--- name: strafrecht-spezial-glaeubigerbeguenstigung-283c-stgb description: "Glaeubigerbeguenstigung nach Paragraph 283c StGB: Bevorzugte Befriedigung eines Glaeubigers in der Krise zum Nachteil der Glaeubigergesamtheit. Tatbestand inkongruente Deckung und kongruente Deckung. Abgrenz..." --- # Glaeubigerbeguenstigung nach Paragraph 283c StGB ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Glaeubigerbeguenstigung nach Paragraph 283c StGB. Bevorzugte Befriedigung eines Glaeubigers in der Krise zum Nachteil der Glaeubigergesamtheit. Tatbestand inkongruente Deckung und kongruente Deckung. Abgrenzung Paragraph 130 InsO Anfechtung. Verteidigung mit Bargeschaeftsausnahme Paragraph 142 InsO und Sanierungsversuch. ## Worum geht es konkret Paragraph 283c StGB schuetzt die Glaeubigergesamtheit vor selektiver Befriedigung einzelner Glaeubiger nach Eintritt der Zahlungsunfaehigkeit. Anwendungsfall: GF zahlt die letzten EUR 50.000 auf das Konto an die Hausbank zurueck, an die er persoenlich gebuergt hat, statt die Mittel zur Insolvenzantragstellung zu reservieren. Oder er zahlt vorrangig den Lieferanten, der ihm in der naechsten Saison wieder beliefern soll. Die Norm ist die strafrechtliche Spiegelung der insolvenzrechtlichen Anfechtungstatbestaende Paragraph 130 InsO (kongruente Deckung) und Paragraph 131 InsO (inkongruente Deckung). Strafrechtlich pruefbar ist nicht jede Anfechtungslage, aber jede Anfechtungslage ist Pruefanker für eine moegliche strafrechtliche Glaeubigerbeguenstigung. ## Tatbestand im Detail ### Absatz 1 Tathandlung Strafbar ist, wer bei Zahlungsunfaehigkeit einem Glaeubiger eine Sicherheit oder Befriedigung gewaehrt, die dieser nicht oder nicht in der Art oder nicht zu der Zeit zu beanspruchen hatte (= **inkongruente Deckung**), und ihn dadurch absichtlich oder wissentlich vor den uebrigen Glaeubigern beguenstigt. Wichtig: Nur **inkongruente Deckung** ist strafbar. Kongruente Deckung (also Zahlung einer faelligen, einklagbaren Forderung in vereinbarter Art) ist nicht strafbar, auch wenn sie nach Paragraph 130 InsO anfechtbar ist. ### Voraussetzungen - **Zahlungsunfaehigkeit** muss zur Zeit der Beguenstigung vorliegen (Paragraph 17 InsO). - **Glaeubigerstellung** des Empfaengers; Glaeubiger ist auch der durch Buergschaft mittelbar Beguenstigte. - **Inkongruenz** der Leistung: nicht geschuldet, nicht in der Art geschuldet, nicht zur Zeit geschuldet. Beispiele: Sicherheitenbestellung nachtraeglich; Zahlung vor Faelligkeit; Zahlung in anderer Form als geschuldet (z. B. Sachleistung statt Geld). - **Beguenstigungsabsicht oder Wissen**: dolus directus 1. oder 2. Grades. Eventualvorsatz reicht *nicht*. ### Absatz 2 Versuch strafbar Versuch ist strafbar; in der Praxis selten relevant. ### Absatz 3 objektive Bedingung der Strafbarkeit Wieder: Eintritt der Zahlungseinstellung, Insolvenzeroeffnung oder Mangelantrag. Bei Sanierung ohne Insolvenz: straflos. ## Praktikertipps der alten Hasen - **Kongruenz pruefen.** Inkongruenz ist Voraussetzung. War die Forderung faellig? War sie in genau dieser Art und zu genau dieser Zeit geschuldet? Mit Vertraegen und AGB belegen. - **Bargeschaeftsausnahme Paragraph 142 InsO als Indiz.** Wenn die Leistung Zug-um-Zug gegen gleichwertige Gegenleistung erbracht wurde, dann liegt kein klassischer Tatbeitrag zum Vermoegensabzug vor. Strafrechtlich nicht 1:1 uebertragbar, aber Indiz gegen Beguenstigungsabsicht. - **Sanierungsversuch als Rechtfertigung.** Wenn der GF mit der Zahlung einen wesentlichen Lieferanten erhalten wollte, um die Sanierung zu ermoeglichen, fehlt die Beguenstigungsabsicht (es ging um Unternehmenserhalt, nicht um Glaeubigerselektion). - **Liquiditaetsstatus zum Tattag.