--- name: erstgespraech-mandatsannahme description: "Erstgespraech im Erbrechtmandat strukturieren und Sachverhalt vollständig aufnehmen: §§ 1922 ff. BGB Erbfolge § 43a BRAO. Prüfraster: Erblasser Testament gesetzliche Erben..." --- # Erstgespraech im Erbrechtmandat strukturieren und Sachverhalt vollständig aufnehmen ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: AO §§ 38, 42, 90, 93, 153, 162, 164, 169-171, 173, 233a, 370-378, UStG, EStG, KStG, GewStG, GrEStG, ErbStG, FGO — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Erstgespraech im Erbrechtmandat strukturieren und Sachverhalt vollständig aufnehmen. §§ 1922 ff. BGB Erbfolge § 43a BRAO. Prüfraster: Erblasser Testament gesetzliche Erben Pflichtteilsberechtigte Nachlassbestand Fristen. Output: Mandat-Steckbrief Sachverhaltsprotokoll fehlende Unterlagen. Abgrenzung: Einstiegs-Skill; inhaltliche Arbeit in Spezialist-Skills. ### Erstgespraech und Mandatsannahme im Erb- und Pflichtteilsrecht ## Fachlicher Kern — Erbrecht - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Erstgespraech und Mandatsannahme im Erb- und Pflichtteilsrecht` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** BGB §§ 1922 ff., 1937, 1942 ff., 1953, 1967, 2032 ff., 2042, 2050 ff., 2078, 2084, 2203 ff., 2303 ff., 2314, 2325, 2333; FamFG §§ 343 ff.; EuErbVO. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 12.03.2025 - IV ZR 88/24 (Pflichtteil, Entstehung und Verjährung bei postmortaler Vaterschaftsfeststellung); BGH, Beschluss vom 15.01.2025 - IV ZR 166/24 (Auskunftspflichten bei Pflichtteil/Testamentsvollstreckung); Rechtsprechung zu notariellen Nachlassverzeichnissen nur mit Aktenzeichen/Quelle ausgeben. - **Arbeitsmodus:** Erst Erbfolge, Ausschlagung, Nachlassbestand, Haftung und Fristen sichern; dann Pflichtteil, Auskunft/Wertermittlung, Testamentsauslegung, Erbengemeinschaft und internationale Anknüpfung trennen. - **Outputpflicht:** Nachlassmatrix, Pflichtteils-/Ergänzungstabelle, Auskunftsverlangen, Erbscheinsantrag, Teilungsplan oder Klagebaustein. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Fachkern: Erstgespraech und Mandatsannahme im Erb- und Pflichtteilsrecht - **Spezialfrage (Erstgespraech und Mandatsannahme im Erb- und Pflichtteilsrecht):** Erblasser Testament gesetzliche Erben Pflichtteilsberechtigte Nachlassbestand Fristen. Output: Mandat-Steckbrief Sachverhaltsprotokoll fehlende Unterlagen. Abgrenzung: Einstiegs-Skill; inhaltliche Arbeit in Spezialist-Skills. - **Arbeitsweise:** Erst Sachverhalt, Norm, Frist, Zuständigkeit und Beweis klären; Rechtsprechung nur verifiziert als tragenden Beleg einsetzen. ## Aktuelle Rechtsprechung (Erbrecht Erstgespräch) - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Wann dieser Arbeitsgang greift - Neue Anfrage aus dem Bereich Erb- und Pflichtteilsrecht (Telefon, Mail, Empfehlung, Walk-in). - Mandantin oder Mandant beschreibt Sachverhalt unstrukturiert; viele Anlagen ohne System. - Vor jeder weiteren fachlichen Bearbeitung: erst Annahme klaeren, Konflikt- und GwG-Pruefung, Vollmacht, Streitwert/Vereinbarung, Fristen. ## Phasen des Erstgespraechs ### 1. Aufnahme der Konstellation (10-15 Min.) Standard-Fragenraster für Erb- und Pflichtteilsrecht: - Beteiligte (Vor-/Nachname, Geburtsdatum, Anschrift, Rolle: Klaegerin/Beklagter, Antragsteller, Beschuldigter) - Konflikt-Kern in einem Satz ("Was ist Ihr Ziel?") - Konkrete