--- name: neu-006-paulskirchenverfassung-1848-und-grundrechte description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Paulskirchenverfassung 1848 und Grundrechte im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deutsche Rechtsgeschichte: 006 Paulskirchenverfassung 1848 Und Grundrechte ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Historische Lage - Maerz-Revolution 1848. - Frankfurter Nationalversammlung tagt ab **18.05.1848** in der Paulskirche. - Beratung ueber eine gesamtdeutsche Verfassung. ## Inhalt der Verfassung - Verkuendung **28.03.1849** als "Verfassung des Deutschen Reichs" (Frankfurter Reichsverfassung, FRV). - Erbkaisertum: Friedrich Wilhelm IV. wird Kaiser angetragen (von ihm abgelehnt am 03.04.1849). - **Grundrechte des deutschen Volkes** (vorab am 27.12.1848 verkuendet). ## Grundrechtskatalog - Persoenliche Freiheit (§§ 1 ff. der Grundrechte). - Gleichheit vor dem Gesetz. - Eigentumsfreiheit, Berufsfreiheit, Gewerbefreiheit. - Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit. - Religionsfreiheit. - Geschworenengerichte. - Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit. ## Scheitern - Friedrich Wilhelm IV. lehnt die Kaiserkrone ab. - Bundesversammlung 1851 hebt die Grundrechte auf. ## Fortwirkung - Verfassungsidee bleibt — Vorbild für: - Preussische Verfassung 1850. - Reichsverfassung 1871 (nur teilweise). - **Weimarer Reichsverfassung 11.08.1919** — viele Grundrechte uebernommen. - **Grundgesetz 23.05.1949** — Artikel 1-19 GG sind direkter Erbe. ## Patrimonialgerichte - Paulskirchenverfassung wollte sie aufheben — nicht durchgesetzt. - Erst 1849 in Preussen (per Landesgesetz) abgeschafft. ## Heutige Bedeutung - Paulskirche als Symbol des gescheiterten Liberalismus. - 1989/90 als historisches Vorbild bei DDR-Verfassungsdiskussion.