--- name: share-classes-a-b-c description: "Anteilsklassen A, B, C in GmbH oder AG gestalten: unterschiedliche Gewinn-, Stimm- und Liquidationsrechte. Normen: §§ 29 47 GmbHG, §§ 11 12 AktG. Prüfraster: Satzungsgestaltung, steuerliche Wirkung, Investorenerwartungen. Output: Satzungsklauseln Anteilsklassen. Abgrenzung: nicht Golden-Share-Ein..." --- # Anteilsklassen A / B / C / Common ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: DSGVO Art. 5, 6, 7, 9, 12-22, 25, 28, 30, 32, 33-34, 35, 51-58, 77-83, BDSG §§ 22-25, 26, 30 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachlicher Kern — Gesellschaftsrecht und Corporate Law - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Anteilsklassen A / B / C / Common` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** GmbHG §§ 3, 5, 13, 15, 16, 30, 34, 35, 40, 43, 46, 47, 49 ff.; AktG §§ 76, 93, 111, 119, 130, 243 ff.; HGB §§ 105 ff., 161 ff.; MoPeG/GesRÄndG-Folgen; UmwG; FamFG/Registerrecht; GWB/Fusionskontrolle bei Transaktionen. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 08.11.2022 - II ZR 91/21 (zutreffende Gesellschafterliste/Listenstreit); BGH, Beschluss vom 18.03.2025 - II ZB 11/24 (Registerordner/Gesellschafterliste, Prüfungsumfang); BGH, Urteil vom 11.12.2006 - II ZR 166/05 und Urteil vom 12.04.2016 - II ZR 275/14 (Treuepflicht, Zustimmungspflichten); BGH, Urteil vom 30.09.2025 - II ZR 154/23 (Drittvergleich/verdeckte Vermögenszuwendung, Organ-/Beschlusskontrolle). - **Arbeitsmodus:** Erst Gesellschaftsform, Organ, Beschlussweg, Vertretung, Registerlage, wirtschaftliches Ziel und Minderheitenposition sortieren; dann Treuepflicht, Kapitalerhaltung, Haftung, Transaktions-Closing und Beweis-/Vollzugsrisiko prüfen. - **Outputpflicht:** Beschluss-/Listenmatrix, Register-To-do, Board-/Beiratsvorlage, Closing-CP-Liste, Treuepflicht-Red-Team, Geschäftsführerhaftungsmemo oder Mandanten-Decision-Paper. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Triage — kläre vor der Klassenstruktur 1. Liegt bereits ein Term Sheet oder LOI eines Investors vor — und fordert der Investor Vorzugsklassen? 2. Sollen Gründer vor Investor-Verwässerung geschützt werden (dann: Super-Voting Common)? 3. Ist ein ESOP-/VSOP-Pool geplant, der eine eigene Klasse benötigt? 4. Besteht bei der aktuellen Gesellschafterstruktur bereits ein Klassenkonflikt-Risiko (z.B. 50/50 ohne Stichentscheid)? 5. Sind bilinguale Klauselversionen (Deutsch/Englisch) für internationalen Investor erforderlich? ## Zentrale Normen - **§ 45 GmbHG** — Rechte der Gesellschafter; Abweichung von Satzungsstandards durch Satzung möglich. - **§ 47 GmbHG** — Stimmrecht: 1 EUR Stammkapital = 1 Stimme Standard; Abweichungen in Satzung zulässig. - **§ 55 Abs. 2 GmbHG** — Bezugsrecht bei Kapitalerhöhung; Ausschluss möglich bei sachlicher Rechtfertigung. - **§ 53 Abs. 2 GmbHG** — Satzungsänderung: 75-%-Mehrheit; Einführung von Klassen erfordert Satzungsänderung. - **§ 14 GmbHG** — Grundrechte der Gesellschafter: Gewinnanteil, Stimmrecht, Auskunft — können in Klassen differenziert werden. ## Aktuelle Rechtsprechung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Klassen-Übersichtstabelle | Klasse | Typischer Inhaber | Stimmrecht | Liquidation Preference | Anti-Dilution | Veto-Rechte | |---|---|---|---|---|---| | Common | Gründer / Management | 1:1 (oder Super-Voting) | — | — | — | | Class A (Series A) | Erster institutioneller Investor | 1:1 oder 1:1,2 | 1x non-participating | Weighted Avg. broad | Ja | | Class B (Series B) | Zweiter Investor | 1:1 | 1x-1,5x non-participating | Weighted Avg. broad | Ja | | Class C+ | Spätere Runden | 1:1 | Pari passu oder 1x | Weighted Avg. broad | Ja | | ESOP Common | Mitarbeiter (Pool) | — oder 1:1 | — | — | — | ## Typische Klauseln ### Liquidation Preference (1x non-participating) ``` § [X] Liquidation Preference (1) Im Fall der Auflösung der Gesellschaft, eines Unternehmensverkaufs (Share Deal oder Asset Deal) oder einer anderen