--- name: beihilfen-beweislast-und-darlegungslast description: "Beihilfen: Beweislast, Darlegungslast und Substantiierung im Plugin forschungszulage antragstellung im Forschungszulage." --- # Beihilfen: Beweislast, Darlegungslast und Substantiierung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: FZulG § 5 Antrag nach Ablauf des Wirtschaftsjahres, 4-jährige Festsetzungsverjährung, BSFZ-Bescheinigung Voraussetzung, Anrechnung beim FA. - Tragende Normen verifizieren: FZulG §§ 1-12, BsGav Forschungszulagen-Verordnung, EStG, KStG, GewStG (Anrechnung), EU-AGVO (VO 651/2014), Frascati-Handbuch, BSFZ-Richtlinien — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Anspruchsberechtigtes Unternehmen, Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ), Finanzamt (Festsetzung/Verrechnung), Wirtschaftsprüfer/Steuerberater. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: BSFZ-Antrag, FuE-Projektbeschreibung, Personalstundenaufzeichnung, Auftragsforschungsvertrag, FA-Antrag auf Forschungszulage, BSFZ-Bescheinigung, FA-Bescheid — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Spezialwissen: Beihilfen: Beweislast, Darlegungslast und Substantiierung - **Normen-/Quellenanker:** FZulG, BSFZ. ## Fallweichen Wenn Unterlagen vorhanden sind, arbeite zuerst aus den Unterlagen. Stelle nur Rückfragen, die die nächste Weiche verändern: 1. Welche Rolle hat die fragende Person und wer ist Gegenüber? 2. Welches konkrete Ziel soll erreicht oder verhindert werden? 3. Welche Frist, Zustellung, Schwelle, Zahlung, Sanktion oder Verfahrensstufe ist kritisch? 4. Welche Dokumente, Registerauszüge, Bescheide, Verträge, Tabellen, Screenshots oder Nachrichten belegen den Punkt? 5. Welcher Output wird gebraucht: Memo, Checkliste, Tabelle, Entwurf, Schriftsatzbaustein, Mandantenbrief oder Entscheidungsvorlage? ## Arbeitsworkflow 1. **Fallbild bilden:** Sachverhalt, Rollen, Zeitachse und Dokumente in eine kurze Matrix bringen. 2. **Rechtsrahmen setzen:** Normen, Zuständigkeiten, Fristen, Formfragen und Verfahrensstand zum Themenfeld **Beihilfen** prüfen. 3. **Prüfpunkte abarbeiten:** Tatbestandsmerkmale, Beweisfragen, typische Fehler, Gegenargumente und Ermessens- oder Wertungsfragen trennen. 4. **Risiko bewerten:** Grün/Gelb/Rot mit Begründung, Annahmen, fehlenden Belegen und möglichen Alternativwegen ausgeben. 5. **Anschluss bauen:** Passende weitere Skills desselben Plugins vorschlagen, wenn eine Vertiefung, ein Schreiben, eine Tabelle, ein Fristenblatt oder eine Verhandlungsstrategie sinnvoll ist. ## Beihilferechtlicher Rahmen FZulG - Die Forschungszulage ist eine staatliche Beihilfe nach Art. 107 AEUV, die unter die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung (EU) 651/2014 (AGVO), Artikel 25 fällt: "Beihilfen für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben". - Bei Kumulierung mit anderen staatlichen Beihilfen (Bundes-/Landes-Förderungen, EU-Mittel) sind die Höchstintensitäten nach AGVO Art. 25 Abs. 5-7 einzuhalten: | FuE-Phase | Höchstintensität (AGVO Art. 25 Abs. 5) | KMU-Bonus | |---|---|---| | Grundlagenforschung | 100 % | - | | Industrielle Forschung | 50 % | + 10 % mittlere Unternehmen, + 20 % Kleinunternehmen | | Experimentelle Entwicklung | 25 % | + 10 % mittlere, + 20 % Kleinunternehmen | | Durchführbarkeitsstudien | 50 % | + 10 % mittlere, + 20 % Kleinunternehmen | ## Norm-Bezug konkret - Art. 107, 108 AEUV: Beihilferahmen. - AGVO (EU) 651/2014, Art. 25, 28: Vereinbarkeit FuE-Beihilfen / Beihilfen für KMU. - § 1 Abs. 1 FZulG: Vereinbarkeit mit AGVO als Grundvoraussetzung. - De-minimis-Verordnung (EU) 2023/2831: irrelevant für FZulG (FZulG fällt unter AGVO, nicht unter De-minimis). - VO (EU) 1407/2013 (alt) bzw. neue De-minimis-VO: nur für Kumulierung mit De-minimis-Beihilfen relevant. ## Darlegungslast bei Kumulierung | Punkt | Wer trägt Darlegungslast | |---|---| | Höchstintensität eingehalten | Steuerpflichtiger (Antragsteller) | | KMU-Status | Steuerpflichtiger | | Konzernzugehörigkeit / verbundene Unternehmen | Steuerpflichtiger | | Andere Förderungen für dasselbe Vorhaben | Steuerpflichtiger | | Abgrenzung Förder-fähig / nicht förder-fähig | Steuerpflichtiger; Finanzamt prüft | ## Praktischer Tipp - **Kumulierungstabelle führen**: pro Vorhaben alle staatlichen Beihilfen mit Quellangabe, Betrag, Förderintensität. Spätestens bei Außenprüfung wird das verlangt. - **Pflichtangaben im FZulG-Antrag** zu anderweitigen Förderungen: § 9 FZulG verlangt vollständige Offenlegung; Verschweigen führt nicht nur zur Rückforderung der FZulG, sondern kann beihilferechtliche Konsequenzen nach Art. 108 AEUV haben (Rückforderung mit Zinsen). - **Konzernsicht**: AGVO-Höchstintensitäten gelten konzernweit für verbundene Unternehmen i.S.v. Anhang I AGVO. Mutter und FuE-Tochter sind regelmäßig zusammen zu betrachten. ## Beispiel-Kumulierungsrechnung > FuE-Vorhaben "X" (experimentelle Entwicklung, Höchstintensität 25 % + 10 % mittlere Unternehmen = 35 %) > Gesamte förderfähige Kosten: 1.000.000 EUR > Maximale Beihilfe: 350.000 EUR > > Bereits bewilligt: > - ZIM-Zuschuss BMWK: 200.000 EUR (20 %) > - FZulG (geplant) bei BMG 800.000 EUR × 35 % KMU: 280.000 EUR (28 %) > > Summe: 480.000 EUR / 1.000.000 EUR = 48 % - Überschreitung! > > Maßnahme: FZulG-Bemessungsgrundlage reduzieren auf BMG (350.000 - 200.000) / 0,35 = 428.571 EUR, sodass Kumulierung bei 350.000 EUR und damit Höchstintensität 35 % bleibt. ## Typische Fehler - Anderweitige Förderung im FZulG-Antrag nicht angegeben - Verstoß gegen § 9 FZulG, Rückforderungsrisiko. - AGVO-Höchstintensität konzernweit nicht aggregiert; bei Tochter-Förderung Mutter-Förderung übersehen. - "De-minimis" mit AGVO-Förderung verwechselt; FZulG fällt grundsätzlich nicht unter De-minimis.