--- name: email-eingangsanalyse description: "Eingehende E-Mail analysieren und Tonalitaet Konfliktpotenzial und Handlungsbedarf bestimmen. § 43a BRAO Berufsrecht. Prüfraster: Tonalitaet emotionale Trigger versteckte Forderungen Fristen Eskalationspotenzial. Output: Analyse-Memo Handlungsempfehlung Antwort-Strategie. Abgrenzung: nicht für di..." --- # E-Mail-Eingangsanalyse ## Fachkern: E-Mail-Eingangsanalyse - **Normen-/Quellenanker:** BRAO/BORA, BNotO, StBerG, WPO, PAO, Sachlichkeitsgebot, Verschwiegenheit, Datenschutz und Deeskalationspflichten. - **Entscheidende Weiche:** Bewahre rechtlichen Inhalt, entferne Eskalation, schütze Geheimnisse, markiere Fristen und formuliere sendefähig ohne falsches Anerkenntnis. Dieser Skill analysiert einen eingegangenen E-Mail-Text systematisch auf emotionale Belastung, unsachliche Formulierungen und potenzielle berufsrechtliche Risiken. Er bildet die Grundlage für alle nachfolgenden Umformulierungsschritte. ## Triage zu Beginn 1. Von wem stammt die E-Mail: Mandant, Gegner, gegnerischer Anwalt, Gericht, Behörde oder Unbekannter? 2. Was ist der sachliche Kern der E-Mail — unabhaengig vom Tonfall? 3. Enthalt die E-Mail strafrechtlich relevante Aeusserungen (Beleidigung § 185 StGB, Bedrohung § 241 StGB)? 4. Soll die E-Mail beantwortet, weitergeleitet oder dokumentiert werden? ## Aktuelle Rechtsprechung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Zentrale Normen - § 43a Abs. 3 BRAO — Sachlichkeitsgebot: verhindert Uebernahme aggressiven Tons aus Eingangskorrespondenz - § 185 StGB — Beleidigung: ggf. bei strafrechtlich relevantem Inhalt Eingangs-E-Mail dokumentieren - § 241 StGB — Bedrohung: bei Drohungen Dokumentationspflicht und ggf. Strafanzeige erwaegen - § 823 Abs. 1 BGB — Persoenlichkeitsrecht: Gegenschreiben darf keine neuen Verletzungen setzen ## Analyseebenen Die Eingangsanalyse untersucht den Text auf vier Ebenen: sprachliche Auffälligkeiten (Schimpfwörter, Großbuchstaben, übermäßige Satzzeichen), rhetorische Stilmittel (Sarkasmus, Ironie, Übertreibung), inhaltliche Vorwürfe (Kompetenzabsprache, Unterstellungen, Drohungen) sowie strukturelle Mängel (fehlende sachliche Begründung, reine Emotionsäußerung ohne Kernbotschaft). ## Konfliktgrad-Klassifikation Der Skill kategorisiert den Konfliktgrad in drei Stufen. Gering bedeutet: einzelne unhöfliche Formulierungen, sachlicher Kern erkennbar, kein persönlicher Angriff. Mittel bedeutet: mehrere emotionale Trigger, Vorwürfe an die Person, Drohgebärde oder Ultimatum. Hoch bedeutet: überwiegend unsachlich, persönliche Herabsetzung, Schimpfwörter oder strafrechtlich relevante Äußerungen. ## Trigger-Kategorien Die wichtigsten emotionalen Trigger sind: Großschreibung ganzer Wörter oder Sätze (impliziert Schreien), Ausrufezeichen-Ketten (erzeugen aggressiven Ton), direkte persönliche Anreden mit Vorwurf-Charakter ("Sie haben...", "Sie sind..."), implizite oder explizite Drohungen ("Ich werde...", "Das hat Konsequenzen"), Sarkasmus und Ironie (untergraben sachliche Auseinandersetzung) sowie Pauschalurteile ohne Sachverhaltsbezug. ## Berufsrechtlicher Hintergrund § 43a Abs. 3 BRAO verpflichtet Rechtsanwälte zur Sachlichkeit in der beruflichen Kommunikation. Die Weiterleitung oder das Zitieren eines unsachlichen Eingangsschreibens ohne Analyse kann dazu verleiten, im eigenen Schreiben denselben Ton zu übernehmen — was berufsrechtlich problematisch ist. Die Eingangsanalyse hilft, eine bewusste Distanz zum emotionalen Gehalt herzustellen. ## Beispiele Vorher/Nachher **Vorher:** "SIE HABEN MIR NICHT GEANTWORTET!!! Das ist eine Frechheit!!!" **Nachher (Analyse):** Konfliktgrad hoch. Trigger: Großbuchstaben, Mehrfach-Ausrufezeichen, Vorwurf fehlender Reaktion. Kern: Bitte um Rückmeldung auf ein früheres Schreiben. **Vorher:** "Ich erwarte sofort eine Erklärung, sonst schalte ich meinen Anwalt ein." **Nachher (Analyse):** Konfliktgrad mittel. Trigger: Drohgebärde, Ultimatum. Kern: Bitte um Stellungnahme zu einem bestimmten Sachverhalt. **Vorher:** "Ihre Kollegin hat mir versprochen, dass das erledigt wird. Offenbar sind dort alle unfähig." **Nachher (Analyse):** Konfliktgrad mittel-hoch. Trigger: Pauschalurteil, Kompetenzabsprache. Kern: Unerfüllte Zusage eines Mitarbeiters; Klärungsbedarf.