--- name: golden-share-und-vetorechte description: "Golden Shares und Vetorechte in GmbH oder AG satzungsmäßig absichern: Sonderrechte, Sperrminoritaeten. Normen: §§ 35 45 GmbHG, §§ 23 ff. AktG. Prüfraster: Satzungsgestaltung, Grenzen der Satzungsautonomie, Bestandsschutz, Vinkulierung. Output: Satzungsklausel Golden Share und Vetorechte. Abgrenzu..." --- # Golden Share und Sondervetorechte ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: DSGVO Art. 5, 6, 7, 9, 12-22, 25, 28, 30, 32, 33-34, 35, 51-58, 77-83, BDSG §§ 22-25, 26, 30 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachlicher Kern — Gesellschaftsrecht und Corporate Law - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Golden Share und Sondervetorechte` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** GmbHG §§ 3, 5, 13, 15, 16, 30, 34, 35, 40, 43, 46, 47, 49 ff.; AktG §§ 76, 93, 111, 119, 130, 243 ff.; HGB §§ 105 ff., 161 ff.; MoPeG/GesRÄndG-Folgen; UmwG; FamFG/Registerrecht; GWB/Fusionskontrolle bei Transaktionen. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 08.11.2022 - II ZR 91/21 (zutreffende Gesellschafterliste/Listenstreit); BGH, Beschluss vom 18.03.2025 - II ZB 11/24 (Registerordner/Gesellschafterliste, Prüfungsumfang); BGH, Urteil vom 11.12.2006 - II ZR 166/05 und Urteil vom 12.04.2016 - II ZR 275/14 (Treuepflicht, Zustimmungspflichten); BGH, Urteil vom 30.09.2025 - II ZR 154/23 (Drittvergleich/verdeckte Vermögenszuwendung, Organ-/Beschlusskontrolle). - **Arbeitsmodus:** Erst Gesellschaftsform, Organ, Beschlussweg, Vertretung, Registerlage, wirtschaftliches Ziel und Minderheitenposition sortieren; dann Treuepflicht, Kapitalerhaltung, Haftung, Transaktions-Closing und Beweis-/Vollzugsrisiko prüfen. - **Outputpflicht:** Beschluss-/Listenmatrix, Register-To-do, Board-/Beiratsvorlage, Closing-CP-Liste, Treuepflicht-Red-Team, Geschäftsführerhaftungsmemo oder Mandanten-Decision-Paper. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Triage zu Beginn Klaere vor Gestaltung von Vetorechten: 1. **Wessen Schutz?** Gruender gegen Investoren, Investor gegen Gruender, Familie gegen Nachfolger-Generation? 2. **Umfang des Vetorechts?** Voller Block (alle Beschluesse) oder selektive Themen (Restrukturierung, Satzungsaenderung, Verkauf)? 3. **Personenbezogen oder anteilsbezogen?** Personenbezogenes Vetorecht erlischt bei Anteilsabtretung; anteilsbezogenes geht mit dem Anteil ueber. 4. **Insolvenzantragspflicht bekannt?** § 15a InsO: Pflicht des GF antragzustellen unabhaengig von Golden Share — Vetorecht entbindet GF NICHT. 5. **Sitzverteilung im Beirat?** Gruender-Schutz kann auch ueber Beirats-Veto statt Golden Share strukturiert werden. 6. **Handelsregister-Publikation?** Satzungsklausel wird mit Satzung beim HR hinterlegt; oeffentlich. ## Zentrale Normen - **§ 3 II GmbHG** — Satzungsautonomie; Sonderrechte und Vorzugsklassen zulässig - **§ 47 GmbHG** — Beschlussfassung; Mehrheitsprinzip; Abweichung durch Satzung moeglich - **§ 47 IV GmbHG** — Stimmverbot bei Eigen-Interesse; gilt auch für Vetorechts-Inhaber - **§ 15a InsO** — Insolvenzantragspflicht des GF; wird durch Gesellschafter-Veto nicht beseitigt - **§ 31 StaRUG** — Antrag auf Restrukturierungsverfahren; freiwillig; Veto-Klausel hier wirksam - **§§ 133, 157 BGB** — Auslegung von Satzungs-Vetoklauseln bei Streit - **§ 138 BGB** — Sittenwidrigkeit: Veto ueber alle Beschluesse kann nichtig sein ## Aktuelle Rechtsprechung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Prüfschema: Golden Share-Gestaltung | Schritt | Frage | Norm | Ergebnis | |---|---|---|---| | 1 | Personenbezogen oder anteilsbezogen? | § 15 GmbHG | Bei Anteilsabtretung: erlischt oder geht