--- name: umweltrechtliche-modernisierung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Umweltrechtliche Modernisierung. Erste Umweltschutzgesetze 1970er, BImSchG 1974, WHG 1957, Umweltschutz im GG (Art. 20a seit 1994) und EU-Umweltrecht im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Umweltrechtliche Modernisierung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das moderne Umweltrecht ist ein Kind der zweiten Haelfte des 20. Jh. Zwar gab es seit dem 19. Jh. Gewerbeordnungs-Vorschriften zum Immissionsschutz, aber ein systematisches Umweltrecht entstand erst in den 1970er Jahren. Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG 1974, BGBl. I 1974, 721) schuf erstmals ein integriertes Immissionsschutzrecht. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG 1957, BGBl. I 1957, 1110) und das Abfallbeseitigungsgesetz 1972 ergaenzten es. Die Umweltpolitik Willy Brandts (1969-1974) war treibende politische Kraft. Das GG wurde 1994 um Art. 20a ergaenzt (Staatsziel Umweltschutz). EU-Umweltrichtlinien (z. B. WRRL 2000, ETS) praegte das Recht seitdem stark. ## Kernnormen / Kernquellen - **BImSchG 1974 (BGBl. I 1974, 721)**: Bundes-Immissionsschutzgesetz - **WHG 1957 (BGBl. I 1957, 1110)**: Wasserhaushaltsgesetz - **AbfG 1972 (BGBl. I 1972, 873)**: Abfallbeseitigungsgesetz - **GG Art. 20a** (eingefuehrt 1994): Staatsziel Umwelt- und Tierschutz - **WRRL 2000 (ABl. EU 2000/L 327/1)**: EU-Wasserrahmenrichtlinie ## Akteure und Institutionen - **Bundesministerium des Innern (bis 1986)**: Zustaendig für Umwelt im Kaiserreich - **Bundesumweltministerium (BMU, seit 1986)**: Zentralbehoerde Umweltrecht - **Willy Brandt** (1913-1992): Politischer Initiator des deutschen Umweltrechts - **BVerwG**: Leitentscheidungen zum BImSchG, bverwg.de ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Art. 20a GG als Staatsziel: Hat es normative Verbindlichkeit oder ist es ein Programmsatz? 2. BImSchG: War es ausreichend für den Klimaschutz? 3. GG-Klimaurteil BVerfGE 157, 30 (2021): Art. 2 GG und Klimaschutzpflicht 4. EU-Emissionshandel (ETS) und deutsches Umweltrecht: Verhaeltnis? 5. Atomkraft und Ausstieg: BVerfGE 118, 79 zum Atommoratorium ## Methodik - BImSchG: gesetze-im-internet.de - WHG: gesetze-im-internet.de - GG Art. 20a: gesetze-im-internet.de; BVerfGE 157, 30: bverfg.de - EU-WRRL: eur-lex.europa.eu