--- name: strafrecht-spezial-amtsdelikte-340-stgb-koerperverletzung-im-amt description: "Koerperverletzung im Amt nach Paragraph 340 StGB: Sonderdelikt für Amtstraeger insbesondere Polizeibeamte. Qualifikation der Paragraphen 223 224 226 StGB. In Ausübung des Dienstes oder Beziehung darauf. Prak..." --- # Koerperverletzung im Amt nach Paragraph 340 StGB ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Koerperverletzung im Amt nach Paragraph 340 StGB. Sonderdelikt für Amtstraeger insbesondere Polizeibeamte. Qualifikation der Paragraphen 223 224 226 StGB. In Ausübung des Dienstes oder Beziehung darauf. Praktisch wichtige Fallgruppen polizeilicher Schlagstockeinsatz Fixierung Tasereinsatz. Konkurrenzen Strafrahmen verschaerft. ## Worum geht es Paragraph 340 StGB ist die **Qualifikation der Koerperverletzung durch einen Amtstraeger** bei Ausübung des Dienstes oder in Beziehung darauf. Sanktioniert wird damit insbesondere die Polizeigewalt jenseits der Notwehr- oder Festnahmegrenzen, Gewalt in Justizvollzugsanstalten, koerperliche Eingriffe von Beamten gegen Buerger. Geschuetztes Rechtsgut: die koerperliche Integritaet des Buergers und das besondere Vertrauen in die staatliche Gewaltausuebung. Anwendungsfaelle: Polizeibeamter schlaegt mit Schlagstock auf bereits festgenommenen Beschuldigten; Justizvollzugsbeamter fixiert Gefangenen unverhaeltnismaessig fest; Polizist setzt Taser ein, obwohl andere Mittel zur Verfuegung standen; Beamter des Ordnungsdienstes verursacht Verletzung bei Personenkontrolle. Sehr praxisrelevantes Delikt in einer Polizeigewalt-Diskussion. ## Tatbestand und Auslegung ### Tauglicher Taeter **Amtstraeger** im Sinne von Paragraph 11 Abs 1 Nr 2 StGB: Beamter, Richter, in einem sonstigen oeffentlich-rechtlichen Amtsverhaeltnis Stehender. **Polizeibeamte**, **Justizvollzugsbeamte**, **Zollbeamte**, **kommunale Ordnungskraefte** sind erfasst. Bei privaten Sicherheitsdiensten greift Paragraph 340 StGB nur, wenn sie hoheitliche Aufgaben uebernommen haben. ### In Ausübung des Dienstes oder in Beziehung darauf - **In Ausübung des Dienstes:** Tat erfolgt im dienstlichen Handeln (z. B. Festnahme, Vernehmung, Personenkontrolle). - **In Beziehung auf den Dienst:** Tat steht in raeumlich-zeitlich-funktionalem Bezug zum Dienst (z. B. Polizeibeamter prallt mit Privatperson in seiner Wache zusammen). Privatkonflikte ohne Dienstbezug fallen nicht unter Paragraph 340 StGB; dann gilt Paragraph 223 ff. StGB normal. ### Anknuepfung an Paragraph 223 ff. StGB Paragraph 340 StGB knuepft an alle Tatbestaende der Koerperverletzung an: - Paragraph 223 StGB einfache Koerperverletzung. - Paragraph 224 StGB gefaehrliche Koerperverletzung (z. B. Schlagstock, Taser). - Paragraph 226 StGB schwere Koerperverletzung. - Paragraph 227 StGB Koerperverletzung mit Todesfolge. Bei Anknuepfung an Paragraph 223 StGB gilt der erhoehte Strafrahmen Paragraph 340 Abs 1 StGB; bei den Qualifikationen entsprechend Paragraph 340 Abs 3 StGB. ### Subjektiver Tatbestand Vorsatz hinsichtlich Koerperverletzung und Amtsstellung. Notwehr nach Paragraph 32 StGB und Notstand nach Paragraph 34 StGB sind moegliche Rechtfertigungsgruende; sie sind aber bei Polizeibeamten oft durch Polizeigesetze und Verhaeltnismaessigkeitspruefung praezisiert. ### Versuch Absatz 3 (verweis auf Paragraph 223 StGB) Versuch der Koerperverletzung im Amt nach Paragraph 223 StGB ist im Amt strafbar (waehrend Paragraph 223 StGB selbst nicht den Versuch unter Strafe stellt). ## Praktikertipps Verteidigung - **Rechtfertigung pruefen.** Polizeiliche Gewaltanwendung ist rechtmaessig, wenn sie verhaeltnismaessig und durch Polizeirecht gedeckt ist (Paragraph 19 ff. PolG). Erforderlichkeit und Verhaeltnismaessigkeit dokumentieren. - **Verhaeltnismaessigkeit als Verteidigungslinie.** Verteidiger des Polizeibeamten: substantiierte Darstellung, dass mildere Mittel nicht zur Verfuegung standen oder ausgereizt waren. Verteidiger des Geschaedigten: Gegenrechnung der Verhaeltnismaessigkeit. - **Notwehr und Nothilfe Paragraph 32 StGB.