--- name: wiedergutmachung-und-restitution description: "Deutsche Rechtsgeschichte: Wiedergutmachung und Restitution nach NS-Unrecht. Bundesentschaedigungsgesetz 1953, Bundesrueckerstattungsgesetz 1957, Globalabkommen und Grenzen der Wiedergutmachung im Deutsche Rechtsgeschichte." --- # Wiedergutmachung und Restitution (NS-Unrecht) ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Art. 20 Abs. 3 GG` — rechtsstaatlicher Gegenwartsanker. - `Art. 1 Abs. 1 GG` — Menschenwuerde als Zäsur- und Kontinuitaetsmassstab. - `Art. 123 Abs. 1 GG` — Fortgeltung vorkonstitutionellen Rechts. - `Art. 125 GG` — Fortgeltung als Bundesrecht. - `Art. 126 GG` — Meinungsverschiedenheiten ueber Fortgeltung. - `Art. 20 Einigungsvertrag` — öffentlicher Dienst und Rechtsuebergang. - `Art. 21 Einigungsvertrag` — Verwaltungsvermögen. - `Art. 22 Einigungsvertrag` — Finanzvermoegen. - `§ 1 VermG` — Anwendungsbereich Vermögensgesetz. - `§ 3 VermG` — Rückübertragung. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — Verjährung nach jeweiliger Quelle; heutige Relevanz über Art. 184 ff. EGBGB und Auslegungshilfe für Grundrechtsverständnis. - Tragende Normen verifizieren: Sachsenspiegel, Schwabenspiegel, Carolina (CCC 1532), Preußisches ALR 1794, Code civil (1804), Sächsisches BGB 1865, BGB 1900, WRV 1919, GG 1949; rechtshistorische Quellen MGH, Constitutiones — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Rechtshistoriker, Quelleneditionen, Lehrstühle für deutsche Rechtsgeschichte, Verfassungsrechtler (Auslegungshintergrund), Restitutionsverfahren mit historischem Anker. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Quellenedition, rechtshistorisches Gutachten, Vorlesungsskript, dogmenhistorischer Aufsatz, Verfassungsentstehungsgeschichte — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Wiedergutmachung von NS-Unrecht war ein komplexes Feld der Nachkriegsgesetzgebung. Das Alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 59 (1947) schuf erste Restitutionsregeln in den Westzonen. Das Bundesergaenzungsgesetz (BErgG 1953) und das Bundesentschaedigungsgesetz (BEG 1956, BGBl. I 1956, 559) schufen individuelle Entschaedigungsansprueche für rassische, religioese und politische Verfolgung. Das Bundesrueckerstattungsgesetz (BRueG 1957) regelte Rueckerstattung beweglicher Sachen. Globalabkommen mit Staaten (z. B. Luxemburger Abkommen 1952 mit Israel) ergaenzten die individuelle Entschaedigung. Zahlreiche Kategorien (Arbeitslager Entschaedigung, Sinti und Roma, homosexuelle NS-Opfer) wurden erst spaet anerkannt. ## Kernnormen / Kernquellen - **BEG 1956 (BGBl. I 1956, 559)**: Bundesentschaedigungsgesetz, Grundlage individueller Ansprueche - **BRueG 1957 (BGBl. I 1957, 734)**: Bundesrueckerstattungsgesetz für bewegliche Sachen - **Luxemburger Abkommen 1952 (BGBl. II 1953, 35)**: Globalabkommen Deutschland-Israel - **Gesetz zur Aufhebung NS-Urteile 1998 (BGBl. I 1998, 2501)**: Aufhebung Sondergerichte-Urteile - **EntschG 2000 (BGBl. I 2000, 1281)**: Stiftung Erinnerung für Zwangsarbeiter ## Akteure und Institutionen - **Theodor Heuss** (1884-1963) und **Konrad Adenauer** (1876-1967): Politische Entscheidungstraeger - **Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ)**: Zwangsarbeiterentschaedigung 2000-2007 - **Bundesentschaedigungsbehoerden**: Verwaltungspraktisch - **Bundesgerichtshof**: Auslegung BEG, z. B. BGH-Rspr. zu Entschaedigungsanspruechen ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. BEG und spaetere Anerkennungen: Warum wurden bestimmte Gruppen (Sinti, Roma, Homosexuelle) erst spaet anerkannt? 2. Zwangsarbeiter-Stiftung 2000: Zu spaet und zu wenig? 3. Luxemburger Abkommen 1952: Staatliche Entschaedigung oder Abkauf von Anspruechen? 4. Restitution in der DDR und nach 1990: Verhaltnis Wiedergutmachungsrecht Ost vs. West 5. Ansprueche aus der Zeit nach 1945: Wann verjaehlrten NS-Unrechts-Ansprueche? ## Methodik - BEG: gesetze-im-internet.de (noch in Kraft); BGBl. I 1956, 559 - Luxemburger Abkommen: BGBl. II 1953, 35 - EVZ-Gesetz 2000: BGBl. I 2000, 1281 - BGH: bgh.de für Entschaedigungsrechtsprechung