--- name: liquiditaet-12-monate description: "Liquiditaet 12 Monate: ordnet Normen, Nutzerangaben, Fristen, Belege und verifizierte Rechtsprechung zu einer belastbaren Prüfung im Fortbestehensprognose." --- # Zwölf-Monats-Liquidität ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: IDW S 11 12-Monats-Prognose ab Stichtag, § 15a InsO 6 Wochen bei Überschuldung, Drei-Wochen-Liquiditätsstockungs-Test, jährliche Aktualisierung. - Tragende Normen verifizieren: InsO § 19 Abs. 2 (zweistufige Prüfung), IDW S 11 (Anforderungen), IDW PS 800, HGB § 252 Abs. 1 Nr. 2 (Going Concern), BGH II ZR 296/05 (Drei-Wochen-Lücke), StaRUG §§ 1, 102 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Geschäftsführer, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Restrukturierungsberater, IV (falls beauftragt), Bank, Gesellschafter. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Fortbestehensprognose-Bericht, Integrierte Planung (P&L, BS, CF) 12+ Monate, Stresstest-Szenarien, Sanierungskonzept IDW S 6, Sanierungsgutachten, GF-Erklärung — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Drei Schichten ### Schicht 1 — Monatliche Liquiditätsplanung Aus den Annahmen aus `annahmen-sammeln-fortfuehrung` plus Plausibilisierung: ```yaml liquiditaet: startbestand-2026-05-20: 18000 kreditlinie-verfuegbar: 12000 # Linie 150000 minus 138000 ausgenutzt monatsdaten: - monat: 2026-06 einzahlungen: forderungen-laul: 185000 gesellschafter-darlehen: 0 sonstige: 0 summe: 185000 auszahlungen: lieferanten: 130000 loehne-gehaelter: 78000 sozialabgaben: 24000 steuern: 14000 bank-tilgung: 8000 miete: 6000 energie: 9000 sonstige: 5000 summe: 274000 saldo-monat: -89000 monatsendbestand: -71000 # negativ — Linie reicht nicht bemerkung: Liquiditätslücke ``` ### Schicht 2 — Detaillierte Wochenplanung Bei kritischen Phasen (Monaten mit knapp positivem Saldo oder negativem Endbestand) muss die Wochenplanung herangezogen werden: - Rechtsprechung live prüfen: Keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über amtliche oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Plugin `liquiditaetsplanung` enthält die wochenbasierten Vorlagen. ### Schicht 3 — Sensitivitätsszenarien Drei Szenarien aus `annahmen-belastbarkeit-plausibilisieren` werden in der Liquidität durchgerechnet: - **Basis-Szenario** — Plan - **Negativ-Szenario** — ambitionierte Annahmen reduziert - **Stress-Szenario** — Top-Kunde weg Bei jedem Szenario die monatlichen Salden über die zwölf Monate. ## Prüfkriterien ### Pro Monat - **Monatsendbestand mindestens null** (besser kein voll ausgenutzter Kontokorrent). - **Keine roten Monate** im Plan. ### Über den Horizont - **Steigender Trend** oder Stabilisierung der Liquidität. - **Wesentliche Risikoposten** identifiziert. - **Maßnahmenoptionen** bei Risiko-Eintritt vorhanden. ### Bei Sensitivitaet - **Negativ-Szenario** Liquidität auch positiv? Wenn nein: dann ist die Prognose **nur** im Basis-Szenario tragfähig. Das ist **nicht** ausreichend für eine positive Fortbestehensprognose. - **Stress-Szenario** soll mit den Maßnahmen abgefedert werden können — gegebenenfalls Patronatserklärungen Comfortletter Gesellschafterdarlehen. ## Konsolidierung mit dem Plugin `liquiditaetsplanung` Wenn das Plugin `liquiditaetsplanung` installiert ist: - Die detaillierte Wochenplanung erfolgt dort (Skill `liquiditaetsvorschau-3-6-12-monate`). - Hier importieren wir die Monatsaggregate. - Die Drei-Wochen-Schwelle § 17 InsO wird in `liquiditaetsplanung` separat geprüft. Wenn nicht installiert: einfache Tabelle hier; bei Bedarf nachinstallieren. ## Beispielergebnis ``` Liquiditätsprüfung Zwölf Monate Basis-Szenario: positiv (Endbestand jeweils über null) Negativ-Szenario: kritisch (Monat 11 unter null) Stress-Szenario: negativ ab Monat 4 Bewertung: ohne Sanierungsmaßnahmen ist die Liquidität im Stress-Szenario überschritten. Mit Maßnahmen aus Skill sanierungsbausteine-vorschlagen ist die Liquidität über den Horizont zu sichern. ``` ## 90-Prozent-Deckung ist der operative Maßstab Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - **In jedem Zeitabschnitt** muss die Deckung der fälligen Verbindlichkeiten mindestens **90 Prozent** betragen (Liquiditätslücke unter zehn Prozent). - **Eine vorübergehende Lücke** über zehn Prozent darf höchstens **drei Wochen** andauern. Wer laenger als drei Wochen unter 90 Prozent Deckung liegt ist nach BGH zahlungsunfähig — und das ist gerade nicht "fortfuehrbar". - **Über den vollen Zwölf-Monats-Horizont** muss diese Schwelle eingehalten werden — andernfalls ist die Fortbestehensprognose **negativ**. Die "mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit" der Prognose bezieht sich darauf dass dieses Szenario (Einhaltung der BGH-Schwelle über zwölf Monate) eintritt — also nicht ein abstrakter Erfolgswert sondern die methodische Wahrscheinlichkeit dass das Unternehmen die 90-Prozent-Deckung bzw. die Drei-Wochen-Karenz **über den gesamten Horizont durchhaelt**. **Konsequenz für die Liquiditätsprognose:** - Pro Monat (besser pro Woche in kritischen Phasen): Liquiditätsbestand plus Linie / fällige Verbindlichkeiten = Deckungsquote. - Deckungsquote in jedem Zeitabschnitt mindestens **90 Prozent**. - Bei Unterschreitung max. drei Wochen — danach muss die Quote zwingend über 90 Prozent zurückkehren. - Im Negativ- und Stress-Szenario diese Prüfung **wiederholen**. Wenn auch das Negativ-Szenario die Schwelle einhaelt: starke Prognose. Wenn nur das Basis-Szenario einhaelt aber das Negativ-Szenario reisst: knappe Prognose — nur mit zusätzlichen verbindlichen Maßnahmen positiv. ## Ausgabe - `liquiditaet-12-monate.xlsx` mit monatlichen Werten je Szenario. - `liquiditaet-monatssalden.md` als menschenlesbare Übersicht. - Hinweis auf Prüfer-Flag bei roten Monaten. - Empfehlung auf nächsten Skill `fortbestehensprognose-zusammenfuehren`. ## Aktuelle Leitentscheidungen — 12-Monats-Liquiditaetsplanung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Paragrafenkette 12-Monats-Liquiditaet § 17 InsO (Zahlungsunfaehigkeit, 10%-Schwelle) → § 19 Abs. 2 InsO (Fortbestehensprognose — Liquiditaet als Kernbestandteil) → IDW S 11 Rn. 50-65 (Liquiditaetsplanung als Prognosebaustein) → § 15a InsO (Antragspflicht bei negativem Forecast) ## Triage — 12-Monats-Forecast Check 1. **Methode?** Direkte Methode (Cash-In/Cash-Out) bevorzugt für insolvenzrechtliche Beurteilung. 2. **Periode?** Monatsgranularitaet Minimum; Wochen-Granularitaet wenn ZU-nahe. 3. **Annahmen konsistent?** Mit Umsatz- und Kostenplanung aus `annahmen-sammeln-fortfuehrung` abgestimmt? 4. **Engpaesse sichtbar?** Negative Saldi in einzelnen Monaten klar hervorgehoben und mit Gegenmassnahmen unterlegt?