--- name: presserecht-und-meinungsfreiheit-historisch description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Presserecht und Meinungsfreiheit historisch. Pressezensur im Deutschen Bund, Reichspressegesetz 1874, Weimarer Presserecht, NS-Schriftleitergesetz 1933 und GG Art. 5 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Presserecht und Meinungsfreiheit historisch ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Presserecht in Deutschland ist durch den Wechsel zwischen Zensur und Freiheit gepraegt. Der Deutsche Bund kannte intensive Pressezensur (Karlsbader Beschluesse 1819). Das Reichspressegesetz 1874 (RGBl. 1874, 65) schuf erstmals Pressefreiheit und hob die Zensur auf, bewahrte aber Straftatbestaende. Die WRV Art. 118 garantierte Meinungsfreiheit, Art. 119 Pressefreiheit. Das NS-Schriftleitergesetz 1933 (RGBl. I 1933, 713) unterstellte die Presse der NS-Kontrolle. Das GG Art. 5 garantiert Meinungs-, Presse- und Rundfunkfreiheit. Das BVerfG pragte diese Rechte durch Leitentscheidungen wie BVerfGE 7, 198 (Lueths Urteil) und BVerfGE 20, 162 (Spiegel-Affaere). ## Kernnormen / Kernquellen - **Reichspressegesetz 1874 (RGBl. 1874, 65)**: Erste freie Presseordnung - **WRV Art. 118**: Meinungsfreiheit - **Schriftleitergesetz 1933 (RGBl. I 1933, 713)**: NS-Pressekontrolle - **GG Art. 5**: Meinungs-, Presse-, Rundfunkfreiheit - **BVerfGE 7, 198** (1958, Lueths Urteil): Drittwirkung und Boykottrecht - **BVerfGE 20, 162** (1966, Spiegel-Urteil): Informantenschutz und Pressefreiheit ## Akteure und Institutionen - **Metternich** (1773-1859): Urheber der Karlsbader Beschluesse 1819 gegen Pressefreiheit - **Rudolf Augstein** (1923-2002): Spiegel-Herausgeber, Spiegel-Affaere 1962/66 - **BVerfG**: Leitentscheidungen zu Art. 5 GG - **Landesmediengesetze**: Rundfunkrecht in Länderkompetenz ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Reichspressegesetz 1874: Freiheit oder Kontrolle durch Straftatbestaende? 2. Spiegel-Affaere 1962: Gefaehrdung der Pressefreiheit durch den Staat? 3. Pressefreiheit und Persoenlichkeitsrecht: Wann endet Pressefreiheit (Caroline-Urteil)? 4. NS-Schriftleitergesetz: Hat es die Presse gleichgeschaltet oder nur kontrolliert? 5. Rundfunkfreiheit und Staatsferne: GG Art. 5 und oeffentlich-rechtlicher Rundfunk ## Methodik - Reichspressegesetz 1874: RGBl. 1874, 65 via ALEX/OeNB - Schriftleitergesetz 1933: RGBl. I 1933, 713 via ALEX/OeNB - GG Art. 5: gesetze-im-internet.de; BVerfGE: bverfg.de - BVerfGE 7, 198 und 20, 162: bverfg.de