--- name: einigungsvertrag-und-rechtsueberleitung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Einigungsvertrag 1990 und Rechtsueberleitung. Hauptvertrag BGBl. II 1990 (Nr. 885), Weitergeltung DDR-Rechts, Ueberleitungsregeln und erste BVerfG-Entscheidungen zur Wiedervereinigung im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Einigungsvertrag und Rechtsueberleitung (1990) ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Der Einigungsvertrag vom 31. August 1990 (EV, BGBl. II 1990, 885) regelte den rechtlichen Rahmen der deutschen Wiedervereinigung. Er enthielt Regelungen zur Weitergeltung von DDR-Recht (Anlagen I und II), zur Ueberleitung von Bundesrecht auf die neuen Länder und zu Uebergangsregelungen (Schwangerschaftsabbruch, Bodenreform, Treuhand). Das BVerfG bestaette in mehreren Entscheidungen die Verfassungsmaessigkeit: BVerfGE 82, 316 (Ehegatten-Wohnung), BVerfGE 84, 90 (Bodenreform). Art. 143 GG wurde eingefuegt als Ueberleitungsrecht. ## Kernnormen / Kernquellen - **Einigungsvertrag 1990 (BGBl. II 1990, 885)**: Hauptvertrag mit Anlagen - **EV Anlage I und II**: Weitergeltung DDR-Rechts und Uebergangsregeln - **EV Art. 17**: Rehabilitierungsrecht, Aufhebung rechtsstaatswidriger Entscheidungen - **GG Art. 143**: Uebergangsvorschrift für neues Ländergebiet - **Zwei-plus-Vier-Vertrag (BGBl. II 1990, 1318)**: Voelkerrechtliche Grundlage ## Akteure und Institutionen - **Wolfgang Schaeuble** (*1942): Hauptverhandlungsfuehrer für die BRD - **Guenter Krause** (*1953): Hauptverhandlungsfuehrer für die DDR - **Treuhandanstalt**: Vollstrecker der wirtschaftlichen Wiedervereinigung - **BVerfG**: Huter der Verfassungsmaessigkeit des Einigungsvertrags ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Art. 143 GG: Erlaubte er temporaere Abweichungen von GG-Grundsaetzen? 2. Weitergeltung DDR-Rechts: Welche DDR-Normen ueberlebten die Wiedervereinigung? 3. Bodenreform-Ausschluss Anlage III: War er verfassungsmaessig? (BVerfGE 84, 90) 4. Schwangerschaftsabbruch-Kompromiss: Ost-Fristenloesung vs. West-Indikations-Loesung 5. Rehabilitierungsrecht EV Art. 17: Wie wurde es in der Praxis umgesetzt? ## Methodik - Einigungsvertrag: BGBl. II 1990, 885; gesetze-im-internet.de (Gesamttext) - Zwei-plus-Vier-Vertrag: BGBl. II 1990, 1318 - BVerfGE: bverfg.de - GG Art. 143: gesetze-im-internet.de