--- name: weimarer-reichsverfassung description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Weimarer Reichsverfassung vom 11. August 1919 - Reichspraesident, Reichstag, Notverordnungsrecht des Art. 48 WRV, Grundrechtsteil Art. 109-165 WRV und Lehren aus dem Scheitern im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Weimarer Reichsverfassung (WRV, 11. August 1919) ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die WRV war die erste demokratische Gesamtverfassung Deutschlands. Sie galt formal bis 1945, wurde aber ab 1930 durch Art. 48 Notverordnungen ausgehoehlt und ab 1933 durch das Ermächtigungsgesetz und die NS-Gleichschaltung suspendiert. Sie ist Referenztext für das GG 1949, weil das GG bewusst aus ihren Konstruktionsfehlern lernt. ## Kernnormen / Kernquellen - **Art. 1 WRV**: Republik, Staatsgewalt vom Volke - **Art. 41-59 WRV**: Reichspraesident (7 Jahre, Volkswahl, Oberbefehl, Aufloesungsrecht Art. 25) - **Art. 48 WRV**: Notverordnungsrecht und Reichsexekution - **Art. 76 WRV**: Verfassungsaenderung mit 2/3-Mehrheit, ohne Ewigkeitsklausel - **Art. 109-165 WRV**: Grundrechte und Grundpflichten (Gleichheit, Eigentum Art. 153, Wirtschaftsdemokratie Art. 165) ## Akteure und Institutionen - **Hugo Preuss** (1860-1925): Hauptredaktor der WRV - **Reichspraesident Ebert** (1871-1925) und **Hindenburg** (1847-1934) - **Staatsgerichtshof** (Art. 19, 108 WRV) - **Carl Schmitt** (1888-1985) vs. **Hans Kelsen** (1881-1973): Art. 48-Debatte ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Art. 48 als Konstitutionswaffe oder Notbremse: Carl Schmitt vs. Hans Kelsen 2. Doppelspitze Reichspraesident-Reichskanzler und Personalplebiszit 3. Reichstagsaufloesungen als Routinemittel ab 1930 4. Grundrechtsteil als programmatische Leitnorm vs. unmittelbar geltendes Recht 5. Fehlen einer Ewigkeitsklausel: GG Art. 79 III als Antwort 6. Wirtschaftsverfassung Art. 151-165 als Vorbild für soziale Marktwirtschaft ## Methodik - WRV-Text in der Fassung der Reichsgesetzblattveroeffentlichung verwenden - Art. 48-Verordnungen: Reichsgesetzblatt 1930-1932 pruefen - Sekundaerliteratur: Huber Deutsche Verfassungsgeschichte Bd. VI-VII; Gusy Die Weimarer Reichsverfassung - Nie Gegenwartsdogmatik (GG-Begriffe) unbemerkt in WRV-Texte einlesen