** Ohne sauberen Liquiditaetsstatus laesst sich Zahlungsunfaehigkeit oft nicht beweisen. Verteidigung sollte den Status rekonstruieren und Cashflow-Reserven dokumentieren. - **Selbstbeguenstigung.** Wenn der GF an sich selbst zahlt (Gehalt, Tilgung Gesellschafterdarlehen), Paragraph 39 InsO Nachrang beachten; oft auch Paragraph 266 StGB Untreue. ## Trade-off-Matrix | Pfad A Bestreiten Zahlungsunfaehigkeit | Pfad B Bestreiten Beguenstigungsabsicht | Empfehlung | | --- | --- | --- | | Liquiditaetsstatus rekonstruieren, Cash-Reserven darstellen | Sanierungsabsicht und ueblicher Geschaeftsverkehr darstellen | Wenn Insolvenzgutachten Zahlungsunfaehigkeit zum Tattag feststellt, dann Pfad B priorisieren; sonst Pfad A. | ## Konkurrenzen - **Paragraph 283c StGB hinter Paragraph 283 StGB.** Wenn die Beguenstigung gleichzeitig Beiseiteschaffen iSv Paragraph 283 Abs 1 Nr 1 StGB ist (z. B. an Verwandten), geht 283 StGB als schwereres Delikt vor. - **Paragraph 283c StGB neben Paragraph 266 StGB Untreue.** Bei Selbstbeguenstigung ueber den GF kann Untreue parallel verwirklicht sein (Vermoegensbetreuungspflicht gegenueber GmbH verletzt). - **Paragraph 283c StGB neben Paragraph 15b InsO Zahlungsverbot.** Strafrechtlich kein Verstoss gegen Paragraph 15b InsO, aber der zivilrechtliche Erstattungsanspruch gegen den GF kann Indiz für die Beguenstigung sein. - **Paragraph 283c StGB und Paragraph 130, 131 InsO.** Anfechtungstatbestaende sind nicht deckungsgleich mit Strafbarkeit, aber stark indiziell. ## Strafzumessung und Folgen - Strafrahmen Paragraph 283c Abs 1 StGB: Freiheitsstrafe bis 2 Jahre oder Geldstrafe. - Versuch milder nach Paragraph 23 Abs 2, Paragraph 49 Abs 1 StGB. - **Einziehung Paragraph 73 StGB**: gegenueber dem begünstigten Glaeubiger. Wertersatz Paragraph 73c StGB. - **Sperre Paragraph 6 Abs 2 Satz 2 Nr 3 GmbHG**: 5 Jahre als GF. - BZRG-Eintrag bei Geldstrafe ueber 90 Tagessaetzen. - Parallele zivilrechtliche Haftung gegenueber dem Insolvenzverwalter aus Paragraph 130 ff. InsO und Paragraph 826 BGB. ## Mustertexte **Schutzschrift-Snippet:** "Die Zahlung an die Y-Bank am DD.MM.JJJJ war kongruente Deckung: Die Forderung war faellig (Anlage SS 1), die Zahlung erfolgte in geschuldeter Art (Ueberweisung) und zum Faelligkeitsdatum. Eine Glaeubigerbeguenstigung iSv Paragraph 283c StGB liegt mangels Inkongruenz nicht vor." **Einlassungs-Snippet:** "Ich habe die Zahlung an den Lieferanten Z geleistet, um die laufende Belieferung zu sichern und damit die Sanierung des Unternehmens zu ermoeglichen. Eine bewusste Beguenstigung dieses Glaeubigers gegenueber anderen lag mir fern; ich wollte den Geschaeftsbetrieb erhalten." **Hilfsbeweisantrag:** "Es wird beantragt, Beweis durch Verlesung des Liefer- und Zahlungskontoauszuges der Z-GmbH zu erheben zum Beweis der Tatsache, dass die am DD.MM.JJJJ ueberwiesenen EUR X aus einer Anfang des Monats faelligen, vertraglich vereinbarten Lieferung resultierten." ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 283c StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de). - Paragraph 130 InsO kongruente Deckung; Paragraph 131 InsO inkongruente Deckung; Paragraph 142 InsO Bargeschaeftsausnahme. - Paragraph 17 InsO Zahlungsunfaehigkeit. - Paragraph 39 Abs 1 Nr 5 InsO Nachrang Gesellschafterdarlehen. - BGH staendige Rspr. zur Beguenstigungsabsicht (direkter Vorsatz erforderlich, nicht Eventualvorsatz). - BGH staendige Rspr. zur Inkongruenz bei Zahlung vor Faelligkeit.