--- name: treuhand-und-volksvermoegen description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Treuhandanstalt und DDR-Volksvermoegen. Treuhandgesetz 1990, THA-Privatisierungen, parlamentarische Kontrolle, Schulden und historisch-rechtliche Bewertung im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Treuhandanstalt und DDR-Volksvermoegen ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Treuhandanstalt (THA) wurde mit dem Treuhandgesetz vom 17. Juni 1990 (GBl. I DDR 1990, 300) gegründet und durch den Einigungsvertrag (Art. 25) in Bundesrecht ueberfuehrt. Sie verwaltete und privatisierte das Volksvermoegen der DDR: ca. 8500 volkseigene Betriebe, 1,7 Millionen Wohnungen, 2,4 Millionen Hektar Landwirtschaftsflaeche. Bis Ende 1994 privatisierte oder liquidierte die THA den Grossteil. Ergebnis: ca. 250 Milliarden DM Schulden. Die THA wurde vielfach kritisiert: Ausverkauf des Ostens, Vernichtung von Arbeitsplaetzen, fehlende demokratische Kontrolle. ## Kernnormen / Kernquellen - **Treuhandgesetz 1990 (GBl. I DDR 1990, 300)**: Gruendungsgesetz der THA - **Einigungsvertrag Art. 25**: Ueberleitung der THA in Bundesrecht - **D-Mark-Bilanz-Gesetz 1990 (BGBl. II 1990, 1460)**: Bewertung des DDR-Volksvermoegen - **THA-Geschaeftsbericht** (jaeehrlich): Privatisierungsstatistik - **Bundesschuldenwesengesetz**: THA-Schulden als Bundeserbschaft ## Akteure und Institutionen - **Detlev Karsten Rohwedder** (1932-1991): THA-Chef bis zu seiner Ermordung - **Birgit Breuel** (*1937): THA-Chefin 1991-1994 - **SED/PDS**: Auflosung des DDR-Staatsapparats und Vermoegensfragen - **Bundestag**: Beschraenkte parlamentarische Kontrolle der THA ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Treuhandgesetz 1990: War die THA demokratisch legitimiert? 2. Privatisierungsgeschwindigkeit: Zu schnell? Haette man Betriebe sanieren sollen? 3. Westdeutsche Kaeufer: War die Privatisierung ein Ausverkauf der ostdeutschen Wirtschaft? 4. THA-Schulden: Wer traegt die Verantwortung für 250 Milliarden DM Schulden? 5. Soziale Folgekosten: War die THA für die hohe Ostarbeitslosigkeit der 1990er mitverantwortlich? ## Methodik - Treuhandgesetz 1990: GBl. DDR I via ALEX - Einigungsvertrag Art. 25: BGBl. II 1990 - THA-Akten im Bundesarchiv: Bestand DG 1 (THA-Hauptverwaltung), Findmittel via invenio - Parlamentarische Kontrolle: Bundestag-Untersuchungsausschuss THA 1992