--- name: arbeitsgerichtsbarkeit description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Geschichte der Arbeitsgerichtsbarkeit. Gewerbegerichte des Kaiserreichs, Arbeitsgerichtsgesetz 1926, NS-Gleichschaltung, ArbGG 1953 und Bundesarbeitsgericht seit 1954 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Arbeitsgerichtsbarkeit Geschichte ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Arbeitsgerichtsbarkeit entstand aus den Gewerbegerichten des Kaiserreichs. Das Reichsgewerbegericht von 1890 (RGBl. 1890, 141) schuf paritaetisch besetzte Schiedsgerichte für Arbeitssachen. Das Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG) vom 23. Dezember 1926 (RGBl. I 1926, 507) schuf eigenstaendige Arbeitsgerichte. Im NS wurden Gewerkschaften verboten und durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) ersetzt; Arbeitsgerichte blieben formal bestehen, verloren aber Unabhaengigkeit. Das ArbGG 1953 (BGBl. I 1953, 1267) schuf die Nachkriegsordnung. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) nahm 1954 in Kassel die Arbeit auf. ## Kernnormen / Kernquellen - **Reichsgewerbegericht 1890 (RGBl. 1890, 141)**: Paritaetische Schiedsgerichte für Arbeitssachen - **ArbGG 1926 (RGBl. I 1926, 507)**: Eigenstaendige Arbeitsgerichte im Deutschen Reich - **ArbGG 1953 (BGBl. I 1953, 1267)**: Nachkriegs-Arbeitsgerichtsgesetz - **ArbGG §§ 2-3 aktuell**: Zuständigkeit und Aufbau - **GVG §§ 169 ff.**: Oeffentlichkeitsprinzip, gilt auch für Arbeitsgerichte ## Akteure und Institutionen - **Hugo Sinzheimer** (1875-1945): Vater des deutschen Arbeitsrechts, Einfluss auf ArbGG 1926 - **DAF (Deutsche Arbeitsfront)**: NS-Ersatz für Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter - **BAG Kassel**: Bundesarbeitsgericht seit 1954, Leitinstanz - **DGB und BDA**: Tarifvertragsparteien, praktizierende Akteure der Arbeitsgerichtsbarkeit ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Paritaet in Arbeitsgerichten: Sind ehrenamtliche Richter aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sinnvoll? 2. ArbGG 1926: War die Errichtung eigenstaendiger Arbeitsgerichte eine Errungenschaft der Weimarer Demokratie? 3. NS-Gleichschaltung der Arbeitsgerichte: Wie weit reichte die politische Kontrolle? 4. BAG und Richterrecht: Hat das BAG durch Richterrecht das Arbeitsrecht massgeblich fortentwickelt? 5. Schnelligkeit des Verfahrens: Ist der Guetetermin (§ 54 ArbGG) ein effektives Instrument? ## Methodik - ArbGG 1926: RGBl. I 1926, 507 via ALEX/OeNB - ArbGG aktuell: gesetze-im-internet.de - BAG-Rspr.: bundesarbeitsgericht.de oder JURIS - Sinzheimer: Arbeitsrechtliche Schriften, historische Erstausgaben