--- name: neu-005-deutscher-bund-1815-bundesakte-und-bundesbeschluesse description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Deutscher Bund 1815 Bundesakte und Bundesbeschlüsse im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deutsche Rechtsgeschichte: 005 Deutscher Bund 1815 Bundesakte Und Bundesbeschluesse ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Gruendung - **Deutsche Bundesakte vom 8. Juni 1815** (unterzeichnet auf dem Wiener Kongress, in Kraft seit 1. Juli 1815): Gruendungsakte des Deutschen Bundes als Staatenbund. - **Wiener Schlussakte vom 15. Mai 1820**: Schlussakt der Wiener Ministerialkonferenzen; ergaenzt und konkretisiert die Bundesakte (z.B. Artikel 57 mit dem monarchischen Prinzip), ersetzt sie aber nicht und ist KEINE Gruendungsakte. - 39 Mitgliedstaaten (Reduktion auf 35 nach 1830). - Sitz: Bundesversammlung in Frankfurt am Main. ## Bundesakte und Bundesbeschluesse - Bundesversammlung (eigentlich Gesandtenkongress) erlaesst **Bundesbeschluesse**. - Beschluesse muessen von Mitgliedstaaten in Landesrecht umgesetzt werden. ## Wichtige Beschluesse - **Karlsbader Beschluesse 20. September 1819**: Repressionsgesetze gegen Burschenschaften, Pressekontrolle, Universitaetsgesetz. - **Wiener Schlussakte 15. Mai 1820**: Schlussakt der Ministerialkonferenzen; Verfassungsgarantien und monarchisches Prinzip (Art. 57 WSA). - **Sechs Artikel vom 28. Juni 1832** und **Zehn Artikel vom 5. Juli 1832**: Beschraenkung der konstitutionellen Bewegung (sogenannte Bundesbeschluesse gegen den Konstitutionalismus). ## Rechtswirkung - Bundesrecht bricht nicht Landesrecht im Bundesgebiet — schwache Bundesgewalt. - Erst durch Norddeutscher Bund 1867 und Reichsgruendung 1871 wird das anders. ## Ende - **Deutscher Krieg 1866** (auch "Bruderkrieg" oder Preussisch-Oesterreichischer Krieg, Juni - Juli 1866): Oesterreich und seine deutschen Verbuendeten gegen Preussen und seine Verbuendeten. - Entscheidungsschlacht: **Schlacht bei Koeniggraetz 3. Juli 1866**. - **Vorfrieden von Nikolsburg vom 26. Juli 1866** und **Friede von Prag vom 23. August 1866**: Oesterreich erkennt Aufloesung des Deutschen Bundes an. - Den von älteren Skill-Wrappern genannten "Augustkrieg 14.7. - 22.7.1866" gibt es nicht; richtig ist Koeniggraetz 3.7., Nikolsburg 26.7., Prag 23.8. ## Subsumtionsbeispiel: Burschenschaftsverbot 1819 Studenten der Universitaet Jena gruenden Burschenschaft. - Bundesrecht: Karlsbader Beschluesse — Verbot. - Sachsen-Weimar setzt durch Landesgesetz um. ## Heutige Bedeutung - Deutscher Bund als gescheitertes konfederales Modell. - Lehrwert: Vergleich Bundesakte 1815 mit Grundgesetz 1949 (echter Bundesstaat).