--- name: kaltstart-epochenkarte description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Epochenkarte als Orientierungsinstrument. Mittelalter, Rezeption, Kodifikationen, Kaiserreich, Weimar, NS, DDR, BRD und EU als aufeinander folgende Rechtsepochen mit je eigener Quellenbasis und Methodik." --- # Kaltstart-Epochenkarte Deutsche Rechtsgeschichte ## Aktenstart statt Formularstart Wenn zu **Kaltstart Epochenkarte** bereits Unterlagen, ein Ordner, ein ZIP, ein PDF-Buendel, E-Mails, Screenshots, Tabellen oder Entwuerfe vorliegen, lies diese zuerst aus. Bilde fuer **Deutsche Rechtsgeschichte** eine Arbeitshypothese zu Beteiligten, Rolle des Nutzers, Verfahrensstand, Fristen, Betrags-/Datumslogik, Belegen und naechstem sinnvollen Output. Frage nicht routinemaessig nach Angaben, die sich aus der Akte ergeben. Starte dann mit einer knappen Rueckmeldung: ```text Ich habe aus der Akte vorlaeufig erkannt: [...] Unsicher sind noch: [...] Als naechsten Schritt schlage ich vor: [...] ``` Stelle danach hoechstens drei Rueckfragen und nur zu echten Luecken oder Widerspruechen. Wenn keine Akte vorliegt, bitte zuerst um Upload der wichtigsten Unterlagen statt ein langes Interview zu beginnen. ## Worum es geht Die Epochenkarte ist das zentrale Orientierungsinstrument für jeden rechtshistorischen Einstieg. Sie gliedert die deutsche Rechtsgeschichte in distinkte Perioden: germanisches Stammesrecht (bis ca. 900), mittelalterliches Recht mit Sachsenspiegel (ca. 1220-1500), Rezeptionsepoche (ca. 1450-1650), Naturrechts- und Vernunftrechtsbewegung (17./18. Jh.), Kodifikationsepoche (ALR 1794, Code Civil 1804, BGB 1900), Kaiserreich (1871-1918), Weimarer Republik (1919-1933), NS-Unrechtsregime (1933-1945), DDR-Parallelsystem (1949-1990) und Bundesrepublik mit EU-Ueberformung. ## Kernnormen / Kernquellen - **Sachsenspiegel** (ca. 1220-1235): Eike von Repgow, Landrecht und Lehnrecht - **ALR 1794**: Allgemeines Landrecht für die Preussischen Staaten, ca. 17000 Paragraphen - **ADHGB 1861**: Allgemeines Deutsches Handelsgesetzbuch, Vorlaeufer des HGB - **BGB 1900** (RGBl. 1896, 195): Inkrafttreten 1. Januar 1900 - **WRV 1919** (RGBl. 1919, 1383): Weimarer Reichsverfassung - **GG 1949** (BGBl. 1949, 1): Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ## Akteure und Institutionen - **Eike von Repgow** (ca. 1180-1233): Verfasser des Sachsenspiegels - **Friedrich Carl von Savigny** (1779-1861): Historische Rechtsschule, Begruender der Pandektistik - **Carl Friedrich von Gerber** (1823-1891) und **Paul Laband** (1838-1918): Staatsrechtslehre des Kaiserreichs - **Hugo Preuss** (1860-1925): Hauptredaktor der WRV - **Hermann von Mangoldt** (1895-1953): Parlamentarischer Rat, GG-Entstehung ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Periodenabgrenzung: Wann endet die Rezeptionsepoche und beginnt die Kodifikationsepoche? 2. Kontinuitaet oder Bruch 1945: Nachwirkung von NS-Richtern und NS-Juristen im Nachkriegsdeutschland 3. Verhaeltnis DDR-Recht zum gesamtdeutschen Rechtsbestand nach 1990 4. Europarechtsueberformung als neue Epoche oder Fortsetzung der BRD-Epoche? 5. Methodentransfer: Darf man GG-Begriffe in Weimarer Verfassungstexte hineinlesen? ## Methodik - Epochengrenzen nicht starr setzen: Uebergaenge sind fliessend - Quellenpyramide beachten: Gesetzestext, Materialien (Mugdan für BGB), Rechtsprechung, Lehre - Anachronismus-Falle: Begriffe der heutigen Dogmatik nicht unkritisch auf aeltere Texte anwenden - Parallelueberlieferung pruefen: Partikularrecht bestand neben reichsweiten Regelungen ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.