--- name: strafrecht-spezial-verkehrsstrafrecht-323a-stgb-rauschtat description: "Vollrausch nach Paragraph 323a StGB als Auffangtatbestand bei schuldunfaehiger Rauschtat: Voraussetzungen Selbstverschulden Rausch Rauschtat. Strafrahmen-Begrenzung du..." --- # Vollrausch nach Paragraph 323a StGB als Auffangtatbestand bei schuldunfaehiger Rauschtat ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StGB §§ 13, 22, 23, 25, 32, 35, 46, 47, 56, 57, StPO §§ 100a, 102, 105, 112, 136, 137, 140, 147, 152, 153a, 244, 257c, 261, 264, 265, 267, 304, 341, 344, 349; StPO; StGB — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. **Fokus:** Vollrausch nach Paragraph 323a StGB als Auffangtatbestand bei schuldunfaehiger Rauschtat. Voraussetzungen Selbstverschulden Rausch Rauschtat. Strafrahmen-Begrenzung durch Hauptdelikt. Anwendungsfaelle Verkehrsdelikte Gewaltdelikte. Verteidigungsstrategien Schuldunfaehigkeit Paragraph 20 StGB. ### Vollrausch nach Paragraph 323a StGB ## Worum geht es Paragraph 323a StGB ist der Auffangtatbestand für den Fall, dass der Taeter im Zustand der **Schuldunfaehigkeit nach Paragraph 20 StGB** (regelmaessig durch Alkohol oder Rauschmittel) eine rechtswidrige Tat begeht. Geschuetzt ist die allgemeine Rechtsordnung vor den Risiken berauschter Personen. Anwendungsfaelle: Mandant trinkt sich derart in den Rausch, dass er schuldunfaehig wird, und faehrt dann Auto, schlaegt oder zerstoert; im Strafverfahren wegen Trunkenheit am Steuer kann nicht festgestellt werden, ob er bei Tatbegehung schuldfaehig war — dann tritt Paragraph 323a StGB als Auffangtatbestand ein. Die Norm ist auch ein wichtiges Sicherheitsnetz, wenn die Verteidigung mit Schuldunfaehigkeit argumentiert. ## Tatbestand und Auslegung ### Sich-Berauschen Strafbar ist, wer sich vorsaetzlich oder fahrlaessig durch alkoholische Getraenke oder andere berauschende Mittel in einen Rausch versetzt, der zur Schuldunfaehigkeit fuehrt. Im Strassenverkehrsrecht regelmaessig BAK ab 3.0 Promille; im Allgemeinstrafrecht je nach Tat ab 2.0 bis 3.0 Promille. ### Rauschzustand Voraussetzung ist **vorgestellter oder eingetretener Zustand der Schuldunfaehigkeit nach Paragraph 20 StGB**. Bei mindestens 3.0 Promille BAK ist regelmaessig sicher schuldunfaehig anzunehmen; zwischen 2.0 und 3.0 Promille ist Schuldunfaehigkeit moeglich, je nach Einzelfall (BGH staendige Rspr. zur Schwere des Rausches). ### Rauschtat als objektive Bedingung der Strafbarkeit Im Rausch begeht der Taeter eine rechtswidrige Tat (z. B. Koerperverletzung, Sachbeschaedigung, Trunkenheit am Steuer). Diese **Rauschtat ist objektive Bedingung der Strafbarkeit** (BGH staendige Rspr.), nicht eigenes Tatbestandsmerkmal. Eine wegen Schuldunfaehigkeit nicht strafbare Rauschtat reicht aus. ### Subjektiver Tatbestand Der Vorsatz oder die Fahrlaessigkeit bezieht sich nur auf das Sich-Berauschen, nicht auf die spaetere Rauschtat. Der Vorwurf ist also: Mandant hat sich vorwerfbar in den Zustand versetzt, der zur Rauschtat fuehrte. ### Strafrahmen-Deckelung Absatz 2 Strafrahmen darf das Strafmass, das für die Rauschtat angedroht ist, nicht ueberschreiten. Bedeutet: Wer im Vollrausch eine Beleidigung begeht, kann nicht mehr Strafe bekommen als für Paragraph 185 StGB angedroht (= bis ein Jahr). Wer im Vollrausch eine schwere Koerperverletzung begeht, kann bis zur angedrohten Strafe für Paragraph 226 StGB bestraft werden. ### Antragserfordernis Absatz 3 Wenn die Rauschtat ein Antragsdelikt ist, dann ist auch die Vollrauschtat nur auf Antrag verfolgbar. ## Praktikertipps Verteidigung - **Schuldunfaehigkeit Paragraph 20 StGB beweisen — und damit Paragraph 323a StGB ausloesen.** Bei klarer Schuldunfaehigkeit ist Hauptdelikt nicht strafbar; nur Paragraph 323a StGB tritt ein. Die Strafrahmen-Deckelung kann erhebliche Entlastung bringen. - **Vorsicht: Doppelnatur des Promillearguments.** Hohe Promille hilft für Paragraph 20 StGB, aktiviert aber Paragraph 323a StGB. Strafzumessung kann insgesamt nicht milder werden, manchmal nur anders. - **Actio libera in causa pruefen.