--- name: steuerstaat-und-haushaltsgeschichte description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Steuerstaat und Haushaltsgeschichte. Matrikularbeitraege des Deutschen Bundes, Erzberger-Steuerreform 1919-1920, Reichsabgabenordnung, Finanzausgleich und GG Art. 105-108 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Steuerstaat und Haushaltsgeschichte ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Der moderne deutsche Steuerstaat entstand schrittweise. Das Kaiserreich finanzierte sich zunaechst aus Matrikularbeitraegen der Einzelstaaten und Zoellen; erst spaet entstanden echte Reichssteuern. Die Erzberger-Steuerreform 1919-1920 (Matthias Erzberger als Reichsfinanzminister) schuf ein zentrales Besteuerungssystem: Einkommensteuer, Koerperschaftsteuer, Umsatzsteuer. Die Reichsabgabenordnung (RAO) 1919 systematisierte das Steuerverfahren. Das GG 1949 verteilte Steuergesetzgebung und -ertraege zwischen Bund und Ländern (Art. 105-108 GG). Der Finanzausgleich (Art. 107 GG) gleicht Steuerkraft zwischen reichen und armen Bundeslaendern aus. ## Kernnormen / Kernquellen - **Erzberger-Steuergesetze 1919-1920 (RGBl. 1919/1920)**: Einkommensteuer, Koerperschaftsteuer, USt - **RAO 1919 (RGBl. 1919, 1993)**: Reichsabgabenordnung, Steuerverfahrensrecht - **GG Art. 105**: Steuergesetzgebungskompetenz Bund und Länder - **GG Art. 106**: Steuererteilungshoheit (Finanzkompetenz) - **GG Art. 107**: Finanzausgleich zwischen Ländern ## Akteure und Institutionen - **Matthias Erzberger** (1875-1921): Reichsfinanzminister, Steuerreformer; ermordet 1921 - **Reichsfinanzministerium**: Zentralbehoerde der Steuergesetzgebung - **BVerfG**: Finanzausgleich-Rspr. (z. B. BVerfGE 72, 330; 101, 158) - **Bundesfinanzminister**: Haushalt und Steuerrecht ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Erzberger-Reform: Warum wurde sie politisch so bekampft? 2. Finanzausgleich Art. 107 GG: Verursacht er Anreizprobleme für Länder? 3. Steuerrecht und Sozialstaat: Wie viel Umverteilung erfordert das Sozialstaatsprinzip? 4. Kalibrierung des Steuersystems: War die Weimarer Reform Vorbild für heutige Probleme? 5. BVerfGE 101, 158 Finanzausgleich: Hat das BVerfG den Gesetzgeber zu Recht korrigiert? ## Methodik - Erzberger-Steuergesetze: RGBl. 1919-1920 via ALEX/OeNB - RAO 1919 und AO 1977: gesetze-im-internet.de - GG Art. 105-108: gesetze-im-internet.de - BVerfGE zum Finanzausgleich: bverfg.de