--- name: strafrecht-spezial-schwerer-raub-250-stgb description: "Schwerer Raub nach § 250 Abs: 1 und Abs. 2 StGB. Qualifikationen Mit-sich-Fuehren von Waffe; Bande; Lebensgefaehrdung; schwere koerperliche Misshandlung. Verwendungsvariante § 250 Abs. 2 StGB Verwenden einer Waffe. Strafrahmen..." --- # Schwerer Raub nach § 250 Abs ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Schwerer Raub nach § 250 Abs. 1 und Abs. 2 StGB. Qualifikationen Mit-sich-Fuehren von Waffe; Bande; Lebensgefaehrdung; schwere koerperliche Misshandlung. Verwendungsvariante § 250 Abs. 2 StGB Verwenden einer Waffe. Strafrahmen Abs. 1 nicht unter drei Jahren; Abs. 2 nicht unter fuenf Jahren. ### Schwerer Raub § 250 StGB ## Worum geht es § 250 StGB enthaelt die **Qualifikationen** des Raubes nach § 249 StGB. Die Norm ist gestuft: - **§ 250 Abs. 1 StGB (Beisich-Fuehrungs-Qualifikation):** Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. - **§ 250 Abs. 2 StGB (Verwendungs- und Bandenqualifikation):** Freiheitsstrafe nicht unter fuenf Jahren. - **Minder schwerer Fall § 250 Abs. 3 StGB:** Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. In der Praxis ist die Abgrenzung **Beisich-Fuehren vs. Verwenden** zentral: Bereits das Mitfuehren einer Waffe erfuellt § 250 Abs. 1 Nr. 1a StGB; der Einsatz der Waffe als Drohmittel oder als Verletzungswerkzeug erfuellt § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB. ## Tatbestand und Auslegung **Grundtatbestand:** Voraussetzung ist eine vorsaetzliche Raubhandlung nach § 249 StGB. **Subjektiver Tatbestand:** Vorsatz hinsichtlich der Qualifikation. Dolus eventualis genuegt. ## Qualifikationen Abs. 1 **Nr. 1a Beisich-Fuehren von Waffe oder gefaehrlichem Werkzeug:** Der Taeter fuehrt eine Waffe oder ein gefaehrliches Werkzeug **bei sich** (Griffweite). Erforderlich ist Bewusstsein des Beisich-Fuehrens. Klassisch: Messer in der Innentasche, Pistole im Hosenbund. Auch eine Waffe **im Auto in Tatortnaehe** kann ausreichend sein, wenn jederzeit zugriffsbereit. **Nr. 1b Werkzeug oder Mittel zur Verhinderung oder Ueberwindung von Widerstand:** Mitfuehren eines Gegenstandes, der bestimmt ist, Widerstand zu verhindern oder zu ueberwinden (z. B. Fesselungsband, Pfefferspray, Schreckschusspistole nach staendiger BGH-Rechtsprechung). **Subjektiver Verwendungsvorsatz erforderlich.** **Nr. 2 Bande:** Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, **unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds**. Bandenmerkmal: mindestens drei Personen mit erkennbarem Bandenwillen zur fortgesetzten Tatbegehung (staendige BGH-Linie). Sukzessive Mittaeterschaft moeglich. **Nr. 3 Bringt das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschaedigung:** Konkretes Gefaehrdungsmerkmal. Schwere Gesundheitsschaedigung iSd § 226 Abs. 1 StGB-Aequivalent. ## Qualifikationen Abs. 2 **Nr. 1 Verwendung einer Waffe oder eines gefaehrlichen Werkzeugs:** Der Taeter **verwendet** die Waffe / das gefaehrliche Werkzeug bei der Tat (Einsatz als Drohmittel oder Verletzungswerkzeug). Klassisch: Vorhalten einer