--- name: rechtsgeschichte-grundgesetz-entstehung-bverfg description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Entstehung des Grundgesetzes 1948-49. Herrenchiemseer Konvent, Parlamentarischer Rat, Frankfurter Dokumente, Bewusste Lehren aus WRV und Inkrafttreten 23. Mai 1949 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Grundgesetz Entstehung 1948-49 ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Grundgesetz (GG) entstand unter dem Eindruck des NS-Unrechts und der WRV-Erfahrungen. Die Frankfurter Dokumente der Alliierten (Juli 1948) beauftragten die Westzonen-Ministerpraesidenten. Der Herrenchiemseer Konvent (August 1948) erarbeitete einen Vorentwurf. Der Parlamentarische Rat (September 1948 bis Mai 1949, 65 Mitglieder) verabschiedete das GG am 8. Mai 1949. Bewusste Entscheidungen gegen WRV-Fehler: Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3), Konstruktiver Misstrauensantrag (Art. 67), Grundrechte unmittelbar geltendes Recht (Art. 1 Abs. 3), Verfassungsgerichtskontrolle (Art. 93). Das GG trat am 23. Mai 1949 in Kraft. ## Kernnormen / Kernquellen - **GG Art. 1 Abs. 3**: Grundrechte binden Gesetzgebung, Vollziehung, Rechtsprechung unmittelbar - **GG Art. 20**: Demokratie, Bundesstaat, Sozialstaat, Rechtsstaatsprinzip - **GG Art. 67**: Konstruktiver Misstrauensantrag (Antwort auf WRV Art. 54) - **GG Art. 79 Abs. 3**: Ewigkeitsklausel (Antwort auf WRV Art. 76) - **GG Art. 93**: Bundesverfassungsgericht (Antwort auf WRV ohne echte Normenkontrolle) ## Akteure und Institutionen - **Konrad Adenauer** (1876-1967): Praesident des Parlamentarischen Rates - **Carlo Schmid** (1896-1979): SPD, massgeblich für Grundrechtskatalog - **Elisabeth Selbert** (1896-1986): Kaempferin für Art. 3 Abs. 2 GG (Gleichberechtigung) - **Hermann von Mangoldt** (1895-1953): CDU, Vorsitzender des Hauptausschusses - **Theodor Heuss** (1884-1963): FDP, erster Bundespraesident ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. GG als Provisorium: War das Grundgesetz als vorläufige Verfassung konzipiert? 2. Ewigkeitsklausel Art. 79 Abs. 3: Was ist unveraenderbar? (BVerfGE 30, 1) 3. Grundrechte und natuerliches Recht: Basiert Art. 1 GG auf Naturrecht? 4. Parlamentarischer Rat und Alliierten-Einfluss: Wie frei war der Rat? 5. Legitimitaet des GG: Warum keine Volksabstimmung? ## Methodik - GG: gesetze-im-internet.de; Originaltext in BGBl. 1949, 1 - Herrenchiemseer Entwurf: historische Edition; Jahrbuecher des öffentlichen Rechts Bd. 1 (1951) - Parlamentarischer Rat Protokolle: historische Edition, Bundesarchiv - BVerfGE zur Ewigkeitsklausel: bverfg.de (BVerfGE 30, 1; BVerfGE 109, 279)