--- name: erbrecht-und-hofrecht description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Erbrecht und Hofrecht. Sachsenspiegel-Erbrecht, BGB-Erbrecht 1900, Anerbenrecht und Hoefe-Kodifikation, NS-Reichserbhofgesetz 1933 und heutiges Hoefe-Recht im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Erbrecht und Hofrecht ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Erbrecht hat in Deutschland eine vielschichtige Geschichte. Das Sachsenspiegel-Erbrecht (Ldr. I 17-27) kannte das Sippenerbe ohne Testament. Das roemisch-kanonische Recht brachte das Testament und die Testierfreiheit. Das BGB 1900 kodifizierte ein liberales Erbrecht mit Testierfreiheit (§§ 1937-1940 BGB) und gesetzlicher Erbfolge (§§ 1924 ff.). Sonderrecht galt für baeuerliche Behoefe (Anerbenrecht): In einzelnen Ländern galten Hoferbfolgegesetze, die das Gut ungeteilt auf einen Erben uebergehen liessen. Das NS-Reichserbhofgesetz 1933 (RGBl. I 1933, 685) schuf ein Sondererbrecht für Bauern. Das heutige HoefeO (BGBl. III 21-1) gilt in bestimmten Ländern weiterhin. ## Kernnormen / Kernquellen - **Sachsenspiegel Ldr. I 17-27**: Mittelalterliches Sippenerbe - **BGB §§ 1922-2385**: Erbrecht, Testierfreiheit und gesetzliche Erbfolge - **Reichserbhofgesetz 1933 (RGBl. I 1933, 685)**: NS-Sonderrecht für baeuerliche Hoefe - **HoefeO 1947 (BGBl. III 21-1)**: Weitergeltendes Anerbenrecht in Norddeutschland - **BGB §§ 1924-1933**: Gesetzliche Erbfolge nach Verwandtschaft und Ehe ## Akteure und Institutionen - **Eike von Repgow**: Sachsenspiegel-Erbrecht - **BGB-Kommission**: Diskussion Testierfreiheit vs. Pflichtteilsrecht - **Walther Darre** (1895-1953): NS-Reichsbauernfuehrer, Urheber des Reichserbhofgesetzes - **Landesarbeitsgemeinschaft der Anerbenrechts-Beratungsstellen**: Nachkriegs-Hofrecht ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Reichserbhofgesetz 1933: Sozialschutz für Bauern oder rassistische Blut-und-Boden-Ideologie? 2. Anerbenrecht heute: Ist die Bevorzugung eines Erben noch verfassungskonform (Art. 3 GG)? 3. BGB-Testierfreiheit und Pflichtteil: Zu wenig Schutz für Familienangehoerige? 4. Sachsenspiegel-Erbrecht: Wie weit war es vom roemischen Testament entfernt? 5. Erbschaft-Steuerrecht und seine Verfassungsmaessigkeit: BVerfGE 117, 1 und Folgeentscheidungen ## Methodik - Sachsenspiegel Erbrecht: MGH-Edition - BGB Erbrecht: gesetze-im-internet.de; Mugdan Bd. V (1899) - Reichserbhofgesetz 1933: RGBl. I 1933, 685 via ALEX/OeNB - HoefeO: gesetze-im-internet.de (Bundesrecht Anerbenrecht)