--- name: code-civil-und-rheinisches-recht description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Code Civil (1804) und rheinisches Recht. Napoleonische Kodifikation, Geltung in Deutschland, rheinisches Recht im 19. Jahrhundert und Nachwirkung auf BGB-Entstehung im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Code Civil und rheinisches Recht ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Der Code Civil (CC) trat am 21. Maerz 1804 in Kraft und galt im linksrheinischen Deutschland (Rheinland, Teile von Westfalen) unter napoleonischer Herrschaft ab 1804/1809. Nach der Befreiung 1814/15 blieb der CC im Rheinland als rheinisches Recht in Kraft. Preussen beibehielt ihn im Rheinland bis 1900. Das rheinische Recht hatte eine eigene Gerichts- und Anwaltskultur (Cour d'appel, spaeter Appellationsgericht Koeln). Die Thibaut-Savigny-Kontroverse 1814 drehte sich auch um die Frage, ob ein gesamtdeutsches Gesetzbuch das CC-Modell imitieren sollte. ## Kernnormen / Kernquellen - **Code Civil Art. 544**: Eigentumsrecht als absolutes Recht - **Code Civil Art. 1382**: Deliktsrecht, Generalklausel der deliktischen Haftung - **Code Civil Art. 1134**: Pacta sunt servanda, Vertragsfreiheit - **Rheinisches Recht in Preussen**: Beibehaltung bis EGBGB-Uebergangsrecht 1900 - **Thibaut, Ueber die Notwendigkeit eines allgemeinen buergerlichen Rechts** (1814): Kodifikationsforderung ## Akteure und Institutionen - **Napoleon Bonaparte** (1769-1821): Politischer Urheber des CC - **Jean-Etienne-Marie Portalis** (1746-1807): Hauptredaktor des Code Civil - **Anton Friedrich Justus Thibaut** (1772-1840): Kodifikationsbegeisterter Heidelberger Professor - **Friedrich Carl von Savigny** (1779-1861): Gegner einer deutschen CC-Nachahmung ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Warum wurde der CC im Rheinland auch nach Napoleon beibehalten? 2. Thibaut vs. Savigny: Wer hatte den besseren juristischen Grund für seine Position? 3. Einfluss des CC auf das BGB 1900: In welchen Institutionen ist der Einfluss sichtbar? 4. Unterschiede CC-Deliktsrecht vs. BGB § 823: Was lernte das BGB aus dem CC? 5. Rheinisches Recht nach 1900: Was blieb durch EGBGB-Vorbehalte? ## Methodik - Code Civil: franzoesische Originalausgabe (1804) und kommentierte Ausgaben - Thibaut und Savigny 1814: Erstausgaben (Heidelberg) - BGB-Materialien: Mugdan Bd. I zum Einfluss des CC - Rheinisches Recht: Sekundaerliteratur Hattenhauer, Europaeische Rechtsgeschichte (1999)