--- name: foerdercheck-kaltstart description: "Schneller Fördercheck Forschungszulage in zehn Minuten: Anspruchsberechtigung, FuE-Kategorie nach Frascati, KMU-Status, Personalkosten-Schwelle, Projektjahre, Kostenarten, BSFZ-/Finanzamt-Status, Kumulierung, Ausschlussrisiken und realistische Sofortpotenzialschätzung. Liefert Ampelschema und Emp..." --- # Fördercheck Kaltstart ## Aktenstart statt Formularstart Wenn zu **Foerdercheck Kaltstart** bereits Unterlagen, ein Ordner, ein ZIP, ein PDF-Buendel, E-Mails, Screenshots, Tabellen oder Entwuerfe vorliegen, lies diese zuerst aus. Bilde fuer **Forschungszulage Antragstellung** eine Arbeitshypothese zu Beteiligten, Rolle des Nutzers, Verfahrensstand, Fristen, Betrags-/Datumslogik, Belegen und naechstem sinnvollen Output. Frage nicht routinemaessig nach Angaben, die sich aus der Akte ergeben. Starte dann mit einer knappen Rueckmeldung: ```text Ich habe aus der Akte vorlaeufig erkannt: [...] Unsicher sind noch: [...] Als naechsten Schritt schlage ich vor: [...] ``` Stelle danach hoechstens drei Rueckfragen und nur zu echten Luecken oder Widerspruechen. Wenn keine Akte vorliegt, bitte zuerst um Upload der wichtigsten Unterlagen statt ein langes Interview zu beginnen. ## Worum geht es Vor jedem FZulG-Antrag steht eine Wirtschaftlichkeitsfrage: lohnt der Aufwand für BSFZ-Antrag, Stundenerfassung, Personalkostenrechnung und Finanzamt-Antrag? Dieser Skill liefert nach maximal zehn Minuten eine belastbare Erstaussage als Ampel und benennt den nächsten Arbeitsblock. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen Sie nutzen `fz-foerdercheck-kaltstart`: - Erstkontakt mit einem potenziellen Antragsteller. - Sanity-Check vor BSFZ-Investition. - Re-Assessment, wenn Vorjahr abgelehnt wurde. - Vor Mandatszusage, um Honorarmodell und Erwartung zu kalibrieren. ## 7-Fragen-Diagnose 1. **FuE nach Frascati?** Neuheit, Schöpferisch, Ungewisses Ergebnis, Systematisch, Übertragbar/Reproduzierbar. Mindestens drei der fünf Kriterien tragend? 2. **Personaleinsatz** für FuE-Vorhaben: wie viele Mitarbeiter, welche Anteile, welche Bruttogehälter? 3. **Auftragsforschung** mit Externen? In EU/EWR? Vertrag oder nur Bestellung? 4. **KMU-Status** nach EU-Definition (Mitarbeiterzahl, Umsatz, Bilanzsumme — vom Antragsteller mit Empfehlung 2003/361/EG zu prüfen)? 5. **Jahresumsatz** und steuerliche Situation: Gewinn, Verlust, Holding-Struktur? 6. **Verlustsituation** aktuell und für die nächsten zwei Jahre? 7. **Antragshistorie:** schon einmal BSFZ-Antrag gestellt, Bescheinigung erhalten, Finanzamt-Antrag gestellt? ## Praxisleitfaden ### Faustregel Wirtschaftlichkeit - FuE-Personalkosten gering: nicht automatisch verwerfen. Schlank prüfen, ob Stunden ohnehin vorhanden sind und ob mehrere verwandte Vorhaben zusammen eine saubere Förderstory ergeben. - Mittlerer Jahresaufwand: regulären BSFZ-Antrag mit sauberer Stundenerfassung aufsetzen; Aufwand und Honorarmodell aber immer gegen die erwartete Förderung spiegeln. - Über 500k Euro/Jahr: Mehrjahresstrategie, Roadmap aufsetzen (`fz-roadmap-mehrjahresantrag`). ### BSFZ-Trigger als rote Flaggen im Vorhaben Wenn der Mandant nur folgendes liefert, ist das Vorhaben aus BSFZ-Sicht nicht förderfähig: - "Innovative Plattform" ohne klare technische Aufgabe. - "KI-basiert" ohne konkretes ML-Modell, Trainingsproblem, Datengrundlage. - "Industrie 4.0" als Schlagwort, ohne neuartiges Steuerungs-/Sensorproblem. - "ERP-Anpassung" oder "Customizing" einer bekannten Software. - Lastenheft mit Anforderungsliste statt Beschreibung des technischen Problems. ### Schnelltests für die Ampel - **Grün:** echtes technisches Problem, dokumentiertes Risiko, eigener Personaleinsatz, Stundenerfassung machbar, kein AGVO-Konflikt. - **Gelb:** FuE plausibel, aber Belege fehlen; Auftragsforschungsanteil hoch; KMU-Status unklar; alte Wirtschaftsjahre offen. - **Rot:** reines Customizing, Routine, Auftragsforschung außerhalb EU/EWR, alle Förderquellen schon ausgeschöpft. ## Trade-off-Matrix | Trade-off | Pfad A | Pfad B | Empfehlung | | --- | --- | --- | --- | | Jetzt Antrag vs. Quartal warten | sofort BSFZ stellen | warten auf neues Personal/Klarheit | sofort, wenn Vorhaben technisch klar | | Ein Vorhaben vs. Bündel | nur das stärkste Projekt | mehrere Projekte in einem Antrag | Bündel, wenn technisch zusammenhängend | | Eigen- vs. Auftragsforschung | nur Eigen (BMG 100 Prozent) | Auftrag (BMG 70 Prozent) | Mix bewusst kalkulieren | | Antrag selbst vs. Berater | Inhouse | Spezialberater | Berater bei Erstantrag und über 500k Euro BMG | ## Schritt für Schritt 1. 