--- name: dokumentenintake-forderungsportfolio description: "Dokumentenintake Forderungsportfolio: sortiert Dokumente, erkennt Lücken, ordnet Beweiswert und formuliert gezielte Rückfragen." --- # Dokumentenintake Forderungsportfolio ## Aktenstart statt Formularstart Wenn zu **Dokumentenintake Forderungsportfolio** bereits Unterlagen, ein Ordner, ein ZIP, ein PDF-Buendel, E-Mails, Screenshots, Tabellen oder Entwuerfe vorliegen, lies diese zuerst aus. Bilde fuer **Factoring Recht** eine Arbeitshypothese zu Beteiligten, Rolle des Nutzers, Verfahrensstand, Fristen, Betrags-/Datumslogik, Belegen und naechstem sinnvollen Output. Frage nicht routinemaessig nach Angaben, die sich aus der Akte ergeben. Starte dann mit einer knappen Rueckmeldung: ```text Ich habe aus der Akte vorlaeufig erkannt: [...] Unsicher sind noch: [...] Als naechsten Schritt schlage ich vor: [...] ``` Stelle danach hoechstens drei Rueckfragen und nur zu echten Luecken oder Widerspruechen. Wenn keine Akte vorliegt, bitte zuerst um Upload der wichtigsten Unterlagen statt ein langes Interview zu beginnen. ## Fachkern: Dokumentenintake Forderungsportfolio - **Normen-/Quellenanker:** BGB Forderungsabtretung, HGB, KWG/ZAG-Erlaubnisfragen, InsO-Anfechtung, Factoringvertrag, Debitorenmanagement, Datenschutz und Geldwäsche. - **Entscheidende Weiche:** Echtes/unechtes Factoring, Forderungsbestand, Abtretbarkeit, Einwendungen, Debitoreninformation, Insolvenzrisiko und Refinanzierung trennen. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Worum geht es konkret Vor jedem Forderungsankauf, vor jedem Portfolio-Audit und vor jeder Sonderprüfung steht der **Dokumentenintake**: das geordnete Einlesen, Strukturieren und Klassifizieren der Unterlagen, die der Kunde zur Verfügung stellt. Beim Mengen-Geschäft (mehrere Tausend Forderungen pro Monat) entscheidet die Qualität des Intake-Prozesses über die spätere Beweisbarkeit jeder einzelnen Forderung. Dieser Skill standardisiert den Intake: einheitliche Datenformate, Pflichtfelder pro Forderung, Belegklassifikation, Eingangskontrollen, automatisierte Plausibilitätschecks (Rechnungsnummer eindeutig, Lieferschein vorhanden, Betrag stimmig), DSGVO-Konformität. Ziel: kein Forderungsankauf ohne vollständigen Intake-Datensatz. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Sie nehmen ein neues Factoring-Mandat auf und bauen die Intake-Pipeline. - Bei einem bestehenden Kunden ändert sich das ERP-System, die Intake-Schnittstelle muss angepasst werden. - Im Portfolio-Verkauf brauchen Sie einen reproduzierbaren Intake-Standard für den Investor. - Im Streitfall fehlen plötzlich Belege – der Intake-Prozess muss nachvollziehbar dokumentiert sein. Fragen zum Einstieg: - Welches ERP nutzt der Kunde (SAP, DATEV, Sage, individuelle Lösung)? - Welche Schnittstellen sind möglich (DATEV-Export, CSV, REST-API, SAP-IDOC)? - Wie viele Forderungen pro Monat im Durchschnitt? - Welche Belegtypen sind nötig (Bestellung, AB, LS, Rechnung, Abnahme)? - Wie ist die Datenqualität historisch (Vollständigkeitsquote, Fehlerquote)? ## Rechtlicher Rahmen - **HGB §§ 238, 239**: Buchführungsgrundsätze – ordnungsgemäße Erfassung aller Geschäftsvorfälle. - **§ 257 HGB**: Aufbewahrungspflichten 6–10 Jahre, je nach Dokument. - **GoBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung in elektronischer Form)**: Unveränderbarkeit, Vollständigkeit, Nachvollziehbarkeit. - **§ 14 UStG**: Pflichtangaben einer Rechnung. - **DSGVO Art. 5, 6, 28, 32**: Datenverarbeitung im Intake. - **BGB § 666**: Auskunftspflicht im Geschäftsbesorgungsverhältnis. - **AO §§ 145, 147**: Steuerliche Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten. - **BSI IT-Grundschutz**: für sichere Intake-Pipelines (kein zwingendes Recht, aber Stand der Technik). ## / Schritt für Schritt 1. **Schnittstellen definieren**: ERP-Export, CSV-Schema, API-Endpoint mit Authentifizierung. 