--- name: strafrecht-spezial-untreue-266-stgb-grundtatbestand description: "Untreue nach Paragraph 266 StGB Grundtatbestand: Missbrauchstatbestand und Treubruchstatbestand. Vermoegensbetreuungspflicht aufgrund Gesetz Rechtsgeschaeft oder Treueverhaeltnis. Vermoegensschaden mit BGH-St..." --- # Untreue nach Paragraph 266 StGB Grundtatbestand ## Arbeitsbereich **Subventionsbetrug Stgb Toetung Verlangen** ordnet den Fall über die tragenden Prüfungslinien: Subventionsbetrug § 264 StGB, Toetung auf Verlangen nach § 216 StGB, Totschlag nach § 212 StGB. Arbeite zuerst die tragende Rechtsfrage heraus; Nebenaspekte werden nur verarbeitet, soweit sie Frist, Zuständigkeit, Beweislast oder das konkrete Arbeitsprodukt tatsächlich beeinflussen. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Untreue nach Paragraph 266 StGB Grundtatbestand. Missbrauchstatbestand und Treubruchstatbestand. Vermoegensbetreuungspflicht aufgrund Gesetz Rechtsgeschaeft oder Treueverhaeltnis. Vermoegensschaden mit BGH-Stufenmodell. Verteidigungslinien bei Wirtschaftsstraftaten und GmbH-Geschaeftsfuehrung. ## Worum geht es konkret Paragraph 266 StGB schuetzt fremdes Vermoegen vor Schaedigung durch Personen, denen es zur Wahrnehmung anvertraut ist. Anwendungsfall: GmbH-GF nimmt Privatentnahmen aus der Kasse, ohne Gesellschafterzustimmung. Stiftungsvorstand zahlt eigene Honorare in unangemessener Hoehe. Bankvorstand vergibt riskante Kredite ohne Sicherheitenpruefung. Die Norm ist das Zentralgrundgeruest des deutschen Wirtschaftsstrafrechts und gleichzeitig das verfassungsrechtlich umstrittenste. Seit BVerfG 23.06.2010 (NJW 2010, 3209) ist die Beziehung Untreue-Schaden eng am Bestimmtheitsgebot zu messen. ## Tatbestand im Detail ### Absatz 1: zwei Tatbestandsalternativen **Missbrauchstatbestand (1. Alt.)**: Wer die ihm durch Gesetz, behoerdlichen Auftrag oder Rechtsgeschaeft eingeraeumte Befugnis, ueber fremdes Vermoegen zu verfuegen oder einen anderen zu verpflichten, missbraucht und dadurch dem, dessen Vermoegensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufuegt. **Treubruchstatbestand (2. Alt.)**: Wer die ihm kraft Gesetz, behoerdlichen Auftrags, Rechtsgeschaefts oder Treueverhaeltnisses obliegende Pflicht, fremde Vermoegensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dem, dessen Vermoegensinteressen er zu betreuen hat, dadurch Nachteil zufuegt. ### Voraussetzungen - **Vermoegensbetreuungspflicht**: Qualifizierte Pflicht zur Wahrnehmung fremder Vermoegensinteressen mit eigenstaendigem Entscheidungsspielraum. Nicht jede vertragliche Pflicht reicht. BGH staendige Rspr.: Pflicht muss "fremdnuetzig" und "hauptsaechlich" sein. - **Tathandlung**: - Missbrauch = Ueberschreitung des Innenrechts (zwar im rechtsgeschaeftlichen Aussenverhaeltnis wirksam, aber pflichtwidrig). - Treubruch = Verletzung der Pflicht im weiteren Sinne (auch tatsaechliches Verhalten). - **Vermoegensnachteil**: Vergleich Vermoegen vor und nach Pflichtverletzung. Schadensbeziffrung BGH-Stufenmodell (siehe Fachmodul schaden-und-bezifferbarkeit). - **Vorsatz**: Eventualvorsatz reicht. Aber: Schadenshoehe muss im Vorsatz erfasst sein (gewisse Verallgemeinerung zulaessig). ### Absatz 2: Schadenstatbestand Verweisungsnorm auf Paragraph 263 Abs 3 StGB (besonders schwerer Fall des Betrugs), insbesondere Regelbeispiel Nr 1 grosser Vermoegensschaden. Strafrahmen 6 Monate bis 10 Jahre. ### Subjektiver Tatbestand: schadensgleiche Vermoegensgefaehrdung BGH-Linie unterscheidet zwischen *Schaden* (definitiv) und *schadensgleicher Vermoegensgefaehrdung* (BVerfG-Vorgabe: Bezifferbarkeit erforderlich). Siehe Fachmodul koerperliche-vermoegensgefaehrdung. ## Praktikertipps der alten Hasen - **Vermoegensbetreuungspflicht angreifen.** Bei jeder Untreuevorwurf-Verteidigung: Hatte der Mandant tatsaechlich eine *qualifizierte* Pflicht? Bei einfachen Angestellten oft nein, bei Kassierern manchmal nicht (BGH staendige Rspr. zur Bedienpflicht). - **Einwilligung des Vermoegensinhabers.