7-Fragen-Diagnose mit Mandanten in 15 Minuten durchgehen. 2. FuE-Personalkosten grob schätzen (Köpfe × Bruttogehalt × FuE-Anteil). 3. Bemessungsgrundlage abschätzen: Eigenpersonal + 70 Prozent Auftrag + Eigenleistung + 20 Prozent Pauschale. 4. Fördersumme schätzen: BMG × 25 Prozent (KMU eventuell 35 Prozent — Voraussetzungen prüfen). 5. Engpass benennen: BSFZ-Text, Stundenerfassung, Auftragsforschung, AGVO-Kumulierung. 6. Ampel setzen. Bei Grün direkt zu `fz-bsfz-bescheinigung-projektbeschreibung`. Bei Gelb zu `fz-fue-definition-frascati-abgrenzung`. Bei Rot Mandanten ehrlich beraten. ## Mustertexte **Kurzbild-Email an Mandant (Vorlage):** "Sehr geehrte/r [Name], auf Basis Ihrer Angaben ([Vorhaben], [FuE-Personalkosten ca. X Euro/Jahr], [BSFZ-Antrag noch nicht gestellt]) sehen wir die Forschungszulage als [grün/gelb/rot]. Die geschätzte Förderung liegt bei [Y Euro/Jahr] über [Z Jahre]. Nächster Schritt ist [BSFZ-Projektbeschreibung / Stundenerfassung / Klärung KMU-Status]. Fristkritisch ist [Wirtschaftsjahr/Festsetzungsfrist]." **Ampel-Tabelle für Memo:** | Kriterium | Status | Begründung | | --- | --- | --- | | FuE-Eigenschaft | grün/gelb/rot | konkretes technisches Problem? | | Personalkosten | grün/gelb/rot | wirtschaftlich genug oder schlanker Antrag? | | KMU | grün/gelb/rot | unter/über 250 Mitarbeiter, 50 Mio. Euro Umsatz? | | Kumulierung | grün/gelb/rot | andere Förderungen? AGVO-Reserve? | | Dokumentation | grün/gelb/rot | Stundenerfassung vorhanden? | ## Typische Fehler - Mandant beschreibt nur das Produkt und nicht das technische Problem. - Auftragsforschungsanteil wird übersehen — 70-Prozent-Kürzung kostet Förderung. - Eigenleistung des Geschäftsführers nicht berücksichtigt. - BMG wird nur grob geschätzt, ohne Personalkostenformel. - Kumulierung mit ZIM/BMBF wird vergessen, später AGVO-Konflikt. - KMU-Status pauschal angenommen, ohne Schwellenprüfung über die EU-Definition. - Antragshistorie nicht abgefragt — Vorablehnungen vergiften die Folgeanträge. - Rückwirkende Jahre vergessen, obwohl Belege noch greifbar wären. ## Praxis-Trick — die fünf Fragen für die Eingangs-Email Wenn ein Interessent meldet "wir wollen Forschungszulage", reichen diese fünf Fragen für eine Erstantwort innerhalb einer halben Stunde: 1. "Welches konkrete technische Problem wollen Sie lösen, das mit bekannten Verfahren nicht lösbar ist?" 2. "Wie viele Mitarbeiter arbeiten daran, und welcher Bruttoaufwand pro Jahr entsteht für diese FuE-Tätigkeit?" 3. "Haben Sie für dieses Vorhaben bereits andere Förderungen erhalten oder beantragt (ZIM, BMBF, Land, EU, Bayern Innovativ etc.)?" 4. "Sind Sie KMU im Sinne der EU-Definition (Mitarbeiter, Umsatz, Bilanzsumme)?" 5. "Welche Wirtschaftsjahre sind betroffen, und wie steht es um die Stundenaufzeichnung Ihrer FuE-Mitarbeiter?" Die Antworten geben in Verbindung mit der 7-Fragen-Diagnose oben ein belastbares Bild. ## Normenanker Arbeitsfokus: **Fördercheck Kaltstart**. Prüfe diese Anker am Sachverhalt; ergänze nur Normen, die denselben Output, dieselbe Frist oder dieselbe Beweisfrage tragen: - `§ 1 FZulG` — Anspruchsberechtigung. - `§ 2 Abs. 1 FZulG` — begünstigtes F&E-Vorhaben. - `§ 3 FZulG` — förderfähige Aufwendungen. - `§ 4 FZulG` — Höhe der Zulage. - `§ 5 FZulG` — Antrag. - `§ 6 FZulG` — Bescheinigung. - `§ 10 FZulG` — Festsetzung/Auszahlung. - `§ 90 Abs. 1 AO` — Mitwirkung und Belege. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Quellen Stand 05/2026 - FZulG: https://www.gesetze-im-internet.de/fzulg/ - BSFZ Antragsverfahren: https://www.bescheinigung-forschungszulage.de/antragsverfahren/ueber-das-antragsverfahren - KMU-Definition Empfehlung 2003/361/EG (vom Antragsteller live zu prüfen) - `references/forschungszulage-quellen-und-zahlen.md`