--- name: norddeutscher-kaiserreichsverfassung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Norddeutscher Bund Verfassung 1867 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Deutsche Rechtsgeschichte: 007 Norddeutscher Bund Verfassung 1867 ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Gruendung - Nach Sieg Preussens gegen Oesterreich 1866 (Friedensvertrag von Prag 23.08.1866). - 22 norddeutsche Staaten unter preussischer Fuehrung. ## Verfassung des Norddeutschen Bundes 16.04.1867 - Erstmals als Bundesstaat (nicht mehr Staatenbund wie 1815). - Bundesrat (Vertretung der Staaten). - Reichstag (gewaehlt nach allgemeinem gleichem direktem Wahlrecht maennlich). - Bundespraesidium beim Koenig von Preussen. ## Wichtige Reichsgesetze des Norddeutschen Bundes - **Strafgesetzbuch für den Norddeutschen Bund 31.05.1870** (Vorlaeufer Reichsstrafgesetzbuch 1871). - **Gewerbeordnung 21.06.1869**: reichsweite Gewerbefreiheit. - **Wechselordnung 1869** (Allgemeine Deutsche Wechselordnung uebernommen). - **Wahlgesetz für den Reichstag**: allgemeines gleiches direktes Wahlrecht (für Maenner ab 25). ## Uebergang zum Reich - **Novembervertraege 1870** — voelkerrechtliche Beitrittsvertraege der sueddeutschen Staaten zum Norddeutschen Bund: - Baden und Hessen-Darmstadt: 15. November 1870. - Bayern: 23. November 1870 ("Versailler Vertrag" mit Bayern, mit Reservatrechten). - Wuerttemberg: 25. November 1870. - Ratifikationen und Inkrafttreten der Verfassung des Deutschen Bundes (umbenannt "Verfassung des Deutschen Reiches") zum **1. Januar 1871**, redaktionell neu bekannt gemacht als **Reichsverfassung vom 16. April 1871**. - **Kaiserproklamation in Versailles am 18. Januar 1871**: ZEREMONIELLER Akt, kein Beitrittsvertrag und keine Verfassungsgrundlage. Wilhelm I. wird Deutscher Kaiser proklamiert. ## Bedeutung - Erster echter Bundesstaat in Deutschland. - Vorbild für Reichsverfassung 1871. - Schaffung des Reichstags-Wahlrechts. ## Heutige Spuren - StGB 1871 (basiert auf NB-StGB 1870). - Gewerbeordnung 1869 weiter in Geltung (mehrfach reformiert).