--- name: china-de-risking-nicht-strategie description: "Operative Umsetzung der EU/Bundesregierungs-De-risking-Strategie: Abgrenzung De-risking vs. Decoupling, Risikoklassifizierung von Lieferanten und Technologien nach Kritikalitäts-Score, AWG/AWV-Sektorenliste, Diversifizierungsfahrplan. Output: De-risking-Fahrplan mit Priorisierungsmatrix und Resso..." --- # De-risking statt Decoupling: Strategie und operative Umsetzung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: De-risking statt Decoupling: Strategie und operative Umsetzung - **Normen-/Quellenanker:** AWG/AWV, EU-Dual-Use, Sanktionen, Zoll/USt, Incoterms, Lieferkette/LkSG/CSDDD, IP-/Know-how-Schutz, Datenschutz/Cybersecurity und lokale China-Compliance live prüfen. - **Entscheidende Weiche:** Ordne Lieferant, Werk, Datenfluss, Zahlungsweg, Exportgut, politisches Risiko, IP-Leck und Exit-Szenario getrennt. Dieser Skill begleitet Mandanten und Berater im Wirtschaftsverkehr mit der Volksrepublik China. Ausgangspunkt ist der konkrete Mandantenfall; Ergebnis ist stets ein verwertbares Arbeitsprodukt. ## Mandantenfall **Fall 1:** Ein DAX-Konzern will seiner China-Geschaeftsstrategie eine formal belastbare De-risking-Dokumentation geben, die Investoren und Aufsichtsrat überzeugt. **Fall 2:** Ein Mittelständler fragt, welche seiner China-Lieferanten echte Risiken darstellen und welche unbedenklich weiterlaufen können. **Fall 3:** Eine Anwaltskanzlei erarbeitet Compliance-Memo zu De-risking für drei Industriemandanten in unterschiedlichen Sektoren. ## Erste Schritte 1. Begriffe klären: De-risking (selektive Risikominderung) vs. Decoupling (Totalentkopplung) nach EU-Kommissionsterminologie. 2. Risikomatrix erstellen: Abhängigkeitsgrad, Substituierbarkeit, sicherheitspolitische Sensitivität je Lieferant/Technologie. 3. Kritikalitätssektoren gemäß AWV-Anlage und KRITIS-Definition des BSI abgleichen. 4. Bestehende JV- und Lieferverträge auf Change-of-Control und Kündigungsklauseln prüfen. 5. De-risking-Fahrplan mit Zeithorizonten 1/3/5 Jahre erstellen. 6. Board-Paper-Vorlage erstellen mit Risiko-Ampel, Maßnahmenplan und KPIs. ## Rechtsrahmen Verbindliches Recht und anerkannte Soft-Law-Quellen für diesen Skill: - EU-Kommission Mitteilung 'Ein fairer und nachhaltiger Wirtschaftsansatz gegenüber China' 2023: Konzept De-risking. - § 55 AWG: Ermächtigungsgrundlage für Beschränkungen im nationalen Sicherheitsinteresse. - §§ 55-62a AWV: Sektorale Zuständigkeiten und Untersagungsvoraussetzungen. - Critical Raw Materials Act (EU) 2024 VO: Diversifizierungspflichten für kritische Rohstoffe. - EU-VO 2019/452 Art. 4: FDI-Screening-Kriterien als Risikoindikatoren. - § 4 LkSG: Risikomanagement-System als Referenzrahmen für De-risking-Dokumentation. Quellen sind getrennt nach deutschem Recht, EU-Recht und chinesischem Recht zu handhaben. Bei Widersprüchen gilt: Verbindliches Recht geht Soft Law vor; aktueller Stand ist zu prüfen. ## Prüfraster Schritt für Schritt abzuarbeiten, Ergebnisse dokumentieren: - Welche Produkte/Technologien haben keinen außerchinesischen Substituten? - Welche Lieferanten sind staatsnah oder unter SAMR-Kontrolle? - Welcher Anteil des Umsatzes hängt von einem einzigen chinesischen Abnehmer ab? - Bestehen Transferverpflichtungen für Technologie in JV-Verträgen? - Sind kritische Rohstoffe (Seltene Erden, Gallium, Germanium) involviert? - Wie ist der Zeithorizont für Alternativbeschaffung realistisch einzuschätzen? ## Typische Fallstricke Aus der Beratungspraxis: Diese Fehler sollten aktiv vermieden werden. - De-risking als Alibi: Rein kosmetische Maßnahmen ohne operative Wirkung schaffen Haftungsrisiken. - Überregulierung unterschätzt: Zu schnelles Decoupling kann bestehende Verträge brechen und Schadenersatzpflichten auslösen. - Rohstoffketten ignoriert: Tier-2/Tier-3-Abhängigkeiten werden erst sichtbar, wenn Krise eintritt. ## Gegenposition Folgende Gegenargumente sind im Mandantengespräch zu adressieren: - Behörde (BMWK/BAFA): Behältst du den Ermessensspielraum der Behörde im Blick? - Vertragspartner China: Welche Interessen und Risikobewertungen hat die chinesische Seite? - Investoren/Aufsichtsrat: Sind ESG- und Menschenrechts-Anforderungen berücksichtigt? - Compliance: Wurde auf Exportkontroll- und Sanktions-Risiken geprüft? ## Quellen Nur frei prüfbare Quellen aus erlaubten Domains. Rechtsprechung nur mit Gericht und Datum. - [BMWK China-Strategie 2023](https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Aussenwirtschaft/china-strategie.html) - [AWG Volltext](https://www.gesetze-im-internet.de/awg_2013/) - [AWV Volltext](https://www.gesetze-im-internet.de/awv_2013/) - [EU-VO 2019/452 EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019R0452) - [LkSG Volltext](https://www.gesetze-im-internet.de/lksg/)