--- name: strafrecht-spezial-amtstraegerbestechung-332-334-stgb description: "Bestechlichkeit § 332 StGB und Bestechung § 334 StGB von Amtstraegern: Anwendungsfall Verteidigung bei Vorwurf pflichtwidriger Diensthandlung gegen Vorteil: Bestechlichkeit § 332 StGB und Bestechung § 334 StGB von Amtstraegern: Anwendungsfall Verteidigung b..." --- # Bestechlichkeit § 332 StGB und Bestechung § 334 StGB von Amtstraegern: Anwendungsfall Verteidigung bei Vorwurf pflichtwidriger Diensthandlung gegen Vorteil ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Bestechlichkeit § 332 StGB und Bestechung § 334 StGB von Amtstraegern: Anwendungsfall Verteidigung bei Vorwurf pflichtwidriger Diensthandlung gegen Vorteil. Pruefraster Amtstraeger Vorteil Unrechtsvereinbarung pflichtwidrige Diensthandlung. Strafrahmen sechs Monate bis fuenf Jahre Grundtatbestand ein bis zehn Jahre Richter. Trade-offs Abgrenzung zu §§ 331 333 StGB Bestreiten Pflichtwidrigkeit Verstaendigung. Output Verteidigungsmemo für Vergabekorruption Amtstraegerbestechung Richterbestechung. ### Bestechlichkeit § 332 StGB und Bestechung § 334 StGB von Amtstraegern ## Worum geht es Spezial-Mandat: Anklage Bestechung oder Bestechlichkeit eines Amtstraegers wegen **pflichtwidriger Diensthandlung**. Klassische Konstellationen: Korruption in Vergabeverfahren (Bau, IT, Beratung an Behörde), Schmiergeld an Bauamtsleiter für Baugenehmigung trotz Versagensgrund, Bestechung Polizeibeamter zur Niederschlagung eines Verfahrens, Richterbestechung. Strafrahmen sechs Monate bis fuenf Jahre Freiheitsstrafe; bei Richtern ein bis zehn Jahre. Abgrenzung zu §§ 331 / 333 StGB (Vorteilsannahme / Vorteilsgewaehrung — kein Pflichtwidrigkeitserfordernis; eigener Skill). ## Eingaben - Anklageschrift, Ermittlungsschrift, TKUe. - Funktion und konkrete Diensthandlung des Amtstraegers. - Vorteilsbeschreibung (Geld, Sachgeschenke, kuenstlich erfundene Auftraege). - Korrespondenz, Zahlungsstroeme, ggf. Mittelsmaenner. - Compliance-Strukturen im Geberunternehmen. - Parallele Vergabeverfahren / Behördenakten. ## Tatbestand und Auslegung ### § 332 Abs. 1 StGB Bestechlichkeit (Nehmer) Wer als **Amtstraeger, Europaeischer Amtstraeger oder für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter** einen Vorteil für sich oder einen Dritten **als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen laesst oder annimmt, dass er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder kuenftig vornehme** und dadurch **seine Dienstpflichten verletzt hat oder verletzen wuerde**. ### § 332 Abs. 2 StGB Bestechlichkeit Richter Wenn die genannten Personen **Richter, Mitglieder eines Gerichts der Europaeischen Union oder Schiedsrichter** sind und die Handlung in einem Verfahren erfolgt, Strafrahmen **ein bis zehn Jahre**. ### § 334 StGB Bestechung (Geber) Spiegelbildlich zu § 332 StGB. ### Schluesselbegriffe - **Pflichtwidrige Diensthandlung.** Verstoss gegen Dienstvorschriften, Gesetze, ermessensbeschraenkende Vorgaben. - **Unrechtsvereinbarung.** Direkter Bezug Vorteil ↔ Diensthandlung. - **Auch bei pflichtgemaessen, aber ermessensbeeinflussten Handlungen** kann Pflichtwidrigkeit vorliegen, wenn der Amtstraeger sich von sachfremden Erwaegungen leiten laesst (BGH staendige Rspr.). - **Versuchsstrafbarkeit** §§ 332 Abs. 1 Satz 2, 334 Abs. 1 Satz 2 StGB ausdruecklich. ### Strafrahmen - § 332 Abs. 1 StGB: sechs Monate bis fuenf Jahre Freiheitsstrafe. - § 332 Abs. 2 StGB: Richter — ein bis zehn Jahre. - § 334 Abs. 1 StGB: drei Monate bis fuenf Jahre. - § 334 Abs. 2 StGB: bei Richter — sechs Monate bis fuenf Jahre. - **§ 335 StGB besonders schwere Faelle:** Ein bis zehn Jahre. Regelbeispiele: Vorteil grossen Ausmasses (i. d. R. ab ca. 50.000 EUR), fortgesetzte Begehung, Bandenmaessig. ## Praktikertipps Verteidigung - **Pflichtwidrigkeit angreifen.** War die Diensthandlung tatsaechlich pflichtwidrig oder im Ermessen? Behördenakten, Dienstanweisungen, Ermessensspielraeume sichten. - **Konnex Vorteil ↔ Handlung.** Bei zeitlich weit entfernten Zahlungen Bestreiten der konkreten Verknuepfung. Bei "Klimapflege" ohne konkrete Handlung Rueckfall auf §§ 331/333 StGB. - **Amtstraegereigenschaft.