** Bei Angriffen von Beschuldigten gegen Polizeibeamte greift Notwehr; Polizei darf sich gegen Angriffe wehren. Schwierige Abgrenzung zu Notwehrexzess Paragraph 33 StGB. - **Beweisaufnahme Videoaufnahme.** Polizeiliches Bodycam-Video oder Ueberwachungskameras zentral. Verteidiger sollte unverzueglich Sicherstellung beantragen. - **Zeugenbeistand für mitbeteiligte Beamte.** Aussagen kollegialer Beamten kritisch hinterfragen; Konfliktsituationen mit Aussagedelikten. - **Disziplinarrecht parallel.** Disziplinarverfahren laeuft regelmaessig parallel; Verteidiger sollte beide Verfahren koordinieren. ## Trade-off-Matrix | Pfad A vollumfaengliches Bestreiten | Pfad B Gestaendnis Koerperverletzung, Bestreiten Vorsatz / Rechtfertigung | Empfehlung | | --- | --- | --- | | Riskant bei Videoaufzeichnung; lange Hauptverhandlung. | Substantiierte Verhaeltnismaessigkeits-Verteidigung; Notwehr oder Putativnotwehr. | Bei Polizeigewalt-Vorwurf Pfad B fast immer guenstiger. Substantiierte Darstellung der Konfliktdynamik. | ## Konkurrenzen - **Paragraph 340 StGB und Paragraph 223 ff. StGB.** Spezialitaet — Paragraph 340 StGB tritt an die Stelle. - **Paragraph 340 StGB und Paragraph 343 StGB Aussageerpressung.** Tatmehrheit oder Tateinheit moeglich. - **Paragraph 340 StGB und Paragraph 339 StGB Rechtsbeugung.** Tatmehrheit moeglich (Beispiel: Folter im Verfahren). - **Paragraph 340 StGB und Paragraph 211 StGB Mord.** Bei Toetung mit niedrigen Beweggruenden. - **Paragraph 340 StGB und Paragraph 32 StGB Notwehr.** Rechtfertigung. ## Strafzumessung und Folgen - **Strafrahmen Paragraph 340 Abs 1 StGB:** Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fuenf Jahren. - **Strafrahmen Paragraph 340 Abs 3 StGB Verweis auf Paragraph 224 ff. StGB:** entsprechend den Qualifikationen, also bei gefaehrlicher Koerperverletzung bis 10 Jahre. - **Minder schwerer Fall:** drei Monate bis drei Jahre. - **Geldstrafe** nur bei minder schwerem Fall. - **Disziplinarrechtliche Folgen** Paragraph 33 BeamtStG; Entfernung aus dem Beamtenverhaeltnis bei schwerer Verfehlung. - **Berufsverbot Paragraph 70 StGB** bei wiederholten Vergehen. - BZRG-Eintrag bei Freiheitsstrafe oder Geldstrafe ueber 90 Tagessaetzen. ## Mustertexte **Schriftsatz-Snippet (Verteidigung Polizeibeamter — Verhaeltnismaessigkeit):** "Mein Mandant ist nach Paragraph 19 PolG NRW befugt gewesen, koerperliche Gewalt anzuwenden, um den Festnahmeauftrag durchzusetzen. Der Beschuldigte hat sich der Festnahme aktiv mit Schlaegen und Tritten widersetzt. Der Einsatz des Schlagstocks war zur Abwehr dieses Angriffs erforderlich und verhaeltnismaessig. Die Rechtfertigung nach Paragraph 32 StGB liegt vor." **Schriftsatz-Snippet (Verteidigung Geschaedigter — Unverhaeltnismaessigkeit):** "Die polizeiliche Gewaltanwendung am DD.MM.JJJJ war zur Festnahme meines Mandanten nicht erforderlich. Mein Mandant hat zu keiner Zeit Widerstand geleistet, wie auch die Bodycam-Aufnahme der Kollegin Y zeigt (Anlage V 1). Der Schlag in den Bauchbereich war unverhaeltnismaessig und damit von Paragraph 340 StGB erfasst." **Hilfsbeweisantrag:** "Es wird beantragt, die Bodycam-Aufnahme der Beamtin X vom DD.MM.JJJJ um 21:34 Uhr in der Hauptverhandlung in Augenschein zu nehmen zum Beweis der Tatsache, dass der Geschaedigte zum Zeitpunkt des Schlages keinen aktiven Widerstand geleistet hat." ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 340 StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de; dejure.org). - Paragraph 223 ff. StGB Koerperverletzungsdelikte. - Paragraph 11 Abs 1 Nr 2 StGB Amtstraegerbegriff. - Polizeigesetze der Länder (z. B. Paragraph 19 ff. PolG NRW; Paragraph 36 ff. BPolG). - Paragraph 32 StGB Notwehr; Paragraph 34 StGB Notstand. - Paragraph 33 BeamtStG Disziplinarrecht. - BGH staendige Rspr. zur Abgrenzung zwischen rechtmäßiger Amtsausuebung und Koerperverletzung im Amt. - BVerfG-Rechtsprechung zur Polizeigewalt und Verhaeltnismaessigkeit (Art 2 II GG). - BVerfG staendige Linie zur Bestimmtheit Art 103 II GG.