--- name: strafrecht-spezial-falschbeurkundung-348-stgb-und-271-stgb description: "Falschbeurkundung im Amt nach Paragraph 348 StGB und mittelbare Falschbeurkundung nach Paragraph 271 StGB: Oeffentliche Urkunde mit Beweiskraft für un..." --- # Falschbeurkundung im Amt nach Paragraph 348 StGB und mittelbare Falschbeurkundung nach Paragraph 271 StGB ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Falschbeurkundung im Amt nach Paragraph 348 StGB und mittelbare Falschbeurkundung nach Paragraph 271 StGB. Oeffentliche Urkunde mit Beweiskraft für und gegen jedermann. Tathandlung Beurkunden einer rechtserheblichen Tatsache als wahr obwohl falsch. Praxisbezug Standesamt Notar Grundbuch Auslaenderbehoerde Schiffsregister. Konkurrenzen. ### Falschbeurkundung im Amt Paragraph 348 StGB und mittelbare Falschbeurkundung Paragraph 271 StGB ## Worum geht es Die beiden Paragraphen schuetzen die **Beweiskraft öffentlicher Urkunden** vor inhaltlicher Verfaelschung: - **Paragraph 348 StGB** sanktioniert den Amtstraeger, der innerhalb seiner Zuständigkeit eine rechtserhebliche Tatsache als wahr beurkundet, obwohl sie falsch ist. - **Paragraph 271 StGB** sanktioniert den Privaten, der einen Amtstraeger zur Falschbeurkundung veranlasst. Geschuetztes Rechtsgut: Beweiskraft öffentlicher Urkunden für und gegen jedermann (Paragraph 415 ZPO). Anwendungsfaelle: Standesbeamte beurkundet falsches Geburtsdatum; Notar beurkundet falsches Verkaufsdatum; Auslaenderbehoerde beurkundet falsche Identitaet; Schiffsregister beurkundet falschen Schiffseigner; Grundbuchamt beurkundet falsche Eigentuemerangabe. ## Tatbestand und Auslegung ### Paragraph 348 StGB Falschbeurkundung im Amt Tauglicher Taeter ist nur ein **Amtstraeger**, der **zur Aufnahme öffentlicher Urkunden befugt** ist. Erfasst sind: - Standesbeamte (Geburten, Eheschliessungen, Sterbefaelle). - Notare bei der Beurkundung (Paragraph 39 BeurkG). - Grundbuchbeamte und Rechtspfleger im Grundbuchverfahren. - Beamte der Kfz-Zulassungsstellen. - Sonstige Beamte mit öffentlicher Beurkundungsbefugnis. **Tatbestand:** Innerhalb seiner Zuständigkeit eine rechtserhebliche Tatsache, für die die Urkunde Beweis fuehren soll, **als wahr beurkunden, obwohl sie falsch ist**, oder beurkundete Tatsachen verfaelschen. **Rechtserheblich** sind Tatsachen, die im Rechtsverkehr Bedeutung haben — Identitaet, Datum, Eigentumsverhaeltnis, Personenstand. ### Paragraph 271 StGB mittelbare Falschbeurkundung Tauglicher Taeter ist jeder, der einen Amtstraeger zu Falschbeurkundung veranlasst. **Tatbestand:** Erwirken, dass Erklaerungen, Verhandlungen oder Tatsachen in öffentlichen Urkunden als abgegeben, geschehen oder vorhanden erklaert werden, **die nicht abgegeben, nicht geschehen oder nicht vorhanden sind**. Der Amtstraeger selbst handelt **gutglaeubig** — er glaubt der falschen Angabe und beurkundet sie. Der Private taeuscht den Amtstraeger. Anwendungsfaelle: falsche Eheschliessungsabsicht, Scheinehe zur Aufenthaltserlangung; Notarverhandlung mit erfundenem Sachverhalt; falsche Angaben in Steuerbescheinigung; falsche Identitaet bei Reisepass-Beantragung. ### "Oeffentliche Urkunde" Definition Paragraph 415 ZPO: Urkunde, die von einer öffentlichen Behörde innerhalb ihrer Amtsbefugnisse oder einer mit öffentlichem Glauben versehenen Person in der vorgeschriebenen Form aufgenommen ist. Beispiele: Geburtsurkunde, Notarsurkunde, Grundbuchauszug, KFZ-Schein, Reisepass. ### Subjektiver Tatbestand **Paragraph 348 StGB:** Vorsatz hinsichtlich Amtsausuebung und Falschheit. **Paragraph 271 StGB:** Vorsatz hinsichtlich Veranlassung der falschen Beurkundung — der Amtstraeger ist gutglaeubig. ## Praktikertipps Verteidigung - **Rechtserheblichkeit pruefen.** Nicht jede Tatsache in einer Urkunde ist rechtserheblich. Nebenangaben (z. B. Beruf, Adresse zur Information) sind oft nicht erfasst. - **Beweiskraft der Urkunde pruefen.** Hat die Urkunde Beweiskraft "für und gegen jedermann" (Paragraph 415 ZPO)? Wenn nur "für den Beschluss" — keine öffentliche Urkunde im Sinne von Paragraph 348 StGB. - **Vorsatzausschluss durch Beratung.