2. **Pflichtfelder festlegen**: Forderungs-ID, Debitor-ID, Rechnungsnummer, Rechnungsdatum, Fälligkeit, Betrag (netto/brutto/USt), Leistungszeitraum, Auftragsnummer. 3. **Belegtypen definieren**: Welche Dokumente müssen pro Forderung vorliegen? 4. **Plausibilitätschecks**: Doppelte Rechnungsnummern, Betragsdifferenzen Brutto/Netto, fehlende Lieferscheine, Datumssprünge. 5. **Eingangskontrolle**: Vier-Augen-Prinzip bei Großforderungen, Reklamationsbestand abgleichen. 6. **DSGVO-Compliance**: Daten in geschützter Umgebung, AVV mit IT-Hostern, Löschkonzept. 7. **Reporting**: Wöchentlicher Intake-Bericht mit Vollständigkeitsquote, Fehlerquote, Abweichungen. ## Trade-off-Matrix | Intake-Modus | Vorteil | Nachteil | |---|---|---| | Vollautomatisiert per API | Schnell, fehlerarm | Setup-Aufwand, ERP-abhängig | | CSV-Batch täglich | Robust, einfach | Verzögerung 24h | | Manuelle Einzelmeldung | Flexibel | Skaliert nicht | | Datenraum-Upload durch Kunden | Klar abgegrenzt | Setzt Kundendisziplin voraus | | Direkt-Anbindung ERP (Read-Only) | Aktuell, vollständig | Hohe IT-Anforderungen | ## Praxistipps - **Pflichtfelder hart durchsetzen**: Forderungen ohne komplette Belege werden nicht angekauft, sondern in "Pending"-Status gestellt. - **Doppelten Eingang verhindern**: Eindeutige Rechnungs-ID + Debitor-ID als Primärschlüssel. - **Eingangsbestätigung versenden**: Kunde erhält automatisierte Quittung mit Hash-Wert über das eingegangene Datenpaket. - **GoBD-Konformität sicherstellen**: Unveränderbarkeit der Originalbelege beweissicher dokumentieren. - **Versionierung**: Bei Rechnungskorrekturen alte und neue Version archivieren, Versionshistorie nachvollziehbar. ## Mustertexte **Klausel im Factoringvertrag (Intake-Pflichten Kunde)** "Der Kunde übermittelt jede zum Ankauf angebotene Forderung im definierten Datenformat (CSV nach Anlage 5) mit folgenden Pflichtfeldern: Forderungs-ID, Debitor-ID, Rechnungsnummer (eindeutig), Rechnungsdatum, Fälligkeitsdatum, Bruttobetrag, USt-Satz, Leistungszeitraum, Auftragsbestätigungs-ID. Zusätzlich übermittelt der Kunde die Belegkette (Bestellung, AB, Lieferschein, Rechnung, Abnahmebestätigung) als PDF/A im Datenraum. Forderungen ohne vollständige Belegkette werden nicht angekauft." **Datenformat-Spezifikation (Auszug)** ``` forderungs_id;debitor_id;rechnungsnummer;rechnungsdatum;faelligkeit;betrag_netto;ust_betrag;betrag_brutto;leistung_von;leistung_bis;auftrags_id F-2026-001;D-12345;R-2026-0089;2026-05-15;2026-06-15;10000,00;1900,00;11900,00;2026-05-01;2026-05-14;A-2026-0234 ``` **Eingangsquittung an Kunden (automatisiert)** "Sehr geehrte Damen und Herren, wir bestätigen den Eingang Ihrer Forderungsmeldung vom … mit folgenden Kennzahlen: Eingangsdatum/Uhrzeit, Anzahl Forderungen …, Gesamtvolumen … EUR, Hash-Wert SHA-256 … . Plausibilitätsprüfung läuft, Sie erhalten innerhalb von zwei Werktagen Rückmeldung. Forderungen, die Plausibilitätskriterien nicht erfüllen, werden separat ausgewiesen." ## Typische Fehler - Intake ohne Pflichtfelder-Disziplin – Forderungen ohne Belege werden angekauft. - Doppelte Rechnungsnummern unentdeckt – führt zu Streit über tatsächlich angekaufte Forderungen. - GoBD-Verstoß durch nachträgliche Veränderung der Originalbelege. - Eingangsquittung fehlt – Streit über Datum und Inhalt der Meldung. - DSGVO-Compliance unklar – Datenexporte ungeschützt. ## Quellen Stand 06/2026 - HGB §§ 238, 239, 257 zu Buchführung und Aufbewahrung. - AO §§ 145, 147 zu steuerlichen Aufzeichnungspflichten. - GoBD-Schreiben des BMF in aktueller Fassung. - DSGVO Art. 5, 6, 28, 32 zur Datenverarbeitung. - UStG § 14 zu Rechnungsanforderungen.