--- name: dsv-verdacht-vs-festgestellt description: "Bewertet, ob der Mandant bereits Kenntnis von einer Verletzung im Sinne Art: 33 Abs. 1 DSGVO hat oder ob noch bloßer Verdacht vorliegt. Behandelt: Abgrenzung Verdacht und Kenntnis;..." --- # Bewertet, ob der Mandant bereits Kenntnis von einer Verletzung im Sinne Art ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: DSGVO; BDSG; TDDDG; Art. 44 ff — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Bewertet, ob der Mandant bereits Kenntnis von einer Verletzung im Sinne Art. 33 Abs. 1 DSGVO hat oder ob noch bloßer Verdacht vorliegt. Behandelt: Abgrenzung Verdacht und Kenntnis; angemessene Sicherheit der Feststellung; Pflicht zur unverzüglichen Aufklärung; Erwägungsgrund 87; Dokumentationspflichten in der Verdachtsphase; Risiko einer verspäteten Meldung. Output: Memo zur Einordnung und Begründung des Fristbeginns. Abgrenzung: keine eigene Meldung; keine Risikobewertung. ### Verdacht versus festgestellte Verletzung — Kenntnisbegriff Art. 33 DSGVO ## Triage — kläre vor der Bearbeitung 1. Worauf basiert der Verdacht — Logeintrag, Anruf, Drittmeldung, Pressebericht? 2. Welche internen Prüfungen wurden bereits durchgeführt? 3. Liegen objektive Anhaltspunkte für eine Verletzung vor oder reine Spekulation? 4. Wie lange dauert die Aufklärung voraussichtlich? 5. Welche Sofortmaßnahmen sind während der Aufklärung sinnvoll? - Was will der Mandant wirklich erreichen? (Rechtssicherheit beim Fristbeginn; keine voreilige Falschmeldung) ## Rechtsgrundlagen - **Art. 33 Abs. 1 DSGVO** Meldung ab Kenntniserlangung. - **Erwägungsgrund 87 DSGVO** unverzügliche Feststellung mit angemessener Sicherheit. - **Art. 33 Abs. 5 DSGVO** Dokumentationspflicht auch in der Verdachtsphase. - **Art. 5 Abs. 2 DSGVO** Rechenschaftspflicht. ## Aktuelle Rechtsprechung Nicht aus Modellwissen; insbesondere zu Maßstäben angemessener Sicherheit der Feststellung und Reichweite der Aufklärungspflicht vor Ausgabe verifizieren. ## Zentrale Normen Art. 33 Abs. 1; Art. 33 Abs. 5; Art. 5 Abs. 2 DSGVO; Erwägungsgrund 87. ## Praxisformulierung — Einordnungsraster Phase Verdacht: kein Fristbeginn; Dokumentation der eingeleiteten Aufklärungsschritte. Phase qualifizierte Kenntnis: Fristbeginn 72 Stunden; Festlegung des Zeitpunkts. Maßstab: ein verständiger Verantwortlicher würde von einer Verletzung ausgehen — Reasoning zuerst dann Conclusion. Dokumentationsbausteine: was wurde wann wahrgenommen; welche Prüfungen wurden eingeleitet; welche Ergebnisse haben den Verdacht zur Kenntnis verdichtet. ## Abgrenzung zu anderen Skills - `dsv-aufnahme-statusinformation` bildet die strukturierte Erstaufnahme; dieser Skill setzt darauf auf. - `dsv-meldung-art-33-pflichtangaben` deckt die Behördenmeldung ab; bei Bedarf zusätzlich ziehen. - `dsv-benachrichtigung-art-34-betroffene` deckt die Benachrichtigung Betroffener ab. - `dsv-bussgeldverteidigung-art-83` und `dsv-schadensersatz-art-82` decken die anwaltliche Nachbearbeitung ab.