--- name: migrations-und-staatsangehoerigkeitsrecht description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Migrations- und Staatsangehoerigkeitsrecht. RuStAG 1913, Abstammungsprinzip, Auslaenderrecht im 20. Jahrhundert, Aussiedlerrecht und StAG 2000 mit Geburtsortprinzip im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Migrations- und Staatsangehoerigkeitsrecht ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Staatsangehoerigkeitsrecht ist ein zentrales Instrument staatlicher Identitaetspolitik. Das Reichs- und Staatsangehoerigkeitsgesetz 1913 (RuStAG, RGBl. 1913, 583) schuf ein reines Abstammungsprinzip (ius sanguinis): Nur wer von einem Deutschen abstammte, wurde Deutscher. Dieses Prinzip hielt sich bis 2000. Die NS-Nuernberger Gesetze 1935 eroeffneten eine rassistische Sonderstaatsangehoerigkeitsordnung. Nach 1945 ermoeglichten Aussiedlergesetze Spaetheimkehrern aus Osteuropa die deutsche Staatsangehoerigkeitl Das Staatsangehoerigkeitsgesetz 2000 (StAG, BGBl. I 2000, 1633) ergaenzte das Abstammungsprinzip durch das Geburtsortsprinzip (ius soli): In Deutschland geborene Kinder von Auslaendern koennen unter Bedingungen Deutsch werden. ## Kernnormen / Kernquellen - **RuStAG 1913 (RGBl. 1913, 583)**: Abstammungsprinzip - **Reichsbuergergesetz 1935 (RGBl. I 1935, 1146)**: NS-Sonderstaatsangehoerigkeitsrecht - **BVFG (BGBl. I 1953, 201)**: Bundesvertriebenengesetz, Spaetaussiedler - **StAG 2000 (BGBl. I 2000, 1633)**: Kombination aus ius sanguinis und ius soli - **GG Art. 116**: Deutsche Staatsangehoerigkeitsgarantie ## Akteure und Institutionen - **Reichstag 1913**: Gesetzgebungsakt RuStAG - **Vertriebenenverbande**: Lobby für Spaetaussiedler-Recht - **Bundesinnenministerium**: Staatsangehoerigkeitsrecht - **BVerfG**: GG Art. 116 Auslegung für Nachkommen ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Abstammungsprinzip RuStAG 1913: War es sinnvoll oder exkludierend? 2. NS-Staatsangehoerigkeitsrecht: Wie wurde es nach 1945 aufgehoben? 3. Doppelte Staatsangehoerigkeits: War das Verbot bis 2023 sachlich gerechtfertigt? 4. StAG 2000: Hat die ius soli-Ergaenzung die Integration verbessert? 5. GG Art. 116 und DDR-Staatsangehoerige: Galten DDR-Buerger nach dem GG als Deutschen? ## Methodik - RuStAG 1913: RGBl. 1913, 583 via ALEX/OeNB - StAG 2000: gesetze-im-internet.de - GG Art. 116: gesetze-im-internet.de; BVerfGE dazu: bverfg.de - BVFG: gesetze-im-internet.de