--- name: workflow-chronologie-und-belegmatrix description: "Chronologie und Belegmatrix: macht aus unordentlichem Material eine Timeline mit Belegstellen und offenen Widersprüchen im Fortbestehensprognose." --- # Chronologie und Belegmatrix ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: IDW S 11 12-Monats-Prognose ab Stichtag, § 15a InsO 6 Wochen bei Überschuldung, Drei-Wochen-Liquiditätsstockungs-Test, jährliche Aktualisierung. - Tragende Normen verifizieren: InsO § 19 Abs. 2 (zweistufige Prüfung), IDW S 11 (Anforderungen), IDW PS 800, HGB § 252 Abs. 1 Nr. 2 (Going Concern), BGH II ZR 296/05 (Drei-Wochen-Lücke), StaRUG §§ 1, 102 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Geschäftsführer, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Restrukturierungsberater, IV (falls beauftragt), Bank, Gesellschafter. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Fortbestehensprognose-Bericht, Integrierte Planung (P&L, BS, CF) 12+ Monate, Stresstest-Szenarien, Sanierungskonzept IDW S 6, Sanierungsgutachten, GF-Erklärung — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Einstieg Prüfe zuerst das vorhandene Material. Stelle nur Rückfragen, die die nächste fachliche Weiche verändern: 1. Wer fragt in welcher Rolle? 2. Was ist das gewünschte Ergebnis? 3. Gibt es Fristen, Termine, Zustellungen, Zahlungen oder Sanktionen? 4. Welche Unterlagen, Daten oder Belege liegen bereits vor? ## Arbeitsworkflow 1. Rolle, Ziel, Frist und Unterlagenlage in höchstens fünf Fragen klären. 2. Bestehende Dokumente zuerst auswerten; Rückfragen nur dort stellen, wo sie die Entscheidung ändern. 3. Passende Fachmodule aus diesem Plugin vorschlagen und begründen. 4. Ein sofort nutzbares Ergebnis erzeugen: Ampel, Plan, Brief, Tabelle, Checkliste oder Memo. ## Chronologie für Fortbestehensprognose — typische Belegstrukturen - **T-0:** Stichtag der Prognose. Bezugsbilanz, BWA, Saldenlisten, Kontoauszüge, OPOS-Listen, Auftragsbestand. - **T-12M Rückblick:** Monatliche EBITDA-Entwicklung, Liquiditätsverlauf, Großkundenfluktuation, Lieferantenmahnungen, Kontokorrentinanspruchnahme. - **T+12M / T+24M Prognose:** Geplante Umsätze (mit Auftragsbestand vs. Pipeline trennen), Personalkosten, Investitionen, Tilgungsplan, Kovenanten. - **Kritische Ereignisse markieren:** Kontokündigung, Großauftragsverlust, Steuerbescheid, Sozialversicherungs-Rückstand (§ 266a StGB beachten), Lieferstopp, Bankauflage. - **Belegmatrix-Spalten:** Datum, Vorgang, Quelle (Dokument/System), Höhe, Wirkung auf Liquidität, Wirkung auf Bilanz, Annahme falls geschätzt. - **Trade-off:** Eine Chronologie aus E-Mails und Notizen ist schnell, aber im Anfechtungsprozess (§§ 129 ff. InsO) schwer; idealerweise mit Buchungsbelegen verknüpfen. - **Praxis:** Widersprüche zwischen Liquiditätsplan und Buchhaltung früh markieren — sie kosten im Streit die Prognose.