fachliche Stossrichtung: Testament, Erbschein, Pflichtteil, Erbauseinandersetzung, Vermaechtnis, ErbStG - Bisherige Korrespondenz (Bescheide, Schreiben der Gegenseite, anwaltliche Vertretung der Gegenseite?) - **Fristenscreening sofort:** anstehende Klage-/Widerspruchs-/Einspruchsfristen aus den vorgelegten Schreiben (z.B. Pflichtteilsklage, Erbschein-Antrag/Beschwerde, Erbenfeststellungsklage). Frist-Alarm an die Vorbereitung weitergeben. ### 2. Konflikt-Pruefung und GwG-Check (5 Min.) - Konflikt-Check ueber Mandantsystem: Gegnerin, Streitgegenstand, frueherer Mandant? - GwG-Identifizierung: amtlicher Lichtbildausweis (Ausweisscan), bei juristischer Person Handelsregister-/Transparenzregister-Auszug, ggf. wirtschaftlich Berechtigte/n. - Risikobewertung (niedrig/mittel/hoch) abhaengig von Mandatscharakter, Bargeld, Auslandsbezug. - Doku im Mandatsbogen (Pflicht nach §§ 10 ff. GwG i.V.m. § 2 Abs. 1 Nr. 10 GwG für RA-Mandate). ### 3. Vollmacht und Schweigepflichtentbindung - Allgemeine Prozess-/Aussenvollmacht (BORA, ZPO, FamFG, je nach Fachgebiet). - Spezielle Vollmachten: ggf. Akteneinsicht Strafakte, KV-Abrechnungsdaten, Sozialdaten (Schweigepflichtentbindung gegenueber Krankenkasse, Arzt, Behörde). - Bei Eheleuten/GbR/GmbH: einzelvollmachtgebende Person und Vertretungsmacht klaeren. ### 4. Streitwert und Gebührenvereinbarung Standard-Streitwerte im Bereich Erb- und Pflichtteilsrecht: - Skizze: Streitwert grob abschaetzen (z.B. Hauptforderung, ggf. + Zinsen, Nebenforderungen). - RVG-Pauschalrechnung (Berechnungstool im Plugin) oder Stundenhonorarvereinbarung. - Beratungshilfe-/Prozesskostenhilfe-Antrag pruefen, wenn wirtschaftlich angezeigt. - Vorschussanforderung nach § 9 RVG. ### 5. Strategie-Erstskizze Drei Weichen am Ende des Erstgespraechs: - **Mandat annehmen:** vollstaendig (Pruefung + Schriftsatz) oder begrenzt (nur Pruefung/Gutachten). - **Verweisen:** wenn Spezialgebiet ausserhalb der Fachanwaltschaft, oertlich unzuständig oder Konflikt. - **Ablehnen:** offensichtlich aussichtslos, GwG-Hit, Bauchgefuehl-Vorsicht. ## Pflicht-Output am Ende 1. **Mandatsbogen** mit Beteiligten, Konflikt-Check, GwG-Status, Streitwert. 2. **Frist-Liste** (Sofortfristen, Verjährung, Ausschlussfristen, Beweisanforderungs-Fristen). 3. **Anlagenverzeichnis** des uebergebenen Datenraums (Stand erstes Sortieren). 4. **Naechster-Schritt-Plan:** binnen 24/48/72 h, Owner, Output. 5. **Honorarvereinbarung** unterschrieben oder Vorbehalt notiert. ## Relevante Rechtsgrundlagen und Standards - BORA, BRAO, FAO für Fachanwaltschaft Erb- und Pflichtteilsrecht. - GwG, GwGMeldV, Identifizierungsleitfaden BRAK. - §§ 1922 ff. BGB, FamFG, ErbStG, BeurkG (für fachliche Erstpruefung). - DSGVO und BDSG für den Umgang mit Mandantendaten (Art. 6 DSGVO als Rechtsgrundlage, Art. 9 ggf. Gesundheitsdaten). ## Typische Fehler im Erstgespraech - Frist uebersehen, weil Mandantin sie nicht selber genannt hat (immer aus jedem Schreiben Frist herausziehen). - Konflikt-Check nur nach Personennamen, nicht nach Sachzusammenhang (gleiche Liegenschaft, gleicher Sachverhalt). - Vollmachtsumfang unklar -> spaeter Streit mit Mandantin ueber Befugnisse. - Honorarvereinbarung muendlich -> Beweisnot bei Streitwert-/Honorar-Streit. - GwG: kein Lichtbildausweis erfasst, kein Aktenvermerk ueber Risikobewertung. ## Praxis-Checkliste - [ ] Personalien und Rolle aller