** Bei komplexen Beurkundungsfragen (z. B. Auslandssachverhalt) kann Vorsatz ueber Falschheit fehlen. - **Paragraph 271 StGB nur bei aktivem Veranlassen.** Wenn der Amtstraeger selbst Fehler macht und Mandant nicht aktiv getaeuscht hat — Paragraph 271 StGB nicht erfuellt. - **Konkurrenz zu Paragraph 267 StGB Urkundenfaelschung pruefen.** Faelschung **echter** Urkunde ist Paragraph 267 StGB; Beurkundung **falschen Inhalts** ist Paragraph 348 / 271 StGB. Wichtige Abgrenzung. - **Scheinehe-Verteidigung.** Bei Scheinehe-Vorwurf nach Paragraph 271 StGB pruefen, ob wirklich Eheabsicht fehlte oder ob die Ehe nur "wenig herzlich" begonnen wurde. ## Trade-off-Matrix | Pfad A Bestreiten Falschheit | Pfad B Bestreiten Vorsatz / Rechtserheblichkeit | Empfehlung | | --- | --- | --- | | Bei objektiv klarer Diskrepanz zwischen Urkunde und Realitaet riskant. | Beratung dokumentieren; "Nebentatsache nicht rechtserheblich" als Verteidigungslinie. | Pfad B haeufiger erfolgreich. Bei Scheinehe-Verfahren oft schwer zu fuehren, weil Beweismaterial der Behörde umfangreich ist. | ## Konkurrenzen - **Paragraph 348 StGB und Paragraph 267 StGB Urkundenfaelschung.** Spezialitaet — Faelschung **echter** Urkunde ist Paragraph 267 StGB; Beurkundung **falschen Inhalts** ist Paragraph 348 StGB. - **Paragraph 271 StGB und Paragraph 267 StGB.** Tatmehrheit moeglich. - **Paragraph 271 StGB und Paragraph 263 StGB Betrug.** Tateinheit, wenn neben falscher Beurkundung Vermoegensschaden eintritt. - **Paragraph 271 StGB und Paragraph 95 AufenthG.** Konkurrenz bei Scheinehe-Erschleichung von Aufenthaltsrecht. - **Paragraph 271 StGB und Paragraph 145d StGB Vortaeuschen.** Tatmehrheit moeglich. ## Strafzumessung und Folgen - **Strafrahmen Paragraph 348 Abs 1 StGB:** Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe. - **Strafrahmen Paragraph 271 Abs 1 StGB:** Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe. - **Strafrahmen Paragraph 271 Abs 2 StGB schwerer Fall:** Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 5 Jahren bei Bereicherungsabsicht. - **Disziplinarrechtliche Folgen** für Amtstraeger; Entfernung aus dem Dienst moeglich. - **Berufsverbot Paragraph 70 StGB** moeglich. - BZRG-Eintrag bei Freiheitsstrafe oder Geldstrafe ueber 90 Tagessaetzen. - Bei Auslaender: Ausweisungsrisiko bei Aufenthaltserschleichung. ## Mustertexte **Schriftsatz-Snippet (Rechtserheblichkeit):** "Die im Anklageschriftsatz monierten Angaben in der Notarsurkunde betrafen lediglich die Anschrift eines Vertragspartners. Diese Anschrift war für den Vertragsschluss nicht rechtserheblich; die Urkunde sollte Beweis nur für den Vertragsinhalt und nicht für die Anschrift fuehren. Eine rechtserhebliche Tatsache im Sinne von Paragraph 348 StGB ist damit nicht betroffen." **Schriftsatz-Snippet (Scheinehe-Bestreiten):** "Mein Mandant und seine Ehefrau haben am DD.MM.JJJJ unter Anwesenheit beider Familien geheiratet. Eine Scheinehe lag nicht vor. Die spaetere Trennung im Mai JJJJ ist auf persönliche Differenzen zurueckzufuehren und stellt kein Indiz für eine zur Zeit der Eheschliessung fehlende Eheabsicht dar." **Einlassungs-Snippet:** "Ich habe gegenueber dem Standesbeamten am DD.MM.JJJJ angegeben, dass ich am 12.05.1985 geboren wurde. Mein tatsaechliches Geburtsdatum laut Geburtsregister meines Heimatlandes lautet 12.05.1986. Ich habe dieses Datum erst spaeter durch Vergleich mit meiner Geburtsurkunde bemerkt. Eine vorsaetzliche Falschangabe lag nicht vor." ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 348 StGB Falschbeurkundung im Amt im Wortlaut (gesetze-im-internet.de; dejure.org). - Paragraph 271 StGB mittelbare Falschbeurkundung im Wortlaut. - Paragraph 415 ZPO Beweiskraft öffentlicher Urkunden. - Paragraph 39 BeurkG Beurkundungsgesetz für Notare. - Paragraph 267 StGB Urkundenfaelschung — Abgrenzung. - BGH staendige Rspr. zur Rechtserheblichkeit der beurkundeten Tatsachen. - BGH staendige Rspr. zur Beweiskraft öffentlicher Urkunden im Strafrecht. - BGH-Linie zur Scheinehe und Aufenthaltserschleichung. - BVerfG staendige Linie zur Bestimmtheit Art 103 II GG.