--- name: kontinuitaet-und-bruch-pruefen description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Kontinuitaet und Bruch pruefen. Methodisches Werkzeug um echte Rechtsbrueche (NS-Machtuebernahme 1933 / Kriegsende 1945 / GG 1949 / Wiedervereinigung 1990) von Schein-Bruechen zu unterscheiden im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Kontinuitaet und Bruch pruefen ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Frage nach Kontinuitaet und Bruch ist eine der grundlegendsten der deutschen Rechtsgeschichte. Scheinbare Brueche: 1945 schien das Recht neu zu beginnen, aber viele NS-Juristen arbeiteten weiter. 1990 schien DDR-Recht beendet, aber viele DDR-Regelungen galten uebergangsweise fort. Echte Brueche: 1933 Ermächtigungsgesetz als Bruch mit der WRV; 1945 Totalzusammenbruch. Das Pruef-Instrument fragt: (1) Normkontinuitaet (gleicher Gesetzestext?), (2) Institutionenkontinuitaet (gleiche Behörden, Gerichte?), (3) Personalkaontinuitaet (gleiche Richter, Beamten?), (4) Dogmatikkontinuitaet (gleiche Rechtsbegriffe und Prinzipien?). ## Kernnormen / Kernquellen - **Ermächtigungsgesetz 1933 (RGBl. I 1933, 141)**: Bruch-Dokument WRV - **Kontrollratsgesetz Nr. 1 (ABl. KR 1945, 6)**: Aufhebung NS-Recht, formeller Bruch - **GG Art. 123 Abs. 1**: Fortgeltung alten Rechts (Normkontinuitaet trotz Bruch) - **Einigungsvertrag Art. 8**: Ueberleitung BRD-Recht auf DDR, formeller Bruch DDR-Recht - **GG Art. 143**: Uebergangsrecht für neue Länder ## Akteure und Institutionen - **Alliierter Kontrollrat (1945-1948)**: Rechtliche Neuordnung nach NS-Bruch - **BVerfG**: Fortgeltungsfragen (BVerfGE 6, 389 zur NS-Gesetzgebung) - **Treuhandanstalt**: Institutionen-Diskontinuitaet 1990 als bewusste Entscheidung - **Wissenschaft**: Personalkaontinuitaet-Debatte (Mueller Furchtbare Juristen) ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. 1945: War es ein Rechtsbruch oder nur Herrschaftsbruch bei Normkontinuitaet? 2. Kontrollratsrecht: Hat es NS-Recht vollstaendig beseitigt oder Luecken gelassen? 3. 1990 und Personalkaontinuitaet: DDR-Richter nach der Wende? 4. GG Art. 123: Welche Altgesetze galten nach 1949 noch? 5. BVerfGE und NS-Gesetzgebung: Hat das BVerfG konsequent NS-Normen abgelehnt? ## Methodik - Kontrollratsgesetz Nr. 1: historische Edition (ABl. KR 1945) - Ermächtigungsgesetz 1933: ALEX/OeNB - GG Art. 123 und 143: gesetze-im-internet.de - BVerfGE zur NS-Normfortgeltung: bverfg.de