Beteiligten erfasst - [ ] Konflikt-Check durchgefuehrt - [ ] GwG: Identifizierung + Risikobewertung notiert - [ ] Allgemeine Vollmacht unterschrieben - [ ] Speziale Vollmacht / Entbindungserklaerung (wo noetig) unterschrieben - [ ] Streitwert geschaetzt - [ ] Honorarvereinbarung unterschrieben oder ausdruecklich auf RVG verwiesen - [ ] Fristenliste angelegt und in Kalender eingetragen - [ ] Mandatsbogen vollstaendig - [ ] Naechster-Schritt-Plan dem Mandanten kommuniziert (E-Mail-Zusammenfassung) ## Konkrete Praxis-Konstellationen ### Konstellation A: Eilbeduerftigkeit Mandantin kommt am Donnerstag, Frist laeuft am Montag (Klage- oder Widerspruchsfrist im Bereich Erb- und Pflichtteilsrecht). Handlungs-Sequenz: 1. Sofort-Vollmacht und Sofort-Akteneinsicht (per beA, ELSTER, Behördenportal). 2. Antrag auf Wiedereinsetzung (§ 233 ZPO, § 60 VwGO, § 110 AO) als Reserve dokumentieren. 3. Spaeteste-Stunde-Versand-Plan: beA bevorzugt, mit qualifizierter Signatur und Empfangsbekenntnis. 4. Honorarvereinbarung NICHT auf Eilzuschlag verzichten - aber transparent kommunizieren. ### Konstellation B: Komplexer Sachverhalt, Datenraum unsortiert Mandant uebergibt 200+ Dateien (PDF-Scans, E-Mails, Excel-Listen). Vor jeder fachlichen Bewertung: 1. Datenraum-Index in Excel: Datum, Absender, Empfaenger, Aktenzeichen, kurze Inhaltszeile. 2. Chronologischer Verlauf als Zeitstrahl - Spielraum für Verjährungs- und Ausschlussfristen identifizieren. 3. Loecher im Datenraum gezielt anfordern (Mandantenfragen-Katalog). ### Konstellation C: Interessenkonflikt-Naehe Frueheres Mandat mit derselben Gegnerin oder gleichem Sachzusammenhang. Pruefung: 1. § 43a Abs. 4 BRAO und § 3 BORA - Sachzusammenhang, nicht nur Personenidentitaet. 2. Einwilligung beider Mandanten in Textform (mit konkreter Beschreibung). 3. Bei Zweifel: Mandat ablehnen und an Kanzleikollegium ueberweisen. ## Mandanten-Erwartungsmanagement - Realistische Erfolgs- und Kostenprognose (nicht "Wir gewinnen sicher"). - Verfahrensdauer im Bereich Erb- und Pflichtteilsrecht: Erfahrungswerte nach Instanz. - Vergleichschance vs. streitiges Urteil als Option offen halten. - Schriftliche Zusammenfassung des Erstgespraechs binnen 48 h. ## Honorarvereinbarung - Best Practices - RVG-Basis als Default, Stundenhonorar nur mit gesondertem Hinweis nach § 3a RVG. - Erfolgshonorar nur in den engen Grenzen § 4a RVG. - Vorschuss in Hoehe der voraussichtlichen 1. Instanz. - Klarstellung: Auslagen-Pauschale, USt, Reisekosten, Sachverstaendigenkosten gesondert. - Bei PKH/Beratungshilfe-Mandant: schriftliche Belehrung, dass eigene Beitraege moeglich sind. ## Mandatsbogen-Muster (Mindestinhalt) - Mandant (Name, Geburtsdatum, Anschrift, Telefon, E-Mail) - Gegner (Name, Anschrift, ggf. anwaltliche Vertretung) - Kurzbeschreibung Sachverhalt (5-10 Saetze) - Ziel des Mandats (eine Zeile) - Strittige Fragen (bullet) - Geprueft: Konflikt - GwG - Vollmacht - Streitwert (Schaetzung) - Honorarvereinbarung (RVG/Stunde/Pauschale) - Frist-Liste - Aktenanlage Datum - Naechster-Schritt ## Cross-Refs - `vergleichsverhandlung-strategie` (im selben Plugin) für den Fall, dass aussergerichtliche Loesung angestrebt wird. - `schriftsatzkern-substantiierung` (im selben Plugin) für den Schriftsatzaufbau, wenn Klage/Widerspruch eingereicht wird. - Kanzlei-Allgemein-Plugin `kanzlei-allgemein` für Konflikt-, GwG- und PEP-Pruefroutinen.