--- name: deliktsrecht-und-gefaehrdungshaftung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Deliktsrecht und Gefaehrdungshaftung. BGB §§ 823-853, Haftpflichtgesetz 1871, Gefaehrdungshaftung im Industriezeitalter und Produkthaftungsgesetz 1989 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deliktsrecht und Gefaehrdungshaftung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das BGB-Deliktsrecht 1900 (§§ 823-853) basiert auf dem Verschuldensprinzip: Wer schuldhaft einen anderen schaedigt, muss Ersatz leisten. Das Reichshaftpflichtgesetz 1871 (RGBl. 1871, 207) hatte bereits für Eisenbahnen und Dampfkesselanlagen eine verschuldensunabhaengige Gefaehrdungshaftung eingefuehrt. Im 20. Jh. weitete sich die Gefaehrdungshaftung aus: Strassenverkehrsgesetz 1909 (StVG), Produkthaftungsgesetz 1989 (ProdHaftG, BGBl. I 1989, 2198) als Umsetzung der EU-Richtlinie 85/374/EWG. Die Abgrenzung zwischen Verschuldens- und Gefaehrdungshaftung ist bis heute streitig. ## Kernnormen / Kernquellen - **BGB § 823 Abs. 1**: Schadensersatzpflicht bei Verletzung absoluter Rechte durch schuldhaftes Handeln - **BGB § 826**: Vorsaetzliche sittenwidrige Schaedigung - **Reichshaftpflichtgesetz 1871 (RGBl. 1871, 207)**: Erste Gefaehrdungshaftung für Bahn und Dampf - **StVG §§ 7-18** (1909): Halterhaftung im Strassenverkehr - **ProdHaftG 1989 (BGBl. I 1989, 2198)**: Gefaehrdungshaftung für Produktfehler ## Akteure und Institutionen - **BGB-Kommission**: Entscheidung gegen generelle Gefaehrdungshaftung - **Reichstag 1871**: Haftpflichtgesetz für Industrierisiken - **BGH (VI. Zivilsenat)**: Praegend für BGB-Deliktsrecht seit 1954 - **Europaeische Kommission**: Produkthaftungsrichtlinie 1985 ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Warum entschied sich das BGB 1900 gegen eine generelle Gefaehrdungshaftung? 2. BGB § 823 und technische Risiken: Genuegt Verschuldenshaftung für Industrie, Auto, Produkte? 3. Produzentenhaftung vor dem ProdHaftG: BGH-Rspr. (Huehnerpestrohrsaft 1968)? 4. ProdHaftG 1989 und BGB § 823: Verhaeltnis der beiden Anspruchsgrundlagen? 5. EU-Produkthaftungsreform 2022: Notwendige Modernisierung für KI und Digitales? ## Methodik - BGB §§ 823-853: gesetze-im-internet.de - Reichshaftpflichtgesetz 1871: RGBl. 1871, 207 via ALEX/OeNB - ProdHaftG: gesetze-im-internet.de - BGH-Deliktsrecht: bgh.de (VI. Zivilsenat; Schluesselfaelle z. B. Huehnerpestrohrsaft BGHZ 51, 91)