Liquidationsmassnahme erhalten die Inhaber von Anteilen der Klasse A (Class A) vor Verteilung an die Inhaber von Common-Anteilen einen Betrag in Höhe des jeweils geleisteten Ausgabepreises ihrer Class-A-Anteile (Liquidation Preference). (2) Nach Auszahlung der Liquidation Preference nach Absatz 1 nehmen die Inhaber der Class-A-Anteile nicht weiter am Resterlös teil (non-participating). (3) Class-A-Inhaber koennen anstelle der Liquidation Preference waehlen, an der Verteilung anteilig nach Nominalanteil teilzunehmen, wenn dies für sie rechnerisch vorteilhafter ist. ``` ### Anti-Dilution (Weighted Average broad-based) ``` § [Y] Anti-Dilution-Schutz Bei einer Ausgabe neuer Anteile zu einem Preis pro Anteil (Issue Price), der unter dem Ausgabepreis der Class-A-Anteile liegt (Down Round), wird der Ausgabepreis der Class-A-Anteile angepasst auf Basis der folgenden gewichteten Durchschnittsformel (Weighted Average, broad-based): CP2 = CP1 × (A + B) / (A + C) CP1 = bisheriger Class-A-Ausgabepreis CP2 = angepasster Class-A-Ausgabepreis A = Anzahl ausstehender Anteile vor Down-Round-Ausgabe B = Gegenwert der neuen Anteile zum bisherigen CP1 in EUR C = Anzahl tatsaechlich ausgegebener neuer Anteile Die Anpassung erfolgt durch Ausgabe zusaetzlicher Class-A-Anteile oder durch Aendrung des Ausgabepreises für ausstehende Class-A-Anteile. ``` ## Schritt-für-Schritt-Workflow 1. **Triage** — 5 Triage-Fragen beantworten; Investor-Anforderungen klären. 2. **Klassensystem entwerfen** — Common, Class A (B, C) und ESOP-Pool definieren. 3. **Stimmrecht** — Super-Voting für Gründer? Mehrstimmrecht für bestimmte GV-Beschlüsse? 4. **Liquidation Preference** — 1x non-participating Standard; participating nur auf expliziten Investor-Wunsch. 5. **Anti-Dilution** — Weighted Average broad-based Standard; Full Ratchet nur bei Ausnahme-Investoren. 6. **Vetorechtskatalog** — welche Beschlüsse erfordern Zustimmung des Class-A-Investors? 7. **Satzungsklauseln entwerfen** — auf Basis der Muster oben; bilingual (D/E) bei internationalem Investor. 8. **Satzungsänderung** — Notar-Termin; 75-%-Mehrheit; HR-Anmeldung. ## Output-Template Klassenstruktur-Übersicht **Adressat:** Investor / Gründer intern — Tonfall sachlich-präzise ``` KLASSENSTRUKTUR [FIRMENNAME] GMBH Stand: [Datum] Version: [Nr.] CAP TABLE MIT KLASSEN | Gesellschafter | Klasse | Anteile | % | Ausgabepreis | Liq. Pref. | Anti-Dil. | Veto | |---------------|-------|---------|---|-------------|-----------|----------|------| | [Gründer 1] | Common | [Nr.] |[%]| [EUR] | — | — | — | | [Gründer 2] | Common | [Nr.] |[%]| [EUR] | — | — | — | | [Investor A] | Class A | [Nr.] |[%]| [EUR] | 1x NP | WA broad | Ja | | ESOP Pool | Common | [Nr.] |[%]| reserviert | — | — | — | VETORECHTE CLASS A (Investor) [ ] Kapitalerhöhung > [EUR] [ ] Unternehmensverkauf / Liquidation [ ] Änderung der Investorenrechte [ ] Ausgabe neuer Vorzugsanteile [ ] Dividenden-Beschluss ``` ## Rote Schwellen - Bezugsrechtsausschluss für neue Klasse ohne sachliche Rechtfertigung → anfechtbar (BGH Kali+Salz). - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Klassensystem ohne Satzungsgrundlage (nur in SHA) → keine dingliche Wirkung; schuldrechtlich nur. - Full-Ratchet-Anti-Dilution ohne explizite Zustimmung aller Gründer → Verwässerungsschutz kann ruinös wirken; sorgfältig verhandeln. ## Quellen und Vertiefung - §§ 14, 45, 47, 53, 55 GmbHG (Gesellschafterrechte, Stimmrecht, Satzungsänderung, Kapitalerhöhung) - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - Scholz/Seibt, GmbHG, § 47 Rn. 30-50 ## Übergabe an andere Skills - `gesellschaftsgruender-gesellschaftervereinbarung` — Liquidation Preference, Anti-Dilution im SHA - `gesellschaftsgruender-genehmigtes-kapital` — Ausgabe neuer Klassen aus genehmigtem Kapital - `gesellschaftsgruender-kapitalerhoehung-bezugsrecht` — ordentliche KE mit Bezugsrechtsausschluss - `gesellschaftsgruender-klauselkatalog-bilingual` — Klauseln in Deutsch und Englisch