--- name: enteignung-und-eigentumsgeschichte description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Enteignung und Eigentumsgeschichte. Sozialbindung des Eigentums WRV Art. 153, GG Art. 14, Enteignungsrecht im Kaiserreich, NS-Enteignungen und Wiedervereinigungsenteignungen im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Enteignung und Eigentumsgeschichte ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Verhaeltnis von Eigentum und staatlichem Zugriff ist ein Kernthema der deutschen Rechtsgeschichte. Im Kaiserreich galt das Allgemeine Preussische Enteignungsgesetz 1874 (PrEG, PrGBl. 1874, 221) als Muster. Die WRV Art. 153 garantierte Eigentum mit Sozialbindung und Entschaedigungsgebot. Das NS-Regime enteignete politische Gegner und Juden ohne Entschaedigung (11. Verordnung zum RBG 1941). Das GG Art. 14 schuetzt Eigentum mit Sozialbindung und Entschaedigungsgebot (Abs. 3). Die DDR-Bodenreform-Enteignungen 1945-49 blieben nach Einigungsvertrag endgueltig (BVerfGE 84, 90). ## Kernnormen / Kernquellen - **WRV Art. 153**: Eigentumsgarantie mit Entschaedigungspflicht - **GG Art. 14**: Eigentumsgarantie mit Sozialbindung und Enteignungsgebot - **PrEG 1874 (PrGBl. 1874, 221)**: Preussisches Enteignungsgesetz - **11. Verordnung zum RBG 1941 (RGBl. I 1941, 722)**: NS-Vermoegensenteignung von Juden - **BVerfGE 84, 90** (1991): DDR-Bodenreform-Enteignungen keine Grundrechtsverletzung ## Akteure und Institutionen - **Preussische Regierung**: PrEG 1874, Grundlage des modernen Enteignungsrechts - **NS-Regime**: Enteignungen politischer Gegner und Juden - **BVerfG**: GG Art. 14-Dogmatik, DDR-Bodenreform-Entscheidungen - **EGMR**: Art. 1 ZP 1 EMRK als zusaetzliche Schranke ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. WRV Art. 153 Sozialbindung: War sie ein Grundrechtsvorbehalt oder ein Programmziel? 2. GG Art. 14 und Junktimklausel: Wann ist eine Enteignung ohne Entschaedigung gueltig? 3. NS-Enteignungen: Wurden sie nach 1945 vollstaendig aufgehoben? 4. DDR-Bodenreform: BVerfGE 84, 90 versus EGMR Art. 1 ZP 1 EMRK 5. Stadtentwicklung und Enteignung heute: Berliner Enteignungsinitiative 2021 und GG Art. 14 ## Methodik - GG Art. 14: gesetze-im-internet.de; BVerfGE: bverfg.de - PrEG 1874: historische Edition PrGBl. - NS-11. Verordnung: RGBl. I 1941, 722 via ALEX/OeNB - EGMR: hudoc.echr.coe.int