenschutzmanagementsystems (DSMS) - Wenn die Aufsichtsbehoerde eine methodische Begruendung verlangt - Bei grenzueberschreitenden Verarbeitungen (Frankreich-Bezug erleichtert CNIL-PIA) ## Rechtlicher Rahmen - Art. 35 Abs. 7 DSGVO Mindestinhalte der DSFA — methodenoffen. - EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01 verweisen auf etablierte Methoden, ohne eine vorzuschreiben. - CNIL PIA Methodology (Privacy Impact Assessment): freie Software der franzoesischen Datenschutzbehoerde CNIL, modular, dreiteilig (Knowledge Base, Methodology, Templates). - Standard-Datenschutzmodell (SDM) der Datenschutzkonferenz: Schutzziele Vertraulichkeit, Integritaet, Verfuegbarkeit, Transparenz, Intervenierbarkeit, Nicht-Verkettung, Datenminimierung; Referenz für Aufsichtsverfahren in Deutschland. - BSI-Grundschutz mit Datenschutz-Baustein: technische Bausteine mit Bezug zu Schutzbedarfsfeststellung; nicht primaer DSFA-spezifisch, aber kompatibel. ## Methoden im Vergleich | Merkmal | CNIL PIA | SDM (DSK) | BSI-Grundschutz | |---|---|---|---| | Rechtsrahmen | DSGVO (FR) | DSGVO (DE) | IT-Sicherheit primaer | | Werkzeug | Open-Source-Software | Methodenpapier | Fachüberblick | | Risikomodell | Schadensszenarien | Schutzziele | Schutzbedarf | | Strukturtiefe | hoch (sehr granular) | hoch (rechtlich praezise) | mittel (technikfokus) | | Aufsichtsakzeptanz DE | gut | sehr gut | gut bei TOM | | Aufsichtsakzeptanz FR | sehr gut | -- | -- | | Eignung KI-Systeme | gut | sehr gut (Schutzziele) | begrenzt | | Eignung TOM Art. 32 | mittel | gut | sehr gut | ## Ablauf 6-Schritte-Methodik 1. **Verarbeitungsbeschreibung.** Was wird verarbeitet, wer ist Verantwortlicher, in welcher Jurisdiktion? 2. **Verhaeltnismaessigkeitspruefung.** Welche Methodik passt zur Verarbeitung? Standortbezug DE: SDM bevorzugt; FR-Bezug: CNIL PIA; reine TOM-Fragen: BSI-Bausteine ergaenzend. 3. **Risikoanalyse.** Methodisches Risikomodell waehlen: Schadensszenarien (CNIL), Schutzziele (SDM) oder Schutzbedarf (BSI). 4. **Massnahmen.** Methode steuert die Massnahmenstruktur: CNIL fragt pro Szenario, SDM pro Schutzziel, BSI pro Baustein. 5. **Restrisiko.** Methodenwahl beeinflusst Bewertungsmassstab; bei Hybridansatz beide Skalen dokumentieren. 6. **Konsultation / Genehmigung.** DSB-Anhörung; Methodenwahl in der DSFA explizit begruenden. ## Mustertext / Template (Methodenwahl-Memo) ``` METHODENWAHL DSFA [DATUM] Verarbeitung: [BEZEICHNUNG] Verantwortlicher: [NAME] | Sitzland: [DE/FR/...] 1. Methodenkandidaten - CNIL PIA Software (Version [X], Sprache [DE/EN/FR]) - Standard-Datenschutzmodell SDM (Version V3.0) - BSI-Grundschutz Datenschutz-Baustein 2. Bewertung - Aufsichtsakzeptanz: [Begruendung] - Werkzeugverfuegbarkeit: [Lizenz, Sprache, Schulung] - Eignung Risikotyp: [...] - Eignung TOM: [...] 3. Methodenwahl [ ] CNIL PIA (Software-gestuetzt, modular, Schadensszenarien) [ ] SDM (Schutzziele, DE-Aufsicht, KI-tauglich) [ ] BSI ergaenzend für TOM Art. 32 [ ] Hybrid: SDM-Hauptmethodik plus BSI für TOM 4. Begruendung [Warum diese Methode für diese Verarbeitung] 5. Werkzeug - CNIL: cnil.fr/de/das-pia-tool-software-die-die-durchfuehrung-von-datenschutz - SDM: datenschutzkonferenz-online.de/standard-datenschutzmodell.html - BSI: bsi.bund.de/grundschutz Unterschrift Verantwortlicher: ____________________ Unterschrift DSB: ____________________ ``` ## Werkzeug-Hinweise zur Auswahl - CNIL PIA Software: kostenfrei, Open Source, mehrsprachig (DE-Lokalisierung verfuegbar), Export PDF und XML. - SDM V3.0: Methodenbeschreibung der DSK, frei verfuegbar, keine Software, sondern Pruefkatalog. - BSI-Grundschutz: Fachüberblick mit Bausteinen, GSTOOL bzw. verinice als Werkzeug. - Hybridansatz Empfehlung: SDM als methodische Klammer, CNIL PIA Software für strukturierte Risikoszenarien, BSI für TOM nach Art. 32 DSGVO. ## Anwendungsfaelle - KI-System mit Profiling: SDM bevorzugt, weil Schutzziele die KI-typischen Risiken (Transparenz, Nicht-Verkettung) sauber adressieren. - Cloud-Migration mit US-Anbieter: CNIL PIA Software für Risikoszenarien plus BSI-Bausteine für technische Schutzmassnahmen. - Beschaeftigtenverarbeitung mit Mitbestimmung: SDM mit ergaenzendem Stakeholder-Modul. - Forschungsverarbeitung mit besonderen Kategorien: SDM und CNIL PIA kombinieren; Beweislast-Aspekt nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO mitfuehren. ## Typische Fehler - Methode wird nicht explizit gewaehlt — Aufsicht verlangt Begruendung. - CNIL PIA wird wegen schoener Software gewaehlt, ohne dass die Schutzziele DE adressiert werden. - BSI-Grundschutz wird als DSFA-Ersatz behandelt — er ist primaer Sicherheitsmethodik. - Hybridansatz wird gewaehlt, ohne die Schnittstellen zu definieren — Doppelarbeit oder Luecken. - Sprache der Methodenartefakte passt nicht zur Aufsicht (CNIL-Output franzoesisch bei deutscher Aufsicht). - Methodenwahl wird im Projektverlauf gewechselt — kein Quervergleich der Risikobewertung mehr moeglich. - Aufsichtshinweise zur Methodenfreiheit werden als Beliebigkeit verstanden — die Methode muss zur Verarbeitung passen. ## Quellen Stand 06/2026 - Art. 35 Abs. 7 DSGVO - EDSA-Leitlinien WP 248 rev.01 - CNIL: cnil.fr — PIA Software, Knowledge Base, Methodology, Templates - DSK Datenschutzkonferenz: datenschutzkonferenz-online.de — SDM V3.0 - BSI: bsi.bund.de — Grundschutz-Fachüberblick, Baustein zum Datenschutz - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe verifizieren - Literatur: Kommentar- und Aufsatzfundstellen nur bei eigener Quelle