Pistole, Schlag mit Eisenstange. Vorzeigen unter Drohung genuegt. **Nr. 2 Bande mit Beisich-Fuehren einer Waffe:** Bandenraub mit Bewaffnung – Qualifikation gegenueber Abs. 1 Nr. 2. **Nr. 3a Schwere koerperliche Misshandlung:** Schwere koerperliche Misshandlung waehrend der Raubhandlung. Auslegung enger als Misshandlung iSd § 223 StGB; staendige BGH-Linie: erhebliche Brutalitaet oder erhebliche Verletzung. **Nr. 3b Lebensgefaehrdung:** Konkrete Lebensgefahr durch die Tat. ## Tatbestandsmerkmale konkret **Waffe (technische Waffe):** Schuss-, Stich-, Hieb- oder Stosswaffe, die nach ihrer Beschaffenheit dazu bestimmt ist, erhebliche Verletzungen herbeizufuehren. **Gefaehrliches Werkzeug:** Wie bei § 224 StGB Nr. 2 – Gegenstand, der nach objektiver Beschaffenheit und konkreter Verwendung im Einzelfall geeignet ist, erhebliche Koerperverletzungen herbeizufuehren. **Streitig:** Beisich-Fuehren ohne Verwendungsabsicht – staendige BGH-Linie hat hier Restriktion entwickelt: Bei Gegenstaenden, die nicht eindeutig als Waffe identifiziert sind (z. B. Schraubenschluessel, Cuttermesser), erfordert Nr. 1a einen subjektiven Verwendungsvorbehalt im Sinne einer Tatbereitschaft. Spaeter Streit – konkreten BGH-Stand live pruefen. **Scheinwaffe:** Drohung mit Scheinwaffe (z. B. ungeladener Schreckschusspistole, Spielzeugpistole, Finger in Tasche) erfuellt Abs. 1 Nr. 1b nach staendiger BGH-Rechtsprechung, wenn das Werkzeug zur Drohwirkung bestimmt ist. **Verwenden (Abs. 2 Nr. 1):** Aktiver Einsatz als Drohmittel oder Verletzungswerkzeug. Beim Verstecken der Waffe ohne Einsatz nur Abs. 1. **Bande:** Mindestens drei Personen, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden haben. Bandenraub setzt voraus, dass mindestens zwei Bandenmitglieder taetig werden. ## Praktikertipps der Verteidigung - **Abs. 1 / Abs. 2 Abgrenzung:** Bei Vorzeigen einer Waffe in Drohabsicht greift Abs. 2 Nr. 1 (Verwenden). Bei Verstecken oder Mitfuehren ohne Einsatz nur Abs. 1 Nr. 1a. - **Scheinwaffe:** Bei Scheinwaffen-Drohung (z. B. Spielzeugpistole) Abs. 2 Nr. 1 problematisch – staendige BGH-Linie zur Verwendung von Scheinwaffen pruefen. - **Bandenmerkmal:** Bandenwille muss vor der Tat bestanden haben. Bei spontaner Tatbegehung mit drei Personen nicht automatisch Bande. - **Verwendungsvorsatz Abs. 1 Nr. 1b:** Verteidigung bei Trageeigenschaft (Cuttermesser im Werkzeugkasten, Schraubenschluessel im Auto). Subjektiver Vorbehalt zur Verwendung muss vorliegen. - **Minder schwerer Fall Abs. 3:** Bei Erstmaligkeit, geringen Werten, voller Schadenswiedergutmachung Strafrahmen ein bis zehn Jahre. - **§ 21 StGB:** Schuldfaehigkeit pruefen. ## Trade-off-Matrix - **Schweigen vs. Aussage:** Bei strittiger Waffeneigenschaft oder Bandenmerkmal kann Aussage helfen. - **Geststaendnis:** Strafmilderungsgrund. Bei Bandenraub im organisierten Kontext oft nur ueber Geststaendnis und Aussagebereitschaft Strafmilderung erzielbar (Kronzeugenregelung § 46b StGB). - **§ 46b StGB Aufklaerungs- und Praeventionshilfe:** Bei Bandentaten relevant; Strafrahmenmilderung