--- name: kommunalrecht-und-selbstverwaltung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Kommunalrecht und Selbstverwaltung. Preussische Staedteordnung 1808, kommunale Selbstverwaltung, NS-Deutsche Gemeindeordnung 1935 und GG Art. 28 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Kommunalrecht und Selbstverwaltung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die kommunale Selbstverwaltung als Rechtsprinzip entstand mit der Preussischen Staedteordnung von 1808 (Vom Freiherrn vom Stein). Sie befreite Staedte von der Staatsaufsicht in buergerlichen Angelegenheiten und schuf gewahlte Stadtverordnetenversammlungen. Die Rheinische Gemeindeordnung 1845 und spaetere Preussische Gemeindeordnungen folgten. Im NS wurde die kommunale Selbstverwaltung durch die Deutsche Gemeindeordnung 1935 (RGBl. I 1935, 49) beseitigt: Fuehrer-Prinzip auf Gemeindeebene, keine echten Wahlen. Das GG 1949 garantiert in Art. 28 Abs. 2 das Recht zur Regelung eigener Angelegenheiten (kommunale Selbstverwaltungsgarantie). ## Kernnormen / Kernquellen - **Preussische Staedteordnung 1808**: Grundlage kommunaler Selbstverwaltung - **Preussische Gemeindeordnung 1850**: Erweiterung auf Landgemeinden - **Deutsche Gemeindeordnung 1935 (RGBl. I 1935, 49)**: NS-Zentralisierung - **GG Art. 28 Abs. 2**: Verfassungsgarantie der Selbstverwaltung - **Landesgemeindeordnungen (z. B. NRW GO)**: Ausfuellung der GG-Garantie ## Akteure und Institutionen - **Freiherr vom Stein** (1757-1831): Reformminister, Initiator der Staedteordnung 1808 - **Frick** (NS-Innenminister, 1877-1946): Deutsche Gemeindeordnung 1935 - **BVerfG**: Schutz der kommunalen Selbstverwaltung aus Art. 28 GG - **Kommunale Spitzenverbaende (Deutscher Staedtetag, Gemeindetag)**: Interessenvertretung ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Preussische Staedteordnung 1808: Reform oder Revolution von oben? 2. Kernbereichsgarantie Art. 28 Abs. 2 GG: Was ist der unantastbare Kernbereich? 3. NS-Gemeindeordnung 1935: Wie gluecklich ist die Neigung, sie als Ausnahme zu behandeln? 4. Kreisreformen der 1970er: Verletzten sie kommunale Selbstverwaltung? 5. Kommunale Finanzen: Art. 28 Abs. 2 S. 3 GG und finanzielle Mindestausstattung ## Methodik - Staedteordnung 1808: historische Druckausgaben; Geheimes Staatsarchiv Berlin-Dahlem - DGO 1935: RGBl. I 1935, 49 via ALEX/OeNB - GG Art. 28: gesetze-im-internet.de; BVerfGE zur kommunalen Selbstverwaltung: bverfg.de - GO NRW: gesetze-im-internet.de (Beispiel Landesgemeindeordnung) ## Output - Zeitleiste kommunale Selbstverwaltung: 1808-GG 1949 - Kernbereich Art. 28 Abs. 2 GG: BVerfGE-Uebersicht - DGO 1935: NS-Zentralisierung und ihr Ende