--- name: neu-003-bremer-handelsrecht-vor-hgb description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Bremer Handelsrecht vor HGB im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deutsche Rechtsgeschichte: 003 Bremer Handelsrecht Vor Hgb ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Bremen als Hansestadt - Lange handelsrechtliche Tradition seit Mittelalter. - Eigenes Stadtrecht (Bremer Statuta seit 1303 ff.). - Bremer Senat (Gewerbe-, Kaufleute- und Schifffahrtsgerichtsbarkeit). ## Wichtige Bremer Rechtssaetze - **Bremer Seerecht**: Pruefung von Schiffsschaeden im Hafen. - **Bremer Wechselrecht**: vor reichsweiter Wechselordnung 1848. - **Maklerrecht**: vereidigte Makler (Bremer Tradition; Vorbild für spaetere reichsweite Maklerregeln). - **Kaufmannsgerichtsbarkeit**: Sonderkammer am Bremer Landgericht. ## Allgemeines Deutsches Handelsgesetzbuch (ADHGB) 1861 - Im Deutschen Bund (ohne Norddeutschen Bund initial) als Modell durch die Mitgliedstaaten in Geltung gesetzt. - Bremen tritt frueh bei. - Vereinheitlichung des Handelsrechts. ## Norddeutscher Bund und Reich - 1869 ADHGB durch Norddeutschen Bund uebernommen. - 1871 Reich uebernimmt. - HGB 10.05.1897 — Inkrafttreten 01.01.1900 mit BGB. ## Heutige Spuren - Bremen-spezifische Gerichtsbarkeit für Hafenfaelle (Hanseatisches Oberlandesgericht in Bremen). - Bremer Vereidigte Makler. - Hanseatische Tradition im Handelsrecht. ## Subsumtionsbeispiel: Schiffsverlust 1840 Schiff mit Bremer Reederei sinkt vor Hamburg. - Bremer Recht (vor 1861): Bremer Seerecht; Stadtgerichtsbarkeit. - HGB heute: §§ 476 ff. HGB Seehandelsrecht (nach Reform 2013).