iVm § 49 Abs. 1 StGB oder Absehen von Strafe moeglich. - **Nebenklage:** § 395 StPO – Nebenklage durch Geschaedigte zulaessig. ## Konkurrenzen - **§ 249 StGB:** Wird durch § 250 StGB qualifiziert. - **§§ 251, 252 StGB:** Bei Todesfolge bzw. raeuberischem Diebstahl. - **§ 224 StGB:** Tateinheit moeglich, wird aber regelmaessig durch § 250 Abs. 2 Nr. 1 und Nr. 3 verdraengt. - **§ 211 StGB Mord aus Habgier:** Tateinheit problematisch; staendige BGH-Linie pruefen. - **§§ 239a, 239b StGB:** Bei Geiselnahme im Raubgeschehen Tateinheit moeglich. - **§ 30, 31 StGB:** Verbrechensverabredung. - **§ 244 StGB:** Bewaffneter Diebstahl – Subsidiaritaet zu § 250 StGB. ## Strafzumessung - **Strafrahmen § 250 Abs. 1 StGB:** Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren (bis 15 Jahre). - **Strafrahmen § 250 Abs. 2 StGB:** Freiheitsstrafe nicht unter fuenf Jahren (bis 15 Jahre). - **Minder schwerer Fall § 250 Abs. 3 StGB:** Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren. - **Versuch:** § 23 Abs. 2 StGB iVm § 49 Abs. 1 StGB. - **§ 46b StGB Aufklaerungs- und Praeventionshilfe:** Bei Bandentaten. - **§ 49 StGB:** Strafrahmenverschiebung bei vertypten Milderungsgruenden. - **Bewaehrung:** Bei Abs. 1 / Abs. 2 nicht ohne Strafrahmenverschiebung; bei Abs. 3 (minder schwerer Fall) und Strafrahmenverschiebung Strafe bis zwei Jahre denkbar. ## Mustertexte **Einlassung (Auszug, Scheinwaffe):** > Der Angeklagte raeumt ein, dem Geschaedigten eine Spielzeugpistole vorgehalten zu haben. Es handelte sich um eine als Spielzeug erkennbare Kunststoffwaffe; bei einer Distanz von wenigen Metern war eine Verwechslung mit einer echten Waffe nicht zu erwarten. Der Geschaedigte hat in der polizeilichen Vernehmung erklaert, er habe das Spielzeug nicht ernst genommen, sondern nur aus Schreck reagiert. **Plaedoyer-Snippet (Bandenmerkmal):** > Eine Bande iSd § 250 Abs. 2 Nr. 2 StGB setzt einen vorab gebildeten Bandenwillen voraus, sich zur fortgesetzten Begehung von Raubtaten zu verbinden. Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass die Beteiligten erst am Tattag durch Zufall zusammengefuehrt wurden und keinen Bandenwillen entwickelt haben. Es liegt allenfalls Mittaeterschaft iSd § 25 Abs. 2 StGB vor, nicht Bandenraub. **Antrag auf Anwendung § 46b StGB:** > Es wird beantragt, die fakultative Strafrahmenverschiebung des § 46b StGB anzuwenden. Der Angeklagte hat freiwillig Angaben zur Bandenstruktur und zu weiteren Mitgliedern gemacht, die wesentlich zur Aufklaerung der Tat sowie zur Verhinderung weiterer Taten beigetragen haben. ## Quellen Stand 06/2026 - § 250 StGB schwerer Raub (gesetze-im-internet.de). - § 249 StGB Raub; § 251 StGB Raub mit Todesfolge; § 252 StGB raeuberischer Diebstahl. - § 46b StGB Aufklaerungs- und Praeventionshilfe. - § 244 StGB bewaffneter Diebstahl (Subsidiaritaet). - BGH staendige Rspr. zur Scheinwaffe, zur Verwendungsvariante und zum Bandenmerkmal (live verifizieren in BGH-Datenbank). - BGH staendige Rspr. zum gefaehrlichen Werkzeug im Raub. - Verifizierung in amtliche Quellen empfohlen.