** Bei freien Beratern, Aussenbeamten, kommunalen Mandatstraegern Streit (BGH zum Amtstraegerbegriff § 11 StGB). Aktenzeichen vor Verwendung verifizieren. - **Vorsatz angreifen.** Bei komplexer Behördenstruktur kann der Geber die Pflichtwidrigkeit nicht erkennen. - **Aufklaerungshilfe § 46b StGB.** Bei Komplex-Korruption oft erhebliche Strafmilderung. - **Verstaendigung § 257c StPO** mit Bewaehrung bei Erstdelikt moeglich, wenn vollstaendige Wiedergutmachung. ## Trade-off-Matrix | Strategie | Vorteil | Nachteil | |---|---|---| | Bestreiten Pflichtwidrigkeit | §§ 331/333 statt §§ 332/334; deutlich niedrigerer Rahmen | Behörden-Belege | | Bestreiten Unrechtsvereinbarung | Tatbestand entfaellt | Indizienlage oft erdrueckend | | Bestreiten Amtstraegereigenschaft | Tatbestand entfaellt | Eng | | Aufklaerungshilfe § 46b StGB | Erhebliche Milderung; ggf. Bewaehrung | Eigene Belastung; Risiko für Mit-Beschuldigte | | Verstaendigung § 257c StPO | Planbarkeit | Bindung | | Schadenswiedergutmachung § 46a StGB | Strafmilderung | Eingestaendnis | ## Konkurrenzen - **§ 332/334 StGB / § 331/333 StGB.** §§ 332/334 Spezialnorm bei Pflichtwidrigkeit. - **§ 332/334 StGB / § 263 StGB.** Bei Vermoegensschaedigung der Behörde Tateinheit. - **§ 332/334 StGB / § 266 StGB Untreue.** Tateinheit bei Untreue durch Amtstraeger. - **§ 332/334 StGB / § 299 StGB.** Beim "Sektorenwechsel" — privater Auftragnehmer und Amtstraeger zugleich. - **§ 332/334 StGB / § 30 OWiG.** Verbandsgeldbusse Geber-Unternehmen. - **§ 332/334 StGB / § 261 StGB Geldwaesche.** Nach Reform 2021. ## Strafzumessung und Folgen - **Strafrahmen** §§ 332 Abs. 1, 334 Abs. 1 sechs Monate bis fuenf Jahre / drei Monate bis fuenf Jahre. - **§ 335 StGB** besonders schwere Faelle ein bis zehn Jahre. - **§ 46 StGB** Hoehe Vorteil, Wettbewerbsschaden, öffentliches Interesse, Wiedergutmachung. - **Einziehung § 73 StGB** zwingend (Vorteilsgegenstand sowie der durch die Diensthandlung erlangte Vermoegensvorteil). - **§ 73d StGB erweiterte Einziehung** bei Strukturen. - **Berufsverbot § 70 StGB / Dienstentfernung § 13 BDG**. - **Beamtenrechtliche Folgen** Entfernung aus dem Dienst, Pensionsentzug. - **Wettbewerbsregister-Eintragung** § 124 GWB; Vergabeausschluss. - **Disqualifikation § 6 GmbHG** Geschaeftsfuehrer (5 Jahre). - **§ 30 OWiG Verbandsgeldbusse** plus Abschoepfung. ## Mustertexte ### Bestreiten Pflichtwidrigkeit "Eine Pflichtwidrigkeit der streitgegenstaendlichen Diensthandlung im Sinne des § 332 Abs. 1 StGB wird bestritten. Die Erteilung der Baugenehmigung am [Datum] erfolgte auf Grundlage der eingereichten Bauunterlagen unter Beruecksichtigung der einschlaegigen Vorschriften des [Bauordnungsrecht]. Eine pflichtwidrige Bevorzugung ist aus den Verwaltungsvorgaengen nicht erkennbar; die Genehmigung waere bei gleichem Sachverhalt auch ohne den behaupteten Vorteil ergangen." ### Bestreiten Unrechtsvereinbarung "Eine Unrechtsvereinbarung zwischen dem Mandanten und Herrn [Name] hinsichtlich der Auftragsvergabe wird bestritten. Die in der Akte befindlichen Zahlungen vom [Datum] und [Datum] erfolgten im Rahmen einer separaten Beraterbeauftragung; vertragliche Grundlagen sind in den Anlagen K-1 und K-2 dokumentiert. Ein Konnex zur Auftragsvergabe vom [Datum] besteht nicht." ### Aufklaerungshilfe § 46b StGB "Der Mandant ist bereit, im Wege der Aufklaerungshilfe gemaess § 46b StGB umfassend ueber die Korruptionsstrukturen im [Behörde] auszusagen. Er hat insbesondere Kenntnis ueber die Rolle der Personen [Namen] und kann zur Aufklaerung folgender weiterer Taten beitragen: [...]. Es wird eine Strafmilderung nach § 49 Abs. 1 StGB beantragt." ## Quellen Stand 06/2026 - § 332 StGB Stand 06/2026 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__332.html. - § 334 StGB Stand 06/2026 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__334.html. - § 335 StGB besonders schwere Faelle https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__335.html. - BGH staendige Rspr. zum Amtstraegerbegriff § 11 StGB und zur Unrechtsvereinbarung; Aktenzeichen vor Verwendung verifizieren. - §§ 46, 46a, 46b, 49, 70, 73, 73c, 73d StGB. - § 30 OWiG; § 13 BDG; § 124 GWB; § 6 GmbHG. - references/zitierweise.md.