ueber? | | 2 | Umfang sachlich begrenzt? | § 138 BGB | Kein Pauschal-Veto; selektive Themen | | 3 | Stimmverbot bei Eigeninteresse beachtet? | § 47 IV GmbHG | Veto-Inhaber bei Eigen-Sache: kein Stimmrecht | | 4 | Insolvenzantragspflicht gecheckt? | § 15a InsO | GF muss bei Insolvenzreife stellen; Veto greift nicht | | 5 | StaRUG-Veto sinnvoll? | § 31 StaRUG | Freiwilliges Verfahren; Veto hier wirksam | | Rechtsprechung live prüfen | Live-Verifikation erforderlich | Live-Verifikation erforderlich | keine Entscheidung aus Modellwissen; Quelle vor Ausgabe protokollieren | | 7 | SHA-Stimmverpflichtung ergaenzend? | § 242 BGB | Schuldrechtliche Sicherung bei Verstoss | ## Schritt-für-Schritt-Workflow 1. **Schutzinteresse definieren:** Wen schuetzen wir (Gruender, Investor, Familie) und wovor? 2. **Katalog der Veto-Themen festlegen:** Selektiv; maximal 5-8 klar definierte Anlaesse. 3. **Satzungs-Klausel entwerfen:** Personenbezogen vs. anteilsbezogen; Erloesch-Klausel formulieren. 4. **§ 15a InsO-Warnung einbauen:** Explizit im Vertrag und Erlaeuterungsprotokoll dokumentieren, dass Insolvenzantragspflicht des GF unberuehrt bleibt. 5. **SHA-Stimmverpflichtung** als schuldrechtliche Ergaenzung: für Faelle, die satzungsmaessig nicht erfasst sind. 6. **Notar-Beurkundung** der Satzungsaenderung (bei Verankerung in Satzung). 7. **Monitoring:** Jaehrliche Pruefung ob Veto-Klausel noch zum Unternehmens-Stadium passt. ## Output-Template: Satzungs-Klausel Golden Share **Adressat:** Gesellschaftsvertrag / Satzungsaenderung — Tonfall praezise ``` § [X] Sondervetorecht (Golden Share) (1) Die Inhaberin / Der Inhaber des Anteils Nr. [N] ([NAME], geb. [DATUM]) hat zusaetzlich zu den allgemeinen Stimmrechten ein Sondervetorecht. Folgende Beschluesse beduerfen ihrer / seiner ausdruecklichen Zustimmung: a) Aenderung der Satzung; b) Wesentliche Aenderung des Unternehmensgegenstands; c) Veraeusserung von mehr als 20 % des Bilanzvermoegens; d) Stellung eines Antrags auf Restrukturierungs- verfahren nach § 31 StaRUG; e) Aufloesung der Gesellschaft; f) Aufnahme neuer Gesellschafter mit Sonderrechten. (2) Die Insolvenzantragspflicht der Geschaeftsfuehrung nach § 15a InsO bleibt von Abs. 1 lit. d) unberuehrt. Das Sondervetorecht entbindet die Geschaeftsfuehrung nicht von der gesetzlichen Antragspflicht. (3) Das Sondervetorecht ist personenbezogen und nicht uebertragbar. Es erlischt mit dem Tod oder vollstaendiger Veraeu\sserung des Anteils Nr. [N]. (4) Bei offensichtlich treuwidrigem Veto ist die andere Partei berechtigt, Feststel-lungsklage zu erheben. ``` ## Rote Schwellen - Veto in der Insolvenzsituation: GF MUSS nach § 15a InsO stellen; Veto schuetzt GF nicht vor Strafbarkeit - Pauschal-Veto ueber alle Beschluesse: Nichtigkeit nach § 138 BGB moeglich (OLG Frankfurt 2021) - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Personenbezogenes Veto bei Erbfall: pruefen ob Erben das Vetorecht erben sollen oder es erloeschen soll ## Quellen und Vertiefung - §§ 3, 47, 47 IV GmbHG; §§ 138, 242 BGB; § 15a InsO; § 31 StaRUG - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Keine Kommentar-, Handbuch- oder Aufsatzfundstellen aus Modellwissen zitieren. Literatur nur nutzen, wenn der Nutzer die Quelle bereitstellt oder ein lizenzierter Live-Zugriff sie verifiziert. ## Uebergabe an andere Skills - `gesellschaftsgruender-share-classes-a-b-c` — Verbindung mit Klassen-Strukturen - `gesellschaftsgruender-sha-satzung-stimmverpflichtung` — Stimmverpflichtungs-Klauseln - `gesellschaftsgruender-gesellschafterstreit-eilantraege` — Konfliktfall; einstweilige Verfuegung - `gesellschaftsgruender-gesellschaftsvertrag-gmbh` — Satzungs-Gestaltung