** Wenn Mandant sich vorsaetzlich besoffen hat, um Tat begehen zu koennen ("Mut antrinken"), greift actio libera in causa und Paragraph 323a StGB tritt zurueck; Mandant ist voll wegen Hauptdelikt strafbar. Das ist meist unguenstig. - **Sachverstaendigengutachten zur Schuldfaehigkeit.** Sachverstaendiger muss psychiatrisch-toxikologisch begutachten; Verteidigung sollte Begutachtungsfragen aktiv formulieren. - **Massregeln Paragraph 64 StGB Entziehungsanstalt.** Bei Trunksucht oder Drogensucht im Vollrausch kommt Massregel Paragraph 64 StGB in Betracht; Verteidiger sollte taktisch entscheiden, ob Massregel statt Haftstrafe als guenstiger gilt. - **Erinnerungsluecken.** Mandant erinnert sich nicht — Indiz für Schuldunfaehigkeit, aber nicht zwingend. ## Trade-off-Matrix | Pfad A volle Schuldfaehigkeit, Bestreiten Hauptdelikt | Pfad B Schuldunfaehigkeit Paragraph 20 StGB, Paragraph 323a StGB als Auffangtatbestand | Empfehlung | | --- | --- | --- | | Riskant bei klarer Beweislage des Hauptdelikts; Strafmilderung Paragraph 21 StGB ggf. nutzen. | Strafmilderung durch Strafrahmen-Deckelung Absatz 2; bei Bagatell-Rauschtaten oft erheblich gewinnbringend. | Bei Promille ueber 3.0 und schwer wiegender Rauschtat ist Pfad B taktisch besser. Bei mittlerem Wert (2.0 bis 2.5) abwaegen: actio libera in causa droht. | ## Konkurrenzen - **Paragraph 323a StGB tritt zurueck**, wenn Hauptdelikt strafbar ist (nicht schuldunfaehig). Auffangtatbestand. - **Paragraph 323a StGB und Paragraph 316 StGB.** Wenn Mandant mit 3.0 Promille fuhr und schuldunfaehig war: Paragraph 323a StGB statt Paragraph 316 StGB. - **Paragraph 323a StGB und Paragraph 142 StGB.** Wenn Mandant unfallflucht im Vollrausch begeht — gleiche Logik. - **Paragraph 323a StGB und actio libera in causa.** Wenn vorsaetzliche Selbstversetzung mit Tatbegehungsabsicht: Hauptdelikt voll strafbar, Paragraph 323a StGB tritt zurueck. - **Paragraph 323a StGB und Paragraph 20 StGB.** Paragraph 20 StGB ist Voraussetzung der Anwendung. ## Strafzumessung und Folgen - **Strafrahmen Absatz 1:** Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe. - **Strafrahmen Absatz 2 Deckelung:** nicht hoeher als die für die Rauschtat angedrohte Strafe. - **Fahrerlaubnisentzug Paragraph 69 StGB**, wenn Rauschtat eine Verkehrsdelikt war. - **Massregel Paragraph 64 StGB Entziehungsanstalt** moeglich bei Hang zu Alkohol oder Drogen. - **Massregel Paragraph 63 StGB** psychiatrisches Krankenhaus moeglich bei dauerhafter Gefaehrlichkeit. - BZRG-Eintrag bei Freiheitsstrafe oder Geldstrafe ueber 90 Tagessaetzen. - Bei Vorstrafen wegen Trunksuchtsstraftaten Strafverschaerfung. ## Mustertexte **Schriftsatz-Snippet (Schuldunfaehigkeit anregen):** "Es wird angeregt, ein Sachverstaendigengutachten zur Schuldfaehigkeit meines Mandanten zur Tatzeit einzuholen. Die festgestellte BAK von 3.2 Promille spricht nach BGH staendige Rspr. für eine sichere Schuldunfaehigkeit nach Paragraph 20 StGB. In diesem Fall waere Paragraph 323a StGB einschlaegig mit der Strafrahmen-Deckelung des Absatzes 2." **Einlassungs-Snippet:** "Ich erinnere mich nicht an die Geschehnisse am Tatabend. Ich weiss nur, dass ich gegen 22 Uhr in einer Bar Bier und Schnaps getrunken habe. Ab 23 Uhr habe ich eine Erinnerungsluecke." **Antrag auf Massregel Paragraph 64 StGB:** "Es wird hilfsweise beantragt, die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nach Paragraph 64 StGB anzuordnen. Mein Mandant leidet an einem Hang zum uebermäßigen Alkoholkonsum. Eine erfolgversprechende Therapie ist nach Sachverstaendigengutachten vom DD.MM.JJJJ moeglich." ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 323a StGB im Wortlaut (gesetze-im-internet.de; dejure.org). - Paragraph 20 StGB Schuldunfaehigkeit; Paragraph 21 StGB verminderte Schuldfaehigkeit. - Paragraph 64 StGB Massregel der Entziehung; Paragraph 63 StGB psychiatrisches Krankenhaus. - BGH staendige Rspr. zur Promillegrenze für Schuldunfaehigkeit (Verkehr ab 3.0; sonst je nach Tat ab 2.0). - BGH staendige Rspr. zur Rauschtat als objektive Bedingung der Strafbarkeit. - BGH staendige Rspr. zur actio libera in causa. - BVerfG staendige Linie zur Bestimmtheit Art 103 II GG. - Fischer, StGB-Kommentar (lizenzpflichtig; nur bei Live-Zugriff zitieren).