--- name: fallvergleich-epochenuebergreifend description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Epochenuebergreifender Fallvergleich. Verfahren und Ergebnis desselben Sachproblems in verschiedenen Epochen (z. B. Eigentumsschutz von Sachsenspiegel bis GG) strukturiert vergleichen im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Fallvergleich epochenuebergreifend ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Der epochenuebergreifende Fallvergleich ist eine Kerntechnik der Rechtsgeschichte. Er prueft, wie dasselbe Sachproblem (z. B. Eigentumsschutz, Vertragsfreiheit, staatliche Strafgewalt) in verschiedenen Epochen geloest wurde. Dafür braucht es: (1) eine invariante Fallkonstellation, (2) die einschlaegige Norm jeder Epoche, (3) die Loesungsstruktur, (4) den Vergleich der Ergebnisse. Klassische Vergleichsachsen: Sachsenspiegel / gemeines Recht / ALR / BGB / GG; oder WRV / GG für Grundrechte; oder DDR-ZGB / BGB-West für Eigentumsrecht. ## Kernnormen / Kernquellen - **Sachsenspiegel Ldr. I 34 §§ 1-2**: Eigentumsschutz und Besitz - **ALR I 8 §§ 1-10**: Eigentumsrecht und Beschraenkungen - **BGB §§ 903-924**: Eigentumsinhalt und Schranken - **GG Art. 14**: Eigentumsgarantie und Enteignung - **DDR-ZGB § 17**: Sozialistisches Eigentumsrecht ## Akteure und Institutionen - **Eike von Repgow** (Sachsenspiegel, ca. 1220): Mittelalterliche Eigentumsvorstellung - **Gottlieb Planck** (1824-1910): BGB-Eigentumskonzept - **BVerfG**: GG Art. 14, Eigentumsschutz in der Rechtsprechung - **DDR Rechtskommission**: ZGB-Eigentumskonzept 1975 ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. War Eigentum im Sachsenspiegel absolutes Herrschaftsrecht oder sozialer Nexus? 2. ALR-Eigentumsrecht: Liberaler Durchbruch oder Kontinuitaet des Feudalrechts? 3. BGB § 903: Wie absolut ist das Eigentumsrecht des BGB tatsaechlich? 4. GG Art. 14 Inhaltsbestimmung: Vergleich WRV Art. 153 vs. GG Art. 14 5. DDR-ZGB Eigentum: Was blieb nach 1990 von sozialistischem Eigentumsrecht? ## Methodik - Sachsenspiegel: MGH-Edition oder Steffenhagen-Ausgabe - ALR: ALEX/ÖNB - BGB: gesetze-im-internet.de - GG Art. 14, BVerfGE: bverfg.de (Grundrechts-Leitsaetze) - DDR-ZGB: GBl. I DDR 1975, 465