--- name: verfassungsgerichtsbarkeit-geschichte description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Geschichte der Verfassungsgerichtsbarkeit. Staatsgerichtshof der WRV, Entstehung des BVerfG 1951, Normenkontrolle und Grundrechtsbeschwerde als deutsche Innovationen im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Verfassungsgerichtsbarkeit Geschichte ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Verfassungsgerichtsbarkeit hat in Deutschland eine eigentuemliche Geschichte. Die WRV kannte den Staatsgerichtshof (Art. 19, 108 WRV) für bestimmte Streitigkeiten, aber keine allgemeine Normenkontrolle. Hans Kelsen hatte in Oesterreich 1920 das erste echte Verfassungsgericht konzipiert. Das GG 1949 schuf das Bundesverfassungsgericht (BVerfG), das am 7. September 1951 errichtet wurde (BGBl. I 1951, 243). Das BVerfG-Gesetz (BVerfGG) regelt Verfahren, Zuständigkeiten und Richterwahl. Die abstrakte und konkrete Normenkontrolle sowie die Verfassungsbeschwerde sind deutsche Institutionen von internationalem Einfluss. ## Kernnormen / Kernquellen - **Art. 93, 94 GG**: Zuständigkeit und Zusammensetzung des BVerfG - **Art. 100 GG**: Konkrete Normenkontrolle durch Vorlageverfahren - **BVerfGG vom 12. März 1951 (BGBl. I 1951, 243)**: Organisation und Verfahren - **BVerfGG § 13**: Katalogartige Zuständigkeiten - **BVerfGG §§ 90-95**: Verfassungsbeschwerde - **BVerfGE 1, 14**: Erste Entscheidung des BVerfG (1951), zum Wahlrecht ## Akteure und Institutionen - **Gerhard Leibholz** (1901-1982): Richter am BVerfG, Parteienstaaslehre - **Hans Kelsen** (1881-1973): Theoretiker der Verfassungsgerichtsbarkeit (Oesterreich-Modell) - **Carlo Schmid** (1896-1979) und **Hermann von Mangoldt** (1895-1953): Parlamentarischer Rat, BVerfG-Konzeption - **Willi Geiger** (1909-1994): BVerfG-Richter der ersten Stunde, Sondervoten ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Warum schuf die WRV keine echte Normenkontrolle, das GG aber schon? 2. Maastricht-Urteil 1993 (BVerfGE 89, 155): Souveraenitat vs. Europaeische Integration 3. Lissabon-Urteil 2009 (BVerfGE 123, 267): Identitaetskontrolle und Demokratieprinzip 4. BVerfG und EuGH: Wer hat das letzte Wort? 5. Politisierung der Richterwahl: BVerfGG § 6 und das Zwei-Drittel-Erfordernis ## Methodik - GG und BVerfGG: gesetze-im-internet.de - BVerfGE Entscheidungen: bverfg.de (vollstaendige Sammlung online) - WRV-Staatsgerichtshof: documentArchiv.de für WRV-Text - Kelsen-Texte: oesterreichische Rechtszeitschriften und Bucheditionen ## Output - Strukturvergleich Staatsgerichtshof WRV vs. BVerfG - Zuständigkeitsuebersicht BVerfG nach Art. 93 GG und BVerfGG § 13 - Leitsaetze aus BVerfGE 1, 14 und BVerfGE 89, 155 (Maastricht)