--- name: dokumentationspaket-betriebspruefung description: "Dokumentationspaket Forschungszulage prüfungsfest aufbauen: Projektakte mit BSFZ-Antrag und Bescheid, Stundenaufzeichnung je Mitarbeiter Tag Vorhaben, Personalkostenbeleg aus Lohnabrechnung, Auftragsforschungsbeleg mit Vertrag und Rechnung, GoBD-Logik. Mit Spaltenstruktur, 10-Jahres-Aufbewahrung..." --- # Dokumentationspaket für Außenprüfung ## Worum geht es Die Forschungszulage wird auf Antrag festgesetzt; sie steht aber unter dem ständigen Risiko einer Außenprüfung beim Finanzamt. Wer die Belege erst bei Prüfungsankündigung zusammensucht, verliert Diskussionen. Dieser Skill liefert das prüfungsfeste Belegset, die Stundenaufzeichnungslogik, die GoBD-konforme Ablage und die Stichprobenstrategie. ## Wann dieses Modul hilft - Beim Erstantrag, parallel zur BSFZ-Vorbereitung. - Bei jeder Folge-Beantragung. - Bei Ankündigung einer Außenprüfung (idealerweise nicht erst dann). - Bei Übernahme eines Mandats mit Forschungszulage-Vergangenheit. ## Sachrahmen — was wirklich geprüft wird - **FuE-Eigenschaft:** durch BSFZ-Bescheinigung bindend bestätigt; die Außenprüfung prüft sie nicht erneut, kann aber die Konsistenz Projektakte zur BSFZ-Bescheinigung hinterfragen. - **Personalkosten:** Höhe je Mitarbeiter und Wirtschaftsjahr, Lohnabrechnung, SV-Beiträge. - **Stundenzuordnung:** wer hat an welchem Tag wie viele Stunden auf welches Vorhaben gebucht? Plausibilität gegen Urlaub, Krankheit, Schulungen. - **Auftragsforschung:** Vertrag, Leistungsbeschreibung, Rechnung, Zahlung, EU/EWR-Ansässigkeit. - **Eigenleistung:** Stundenaufzeichnung des Einzelunternehmers, 40-Stunden-Cap eingehalten. - **Wirtschaftsgüter:** Zuordnungsnachweis zu FuE, AfA-Plan. - **Kumulierung:** AGVO-Höchstintensität nicht überschritten, weitere Förderungen offen gelegt. ## Praxisleitfaden — die vier Belege, die das Finanzamt sehen will ### 1. Projektakte - BSFZ-Antrag (PDF) + BSFZ-Bescheinigung mit Aktenzeichen. - Projektsteckbrief: Titel, Zeitraum, Ziele, Arbeitspakete, Personenzuordnung. - Stand der Technik mit Quellen. - Meilensteinberichte oder Sprint-Reviews. - Negative Versuchsergebnisse — diese sind FuE-typisch und entkräften den "Routine"-Vorwurf. ### 2. Stundenaufzeichnung (Mitarbeiter × Tag × Vorhaben) Pflichtspalten: | Datum | Mitarbeiter | Vorhaben/AP | Stunden | Tätigkeit (FuE-konkret) | Modus | Auftrag/Eigen | | --- | --- | --- | --- | --- | --- | --- | | 12.03.2026 | M. Müller | V-1 / AP-2 | 6.5 | Aufbau Messreihe Variante A, Kalibrierung | FuE | Eigen | | 12.03.2026 | M. Müller | Service | 1.5 | Wartung Bestandsanlage | Routine | N | - Wichtig: **Auftragnehmer-Auftraggeber-Trennung** bei Auftragsforschung. Wer als Auftragnehmer FuE leistet, dokumentiert separat. - Mögliche Tools: Excel-Vorlage, Jira/Asana-Export mit angepassten Feldern, vollwertiges Zeiterfassungssystem (z. B. Personio, atvise, ZEP). - Tagesgenaue Aufzeichnung schlägt monatliche Pauschalbuchung deutlich. ### 3. Personalkostenbeleg pro Mitarbeiter - Jahreslohnkonto. - Aufstellung Bruttolohn + Arbeitgeber-SV + Altersvorsorge. - Berechnung des FuE-Anteils aus Stundenaufzeichnung (Quersumme). - Tätigkeitsbeschreibung der Stelle (Stellenausschreibung, Stellenbeschreibung). ### 4. Auftragsforschungsbeleg - Vertrag mit klarer Leistungsbeschreibung (FuE-Vorhaben benannt, Arbeitspakete, Vergütung). - Rechnungen mit Bezug zum Vertrag. - Zahlungsnachweis. - Sitznachweis des Auftragnehmers (Handelsregisterauszug, Bestätigung EU/EWR). - Bei Wissenschaftseinrichtung: Bestätigung des Status. ## Aufbewahrung 10 Jahre — GoBD-Logik - Belege elektronisch, unveränderlich, geordnet. - Verfahrensdokumentation (Wer hat wann wie gebucht? Welche Tools? Welche Korrekturlogik?). - Schreibschutz für abgeschlossene Wirtschaftsjahre. - Backup-Konzept. - Aufbewahrungsdauer 10 Jahre — orientiert an GoBD und § 147 AO; vom Antragsteller mit konkreter Vorschrift abzugleichen. ## Trade-off-Matrix | Trade-off | Pfad A | Pfad B | Empfehlung | | --- | --- | --- | --- | | Excel-Vorlage vs. Tool | niedrige Kosten, hoher Pflegeaufwand | hohe Kosten, automatisierte Belege | Tool ab ca. 5 FuE-Mitarbeitern | | Tagesgenau vs. wochenpauschal | sicher, höherer Aufwand | weniger Aufwand, Prüfungsrisiko | tagesgenau | | Verbale Tätigkeit vs. AP-Code | knapp, schwer prüfbar | klar, höhere Erfassung | AP-Code plus zwei bis drei Stichworte | | Berater-gepflegte Akte vs. Inhouse | externer Aufwand | eigenes Personal | Inhouse für Stundenaufzeichnung, Berater für Akte | ## Schritt für Schritt — das Paket aufbauen 1. Stundenaufzeichnungs-Tool wählen, Pflichtspalten konfigurieren. 2. Mitarbeiter schulen: Tagesbuchung, AP-Code, Tätigkeitstext. 3. Projektakte als Master-Verzeichnis anlegen (z. B. Sharepoint, Confluence, Dateiablage mit Schreibschutz). 4. Quartalsweise Personalkosten je Mitarbeiter rechnen und der Projektakte beilegen. 5. Auftragsforschungsverträge zentral ablegen, Rechnungen verknüpfen. 6. Wirtschaftsgüter mit Zuordnungsnachweis im AfA-Plan ergänzen. 7. AGVO-Kumulierungsblatt parallel pflegen (siehe `fz-kumulierung-beihilfen-agvo`). 8. Verfahrensdokumentation in einem zentralen Memo festhalten. ## Stichprobenstrategie für die Außenprüfung - Selber zwei bis drei Stichprobentage je Mitarbeiter und Wirtschaftsjahr durchgehen: gibt es Konsistenz Stundenaufzeichnung — Projektakte — Personalkosten? - Bei Differenzen: nachbessern und im Memo dokumentieren. - Krankheits- und Urlaubstage gegen die Personalakte abgleichen. - Externe Belege (Auftragsforschungsrechnungen) stichprobenweise dem Vertrag zuordnen. ## Mustertexte / Vorlagen **Inhaltsverzeichnis Prüfermappe:** ``` 0. Verfahrensdokumentation 1. Projektakte je Vorhaben 1.1 Projektsteckbrief 1.2 BSFZ-Antrag und Bescheinigung 1.3 Arbeitspakete und Meilensteine 1.4 Versuchsberichte und Ergebnisse 1.5 Quellenverzeichnis Stand der Technik 2. Zeit- und Personalkosten 2.1 Stundenaufzeichnung Mitarbeiter A 2.2 ... 2.x Personalkosten je Mitarbeiter 3. Auftragsforschung 3.1 Verträge 3.2 Rechnungen 3.3 Zahlungsnachweise 3.4 EU/EWR-Bestätigung 4. Wirtschaftsgüter 4.1 AfA-Plan 4.2 Zuordnungsnachweise 5. Gemein- und Betriebskostenpauschale (sofern einschlägig) 6. Andere Förderungen / AGVO-Kumulierungsblatt 7. Finanzamt-Antrag und Bescheide 8. Korrespondenz BSFZ und Finanzamt ``` **Plausibilitätscheck Stundenaufzeichnung:** | Mitarbeiter | Soll-Stunden | Ist-Stunden | FuE-Stunden | FuE-Anteil | Plausibilität | | --- | --- | --- | --- | --- | --- | | M. Müller | 1.760 | 1.745 | 1.222 | 70 Prozent | konsistent | ## Typische Fehler - Stundenaufzeichnung erst nachträglich erstellt — verliert vor jeder Außenprüfung an Glaubwürdigkeit. - Tätigkeitstexte zu generisch ("FuE", "Forschung"). - Auftragsforschungs-Rechnungen ohne Vertragsbezug. - Wirtschaftsgüter ohne Zuordnungsnachweis. - AGVO-Kumulierungsblatt fehlt. - Verfahrensdokumentation fehlt. ## Normenanker Arbeitsfokus: **Dokumentationspaket für Außenprüfung**. Prüfe diese Anker am Sachverhalt; ergänze nur Normen, die denselben Output, dieselbe Frist oder dieselbe Beweisfrage tragen: - `§ 1 FZulG` — Anspruchsberechtigung. - `§ 2 Abs. 1 FZulG` — begünstigtes F&E-Vorhaben. - `§ 3 FZulG` — förderfähige Aufwendungen. - `§ 4 FZulG` — Höhe der Zulage. - `§ 5 FZulG` — Antrag. - `§ 6 FZulG` — Bescheinigung. - `§ 10 FZulG` — Festsetzung/Auszahlung. - `§ 90 Abs. 1 AO` — Mitwirkung und Belege. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Quellen Stand 05/2026 - § 147 AO (Aufbewahrungspflichten). - GoBD-Grundsätze (BMF-Schreiben, vom Antragsteller mit aktueller Fassung zu prüfen). - FZulG (Belegpflichten). - `references/forschungszulage-quellen-und-zahlen.md`.