--- name: richterbild-und-justizverwaltung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Richterbild und Justizverwaltung. Richterlicher Unabhaengigkeitsgedanke, Berufsrichter vs. Schoeffen, NS-Richterbild und DRiG 1961 als demokratische Grundlage im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Richterbild und Justizverwaltung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Richterbild hat sich im Laufe der deutschen Rechtsgeschichte gewandelt. Im gemeinen Recht galten die Schoeffen als Laienrichter und Rechtskenner. Im 19. Jh. setzte sich der Berufsrichter durch. Das RGG 1877 (Reichsgerichtsverfassungsgesetz, RGBl. 1877, 41) schuf die ordentliche Gerichtsbarkeit mit Berufsrichtern. Der NS pervertierte die richterliche Unabhaengigkeit: Richter sollten dem Willen des Fuehrers entsprechend urteilen. Das Deutsche Richtergesetz (DRiG, BGBl. I 1961, 713) kodifiziert heute richterliche Unabhaengigkeit (Art. 97 GG) und Richterdienstrecht. Das BVerfG schuetzt richterliche Unabhaengigkeit als Verfassungsgebot. ## Kernnormen / Kernquellen - **GVG 1877 (RGBl. 1877, 41)**: Gerichtsverfassungsgesetz, Grundlage ordentliche Gerichtsbarkeit - **GG Art. 97**: Richterliche Unabhaengigkeit und Unabsetzbarkeit - **DRiG 1961 (BGBl. I 1961, 713)**: Richterdienstrecht, Ernennung, Versetzung - **GVG §§ 30-70**: Richter und Praesidium als moderne Fassung - **NS-Richterbriefe 1942-1944**: Lenkung der Richter durch Reichsjustizminister ## Akteure und Institutionen - **Reichsgerichtspraesident Wilhelm Canaris** und weitere RG-Praeesidenten - **Roland Freisler** (1893-1945): Volksgerichtshof als Gegenbild richterlicher Unabhaengigkeit - **Deutscher Richterbund**: Berufsverband der Richter - **BVerfG**: Hueter der richterlichen Unabhaengigkeit ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Art. 97 GG: Sind Richterkandidaten tatsaechlich unabhaengig von Parteieinfluss? 2. Schoeffen und Laienrichter: Sinnvolle Demokratisierung oder Dilettantismus? 3. NS-Richterlenkung: Wie wirkte das System in der Praxis? 4. Richterbesoldung: Gefaehrdet fiskalischer Druck richterliche Unabhaengigkeit? 5. Befoerderungswesen: Schadet die Haengigkeit von Beurteilers der Unabhaengigkeit? ## Methodik - GVG: gesetze-im-internet.de - DRiG: gesetze-im-internet.de - GG Art. 97: gesetze-im-internet.de; BVerfGE zur richterlichen Unabhaengigkeit: bverfg.de - NS-Richterbriefe: Bundesarchiv Berlin (Bestand R 3001, Reichsjustizministerium)