** Bei GmbH: Wenn alle Gesellschafter zustimmen, scheidet Schaedigung *grundsaetzlich* aus. Aber: BGH-Linie schraenkt ein - bei Existenzgefaehrdung der GmbH ist auch einstimmige Gesellschafterzustimmung untreuewidrig (Stichwort "Existenzvernichtungsuntreue"; BGH-Linie streng). - **Business Judgment Rule Paragraph 93 Abs 1 Satz 2 AktG.** Bei unternehmerischen Entscheidungen kein Pflichtverstoss, wenn Entscheidung "auf Grundlage angemessener Information" und "zum Wohl der Gesellschaft" getroffen. Verteidigung muss Entscheidungsgrundlagen rekonstruieren (Vorstandsprotokoll, Sachverstaendigengutachten, externe Beratung). - **Schadensbeziffrung im Strengen.** Ohne genaue Bezifferbarkeit ist Untreue verfassungsrechtlich angreifbar. Verteidigung erzwingt Stufenberechnung mit Sachverstaendigem. - **Subjektiver Tatbestand: Verbotsirrtum Paragraph 17 StGB.** Bei komplexen Rechtsfragen oft greifbar. Bei Beratungsfehler des Rechtsanwalts: vermeidbarer Verbotsirrtum, Strafmilderung. ## Trade-off-Matrix | Pfad A Vermoegensbetreuungspflicht bestreiten | Pfad B Schaden bestreiten | Empfehlung | | --- | --- | --- | | Bei Angestellten ohne Entscheidungsspielraum erfolgversprechend | Bei GF/Vorstand fast immer einschlaegig, dann Schadenshoehe angreifen | Pfad A bei niedrigeren Hierarchien, Pfad B bei Fuehrungspersonal. | ## Konkurrenzen - **Paragraph 266 StGB und Paragraph 263 StGB Betrug.** Untreue setzt eine Innenpflicht voraus, Betrug eine Aussenkommunikation. Bei Doppellage Tateinheit moeglich, aber meist Spezialitaet. - **Paragraph 266 StGB und Paragraph 283 StGB Bankrott.** GF, der in der Krise Vermoegen entzieht, verwirklicht sowohl Untreue (gegenueber GmbH) als auch Bankrott (gegenueber Glaeubigergesamtheit). Tateinheit. - **Paragraph 266 StGB und Paragraph 246 StGB Unterschlagung.** Bei eigenhaendiger Zueignung von Bargeld; oft Tateinheit, Untreue wegen Vermoegensbetreuungspflicht spezieller. - **Paragraph 266 StGB und Paragraph 370 AO Steuerhinterziehung.** Bei Untreue ueber Steuerzahlungen Tateinheit. ## Strafzumessung und Folgen - Absatz 1: Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe. - Absatz 2 (besonders schwerer Fall): 6 Monate bis 10 Jahre. - **Regelbeispiele Paragraph 263 Abs 3 StGB** (via Verweisung): Vermoegensverlust grossen Ausmasses, gewerbsmäßige Begehung, fortgesetzte Tat. - **Einziehung Paragraph 73 StGB** des untreuewidrig Erlangten; bei Selbstbereicherung Wertersatz Paragraph 73c StGB. - **Berufsverbot Paragraph 70 StGB** bei groben Pflichtverletzungen. - **GF-Sperre Paragraph 6 Abs 2 Satz 2 Nr 3 GmbHG** bei Verurteilung wegen Insolvenzstraftat. - BZRG-Eintrag. ## Mustertexte **Schutzschrift-Snippet:** "Mein Mandant hatte keine Vermoegensbetreuungspflicht iSv Paragraph 266 Abs 1 Alt 2 StGB. Als Bueroleiter ohne Prokura und ohne eigenstaendigen Entscheidungsspielraum war er weisungsabhaengig. Die für den Treubruchstatbestand erforderliche qualifizierte Pflicht zur Wahrnehmung fremder Vermoegensinteressen liegt nicht vor (BGH staendige Rspr.)." **Einlassungs-Snippet:** "Ich habe die Privatentnahme mit dem Mehrheitsgesellschafter X telefonisch abgestimmt. Er hat mir am DD.MM.JJJJ ausdruecklich erlaubt, EUR Y vorlaeufig als Darlehen zu entnehmen. Eine schriftliche Bestaetigung gibt es nicht, aber der Zeuge X kann dies bestaetigen." **Hilfsbeweisantrag:** "Es wird beantragt, Beweis durch Vernehmung des Zeugen X (Mehrheitsgesellschafter) zu erheben zum Beweis der Tatsache, dass dieser meinem Mandanten am DD.MM.JJJJ telefonisch die Entnahme von EUR Y erlaubt hat." ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 266 StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de). - Paragraph 263 Abs 3 StGB Regelbeispiele besonders schwerer Fall (via Verweisung Paragraph 266 Abs 2 StGB). - BVerfG 23.06.2010 - 2 BvR 2559/08 (Beschluss zur Bestimmtheit der Untreue; NJW 2010, 3209). - BGH staendige Rspr. zur qualifizierten Vermoegensbetreuungspflicht (fremdnuetzig und hauptsaechlich). - BGH staendige Rspr. zur Schadensbeziffrung beim BGH-Stufenmodell. - BGH staendige Rspr. zur Existenzvernichtungsuntreue trotz Gesellschafterzustimmung. - Paragraph 93 Abs 1 Satz 2 AktG Business Judgment Rule (analog GmbH). - Paragraph 43 GmbHG Sorgfaltspflicht des GF.