--- name: vereins-und-parteienrecht description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Vereins- und Parteienrecht. BGB-Vereinsrecht, Sozialistengesetz 1878, Weimarer Koalitionsfreiheit, GG Art. 21 und Parteiengesetz 1967 im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Vereins- und Parteienrecht ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das Vereinsrecht hat im deutschen Recht eine politisch brisante Geschichte. Das Sozialistengesetz 1878 (RGBl. 1878, 351) verbot sozialdemokratische und sozialistische Vereinigungen unter Bismarck. Das BGB 1900 schuf ein liberales Vereinsrecht (§§ 21-79 BGB), das aber durch Polizeirecht beschraenkt werden konnte. Die WRV garantierte Koalitionsfreiheit (Art. 159) und Vereinsfreiheit (Art. 124). Das NS-Regime vernichtete unabhaengige Verbands- und Vereinsstrukturen. Das GG Art. 21 verankerte Parteien als Verfassungsorgane. Das Parteiengesetz (PartG 1967, BGBl. I 1967, 773) regelte Parteienfinanzierung, Willensbildung und Rechenschaftspflicht. ## Kernnormen / Kernquellen - **Sozialistengesetz 1878 (RGBl. 1878, 351)**: Verbot sozialistischer Vereinigungen - **BGB §§ 21-79**: Vereinsrecht, eingetragener Verein - **GG Art. 21**: Parteien als Verfassungsorgane - **PartG 1967 (BGBl. I 1967, 773)**: Parteiengesetz mit Finanzierung und Willensbildung - **BVerfGE 2, 1** (SRP-Verbot 1952) und **BVerfGE 5, 85** (KPD-Verbot 1956) ## Akteure und Institutionen - **Bismarck**: Sozialistengesetz als Instrument gegen Arbeiterbewegung - **Gerhard Leibholz** (1901-1982): Parteienstaatslehre am BVerfG - **Deutsche Parteien (SPD, CDU, CSU, FDP)**: Erste Nutzer des GG Art. 21 - **Bundestag und BVerfG**: Parteienfinanzierungs-Kontroverse ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Sozialistengesetz 1878: War es verfassungsmaessig nach der Reichsverfassung 1871? 2. BGB-Vereinsrecht und politische Kontrolle: Wieviel Kontrolle ist zulassig? 3. GG Art. 21 und Parteienprivileg: Schutzt es Parteien zu sehr? 4. PartG und Parteienfinanzierung: Geldquellen und Transparenz 5. Parteienverbot Art. 21 Abs. 2 GG: Wann ist es zulassig? (NPD-Verfahren BVerfGE 144, 197) ## Methodik - Sozialistengesetz 1878: RGBl. 1878, 351 via ALEX/OeNB - BGB Vereinsrecht: gesetze-im-internet.de - GG Art. 21 und PartG: gesetze-im-internet.de - BVerfGE zum Parteienrecht: bverfg.de