--- name: neu-009-spaetkaiserreich-sozialgesetzgebung-und-verwaltungss description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Spätkaiserreich Sozialgesetzgebung und Verwaltungsstaat im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deutsche Rechtsgeschichte: 009 Spaetkaiserreich Sozialgesetzgebung Und Verwaltungss ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Sozialgesetze Bismarcks - **Gesetz ueber Krankenversicherung 15.06.1883** — erste Sozialversicherung der Welt. - **Gesetz ueber Unfallversicherung 06.07.1884** — Berufsgenossenschaften. - **Gesetz ueber Invaliditaets- und Altersversicherung 22.06.1889** — Vorlaeufer Rentenversicherung. ## Spaete Reformen - **Reichsversicherungsordnung (RVO) 19.07.1911** — Konsolidierung in einem Gesetzbuch. - **Angestelltenversicherungsgesetz 20.12.1911** — eigene Versicherung für Angestellte. ## Verwaltungsrecht - Preussisches OVG (Oberverwaltungsgericht) als Vorlaeufer der Verwaltungsgerichtsbarkeit. - **PrOVG-Kreuzberg-Urteil 14.06.1882** — Polizei nur Gefahrenabwehr, keine Wohlfahrtspflege. - **Otto Mayer**: "Verwaltungsrecht" 1895/96 — wissenschaftliche Grundlegung. ## Steuerrecht - **Preussisches Einkommensteuergesetz vom 24. Juni 1891** (Miquel-Reform, Preussische Gesetzsammlung 1891 S. 175): LANDESGESETZ Preussens, KEIN Reichsgesetz. Einfuehrung der allgemeinen Einkommensteuer mit Erklaerungspflicht, Progression und Quellenabzug. - **Reichserbschaftsteuergesetz vom 3. Juni 1906** (RGBl. S. 654). - **Reichsstempelgesetz 1894** (Vorgaengernormen Verkehrsteuern). - Wichtig: Eine **Reichseinkommensteuer** gibt es erst durch das **Reichseinkommensteuergesetz vom 29. Maerz 1920** (RGBl. S. 359, sogenannte Erzberger-Reform 1919/1920). Wer Miquel 1891 als Reichsgesetz darstellt, verwechselt preussisches Landesrecht mit Reichsrecht. ## Strafrecht - **Reichsstrafgesetzbuch 1871**. - **Strafprozessordnung 01.02.1877**. - Reformbewegung mit Franz von Liszt. ## Heutige Fortwirkung - SGB IV-VI als Erbe der Sozialversicherungsgesetze. - BSG und SozG als Erbe der Berufsgenossenschaftsgerichte. - BVerwG als Erbe der Verwaltungsgerichtsbarkeit.